Rechtsanwältin Raue verhöhnt die Missbrauchs- opfer der Jesuiten: Sie fordert 50.000 Euro Entschädigung – für sich selbst!

01. März 2011

 

Hintergrund ist der Zeitungsartikel, der am 20. Januar 2011 im Tagesspiegel Frau Raues fragwürdiges Verhalten thematisierte. Durch diese Veröffentlichung sei Frau Raue angeblich ein Schaden entstanden, für den sie mit 50.000 Euro entschädigt werden will.

Für die Opfer sexueller Gewalt durch Jesuiten sieht Ursula Raue hingegen weitaus weniger Entschädigungs­bedarf. Bereits wenige Tage nach der Veröffentlichung der ersten Miss­brauchs­fälle glaubte sie in einem ersten „Zwischenbericht“ am 18.02.2010 folgende Meinung der Betroffenen wieder­geben zu können:

In den allermeisten Fällen wollen die Betroffenen keine materielle Kompen­sation des erlittenen Unrechts. Viele sind bereits dadurch erleichtert, dass sie ihre Geschichte erzählen konnten und ihm zugehört wurde. Andere möchten gerne eine ernst gemeinte Entschuldigung hören.“

Pressemitteilung

Zehnseitiger Bericht von Frau Raue zum Missbrauch am Kolleg St. Blasien veröffentlicht

19. Februar 2011

Unbemerkt von der Öffentlichkeit hat Frau Raue im Verlauf dieser Woche einen 10seitigen Bericht zu den Missbrauchsfällen am Kolleg St. Blasien vorlegt.

Frau Raue ist weiterhin für sämtliche Missbrauchsfälle durch Jesuiten in Deutschland zuständig – mit Ausnahme des Aloisiuskollegs in Bonn. Am dortigen Kolleg hatte sich Frau Raue bereits 2007  durch ihr fragwürdiges Handeln (Stichwort: Vernichtung von Beweismaterial) so eindeutig disqualifiziert, dass für diese Schule ein eigenes Untersuchungsteam mit drei Untersucherinnen eingesetzt wurde. Dieses Team hat am 15.02.2011 eine Bericht für das Aloisiuskolleg vorgelegt, der 233 Seiten umfasst.

Für sämtliche anderen Fälle an den anderen Jesuiteneinrichtungen in Deutschland ist allein Frau Raue zuständig. Sie besitzt hierfür offenbar die nötige Fachkompetenz und Kapazitäten. Fachliche Unterstützung oder Team-Austausch mit Kolleginnen oder Kollegen aus anderen Disziplinen (beispielsweise Psychologen, Fachleute für sexuellen Missbrauch o.ä.) braucht sie offenbar nicht.

Die von Frau Raue vor einem Jahr (!) angekündigte dringende “Einrichtung eines Arbeitsstabes für die Aufarbeitung der Vorgänge an den einzelnen Schulen und Internaten” (Zwischenbericht vom 18.02.2010, Seite 6) hat also niemals stattgefunden. Der Arbeitsstab besteht allein aus Frau Raue, die sich selbst dabei über die Schulter schaut. (Und auch allein abrechnet. Frau Raues Stundensatz beträgt 90,– Euro zzgl. 19% Mehrwertsteuer.)

Die Ergebnisse ihrer Aufarbeitungstätigkeit in  sämtlichen anderen Missbrauchsfällen der Jesuiten hat Frau Raue am 27. Mai 2010 in einem Bericht von 27 Seiten dargelegt. Zusammen mit ihrem sechsseitigen “Zwischenbericht” vom 18.02.2010 und den jetzt nachgereichten 10 Seiten zu St. Blasien hat Frau Raue in zwölf Monaten also immerhin 43 Seiten Text vorgelegt.

Kritisiert wird von Betroffenen die fachlich fragwürdige Einordnungen und sprachlichen Verharmlosungen der Missbrauchstaten durch Frau Raue. Beispielsweise hatte Pater Wolfgang Statt (alias “Pater Bertram”) an drei Jesuitenschulen “in etlichen hundert Fällen” (Selbstauskunft) Kinder und Jugendliche auf das (überwiegend) nackte Gesäß geschlagen oder gepeitscht, er war dabei in sexueller Erregung, keuchte und schnaubte. Im Anschluss an die Taten wurden einigen Opfern das verletzte Gesäß sorgfältig von Pater Statt eingecremt oder gestreichelt, manchen führte Statt Zäpfchen ein. In ihrem aktuellen Bericht bezeichnet Frau Raue Wolfgang Statts Missbrauchshandlungen als “Prügelattacken … , deren sexuell-sadistische Komponente von den Opfern erst sehr viel später als solche erkannt wurde”.

ECKIGER TISCH fordert weiterhin im Namen vieler Betroffener die Ablösung von Frau Raue als Missbrauchsbeauftragte und die Einführung einer unabhängigen Ansprechpartnerin, die auch das Vertrauen der Betroffenen genießt – und nicht nur das Vertrauen des Jesuitenordens.

Niemand dachte an die Kinder

15. Februar 2011

Vor etwa 30 Pressevertretern präsentierte heute das Team von Prof. Julia Zinsmeister nach achtmonatiger Untersuchung den Abschlussbericht “Schwere Grenzverletzungen zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen im Aloisiuskolleg Bonn-Bad Godesberg”.

Für den 233 Seiten starken Bericht wurden die Aus- sagen von 58 Personen ausge- wertet, die in einem Zeitraum von 60 Jahren die Grenzverletzungen von 23 Tätern (18 Jesuiten, 5 weltliche Mitarbeiter) erlebt oder wahrgenommen haben. Frau Zinsmeister machte darauf aufmerksam, dass damit keinesfalls alle Vorkommnisse erfasst seien. Es müsse davon ausgegangen werden, dass sich viele betroffene Altschüler nicht gemeldet hätten.

Laut Frau Zinsmeister habe es unter den Grenzverletzungen sowohl körperliche Misshandlungen als auch Akte sexualisierter Gewalt (bis hin zu schwerem Missbrauch) gegeben, die auch nach den jeweiligen damaligen Gesetzeslage eindeutig strafbar gewesen seien. Auch entwürdigende Erziehungsmaßnahmen und Psychoterror dokumentiert der heute vorgestellte Bericht. Frau Zinsmeister gab an, dass bei den meisten Tätern, die Ordensleitung von derem problematischen Charakter gewusst habe. Auch ließe sich in zwei Fällen von gezielter Vertuschung reden. Ansonsten aber habe sich Schul- wie Ordensleitung oft so wenig für das Wohl der Kinder und Jugendlichen interessiert, dass eher von einem Gar-nicht-erst-Hinsehen, als von einem systematischen Wegsehen gesprochen werden müsse. Der Ruf der Schule und die Leistungen der einzelnen Täter hätten stets den Vorrang gehabt.

Provinzial Stefan Kiechle äußerte seine Betroffenheit und entschuldigte sich abermals im Namen des Ordens bei den Opfern für das angetane Leid. Auch sehe er ein schweres Versäumnis in dem Unstand, dass für den Orden der Ruf immer im Vordergrund stand. Anschließend rechnete Pater Kiechle vor, dass in sechs Jahrzehnten 245 Jesuiten am Aloisius-Kolleg gearbeitet hätten. Fünf davon würden nun “wegen sexualisierter Gewalt” beschuldigt. “Ist das viel, ist es wenig?”, fragte Kiechle. “Jeder einzelne Fall ist schrecklich, und jeder einzelne ist zu viel”, gab er selbst die Antwort. Zur Frage einer Genugtuungszahlung sagte Kiechle, dass die Opfer nach einer Prüfung durch den Orden 5.000 Euro als “mehr symbolisches Zeichen der Anerkennung” bekommen sollen.

Bei einer anschließenden zweiten Pressekonferenz, die der nicht auf das Podium geladene “Eckige Tisch Aloisiuskolleg” veranstaltete, äußerte Sprecher Jürgen Repschläger, dass 5.000 Euro weder eine wirkliche Anerkennung für die Betroffenen noch eine für die Jesuiten schmerzhafte Sühne seien. Man sei bereit, sich mit den Jesuiten an einen Tisch zu setzen und sich positiv überraschen zu lassen. Bisher sei der Dialog leider sehr einseitig verlaufen. Jüngste Beispiele: Sowohl die Summe von 5.000 Euro als auch die Pressekonferenz seien ohne Mitsprachemöglichkeit der Betroffenen entschieden und der Öffentlichkeit präsentiert worden.

Im Namen der Angehörigen

07. Februar 2011

Von Lydia S.,  Ehefrau eines Betroffenen

5.000 Euro? Als Anerkennung für erlittenes Leid? Das will ich nicht gehört oder gelesen haben.

Beim ersten „Eckigen Tisch“ am 29. Mai 2010 zeigten sich die anwesenden Jesuiten erstaunt darüber, dass neben und hinter jedem Betroffenen Eltern, Partner und Partnerinnen und Kinder stehen. Sie hatten uns vergessen. Das war echt. Sie hatten einfach nicht nachgedacht.

Teilweise leben die Eltern nicht mehr oder die Partner / Partnerinnen haben sich getrennt. Die meisten Kinder der Betroffenen sind erwachsen. Es wäre interessant, sie über die Erfahrungen mit ihren missbrauchten Vätern zu befragen.

Hat einer sie angehört? Hat einer sich bei den Eltern und Partnern und Kindern entschuldigt? Ich nehme an, dass die Jesuiten uns alle in ihr Abendgebet einschließen. Aber vielleicht sollte ich sie daran erinnern, das zu tun?

Liebe Jesuiten, habt Ihr einmal durchgerechnet, wie viel ein Schulplatz an Euren Schulen die Eltern gekostet hat? Das Canisius-Kolleg war günstig, aber am Aloisiuskolleg und in St. Blasien haben die Eltern mehrere 10.000 DM bezahlt im Laufe der Schulzeit ihrer Kinder, die dort missbraucht wurden.

Manche der Schüler wurden der Schule verwiesen und zerbrachen daran, leben im Extremfall seit Jahren von Hartz IV. Manche wurden krank, drogenabhängig oder nahmen sich das Leben.

Manche Eltern mussten jahrelang viel Geld in ihre missbrauchten Jungs investieren, damit sie mit Hilfe von Therapien von Drogen loskamen oder weiterleben konnten.

Jede Einzelrechnung übersteigt die Zahl 5000.

Natürlich, diese Summe ist als Anerkennung gedacht.

Wenn ich mein Fahrrad zur Reparatur gebe und es dort geklaut wird oder beschädigt, erhalte ich zumindest den Wert dessen ersetzt, was da als Auftrag vorlag. Und dann könnte man noch über einen Blumenstrauß für den Ärger und den Aufwand nachdenken oder eine Entschuldigung.

Das ist ein einfaches Bild, finde ich.

Nun zu mir. Ich lebe seit vielen Jahren mit einem schwer erkrankten Betroffenen. Ob seine Krankheit eine Folge der Missbrauchserfahrungen ist, werde ich nie wissen. Jedoch ist mein Partner einer dieser mutigen Männer gewesen, die die Welt verändert haben. Die zunächst allein durch ihren Mut, an die Öffentlichkeit zu treten, eine Lawine ins Rollen brachten, die uns seit einem Jahr mitreißt. Und ich warte noch auf den Moment, dass wir irgendwo langsamer werden, damit die Bergwacht endlich anfangen kann, uns zu befreien.

Mein Mann ist selbstständig und hat seine Arbeitskraft im vergangenen Jahr dem ‚Eckigen Tisch’ und den vielen Betroffenen geschenkt, die sich meldeten und den Kontakt brauchten. Es konnte nicht geschwiegen werden oder zur Tagesordnung übergegangen werden. Diese Menschen fanden im vergangenen Jahr die Kraft, sich zu offenbaren, fremden Männern ihre intimsten und schrecklichsten Geheimnisse zu erzählen. Mein Gott, da muss man reden. Selbst wenn sie es auch nur in Ansätzen gewollt hätte, dies konnte Frau Raue nicht leisten, geschweige denn, dass die Männer sie als Gesprächspartnerin wollten.

Mein Mann – unter anderen – konnte dieser Gesprächspartner sein. Das kostet bis heute Zeit und Kraft und ist notwendig und wichtig. Da haben wir nicht nachgedacht. Das musste sein. Wir schränkten uns ein und er tat, was getan werden musste.

Auch Matthias Katsch tat es. Im vergangenen Jahr wurde er das Gesicht an Stelle all der Betroffenen. Auch er hat das vergangene Jahr dem Ehrenamt gewidmet.

Ich merkte ja auch, welche Kraft diese unbändige Wut des jahrzehntelangen Schweigens freisetzte … durchwachte Nächte, Tage am Computer, Gespräche bis zum Morgengrauen. All die Betroffenen waren plötzlich bedürftig nach diesem Kontakt, dem Kontakt zu den anderen Betroffenen. Das war notwendig und wie Balsam auf ihre offenen Seelenwunden. Keiner konnte schlafen, bis heute nicht.

Es war und ist eine unglaubliche Zeit, aber wir sind pleite nach diesem Jahr. Und ich weiß nicht, wohin das noch führt.

Es wirkt banal, aber wir haben aus Not und Prinzip die Rechnung unserer langen gemeinsamen Paartherapie bei den Jesuiten eingereicht. Hätten wir damals gewartet, wir wären heute kein Paar mehr. Die Ursache unserer Paarprobleme waren eindeutig die Folgen der Missbrauchserfahrungen. In diesem verrückten Jahr könnten wir das Geld wirklich gebrauchen. Aber bislang denken die Jesuiten immer noch darüber nach, ob auch vergangener Therapiebedarf von ihnen ausgeglichen wird.

All die Menschen, die sich an runden Tischen treffen, können ihre Fahrtkosten abrechnen und diese Arbeit in ihrer bezahlten Arbeitszeit erledigen. Wie schön. Aber die eigentlichen Helden? Pech gehabt. Ehrenamt. Gottes Lohn.

Ich neige nicht zu Hysterie, ich bin eigentlich auch nicht unbedingt sarkastisch. Aber wenn ich das nicht schreiben könnte, würde ich platzen. Die Stimme ist mir fast versiegt.

Im Sommer habe ich darüber geschrieben, „welches Leben wir hätten leben können“, im Nachhinein noch einmal durchdacht.

Ja, liebe Jesuiten, was denkt Ihr eigentlich? Es gibt Mütter, deren Söhne nicht mehr mit ihnen sprechen. Es gibt Eltern von Betroffenen, die ihre Söhne für immer verloren haben. Da sind Väter von Betroffenen, die mit den Selbstvorwürfen nicht mehr ruhig schlafen, mit Not vom Amoklauf abgehalten wurden. Ehrlich!

Ehen stehen seit dem vergangenen Jahr auf dem Prüfstein, da die Männer mitgerissen wurden von einem Tsunami und Ehefrauen zum ersten Mal von dem Missbrauch ihrer Partner erfuhren. Kinder sprachen monatelang nicht mit ihren Vätern, da sie diese Offenbarungen nicht hören wollten. Dies zerstörte auch ihre junge heile Welt. Ganz zu schweigen von den Kindern, die selber wiederum auf der Schule des Missbrauchs ihrer Väter sind.

Es tut sich ein riesiges dunkles Loch vor mir auf. All das lässt sich keinesfalls irgendwie vergüten oder aufwiegen mit Geld. Das ist wahr. Aber ein klägliches Monatseinkommen für uns? Entschuldigung, aber da schüttelt es mich bei dem Gedanken. Was sollen wir mit 5.000 Euro? Vielleicht spenden, für die Präventionsarbeit an Jesuitenschulen? Ich weiß auch nicht. Das ist alles sehr bitter.

Ich möchte die Geschichten der Partner und Partnerinnen dokumentieren, ich möchte die Eltern hören. Wir sollten das veröffentlichen, damit der Täter-Orden und die Täterschutzorganisation katholische Kirche über das nachdenkt, was sie seit einem Jahr weiterhin tun: Sie verletzen mit jeder einzelnen Äußerung, die sie zu diesem Thema tätigen.

Schweigen Sie still und denken Sie nach! Denken Sie einfach einmal nach!

Lydia S.

PS: Ich freue mich über Reaktionen von Betroffenen und deren Angehörigen – entweder als Kommentar (für alle lesbar) oder an mich persönlich unter lydia@eckiger-tisch.de

Text zum Download

Spin-Doctor Klaus Mertes

28. Januar 2011

Im Blog des publik-forum analysiert Christoph Fleischmann unter der Überschrift Spin-Doctor Klaus Mertes: Schlechtes Angebot, gute Presse das jesuitische Angebot und die geschickte Politik der Jesuiten, die Medien zu nutzen, um ein schlechtes Angebot gut verkaufen zu können.

Das Angebot, so Fleischmann, verstößt gegen hohe theologische Ideale, die Klaus Mertes in seinem jüngsten Buch »Sein Leben hingeben« entwickelt hat; es entspricht auch nicht den Regeln des Basars des Aushandelns, die dann, so man eben der Sühneforderung der Opfer nicht nachgeben will oder kann, zur Anwendung kommen müssten.

Diesem Dilemma entziehen sich die Jesuiten durch das geschickte Auftreten ihres “Spin-Doctors” Mertes.  Aber, so die Schlussfolgerung, einen Versöhnungsprozess [...] kann man das nicht nennen.

Lesenswerter Kommentar, danke!

Presseerklärung zur Ankündigung der Jesuiten, in drei Monaten eine ‘Anerkennungszahlung’ leisten zu wollen

27. Januar 2011

Die Pressemitteilung, die der Eckige Tisch heute als Stellungnahme zu dem Schreiben von Herrn Kiechle an die Betroffenen versandt hat, steht hier zum Download bereit.

„Wie lange wollt ihr noch Schäfchen sein?“

26. Januar 2011

Matthias bilanziert im Tagesspiegel in einem klugen Essay, dass an der Diktatur des Kirchenstaats und der rigiden Sexualmoral der katholischen Kirche die öffentliche Debatte wenig geändert hat:

Hat sich die katholische Kirche in Deutschland den mit dem Missbrauchsskandal verbundenen Fragen gestellt? Werden vielleicht sogar schon Antworten gegeben? Leider sieht es bisher nicht danach aus. Es scheint, als störten die unbequemen Opfer nur. Bis heute reagieren die Bischöfe nicht auf die Bitte von Betroffenen zum direkten Dialog.

Im Kern müsste die Debatte, die man ängstlich zu vermeiden sucht, sich um drei Aspekte drehen, die innerlich zusammenhängen: die Ordnungsform der Kirche, ihre Lehren zur Sexualität und der Kitt, der alles zusammenhält: das Geld. Altmodisch gesprochen geht es also um Gehorsam, Keuschheit und Armut – und den Missbrauch an diesen Tugenden zum Zwecke des Machterhalts, den die Hierarchie andauernd betreibt.

Ein zweiter Beitrag schaut, auch hier aus der eindrücklichen persönlichen Sicht von Matthias, auf das Jahr seit Bekanntwerden der Verbrechen an den Jesuitenschulen zurück.

Und zum dritten findet sich heute – bereits zum zweiten Male – eine ‘Richtigstellung’ zu dem inzwischen zurückgezogenen Raue-Artikel von vergangener Woche im Tagesspiegel.

Was dem Jesuitenorden der Lebensschaden der Missbrauchsbetroffenen wert ist

24. Januar 2011

Die Berliner Zeitung berichtet am 24. Januar 2011 auf der Titelseite, dass der Deutsche Jesuitenordenden den Betroffenen eine vierstellige Summe zahlen will:

“Als ersten Schritt werde man für die rund 205 namentlich bekannten Opfer aus Jesuiten- schulen das angekündigte Angebot ‘präzisieren und umsetzen, insgesamt voraussichtlich rund eine Million Euro’, sagte der Rektor des Berliner Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes.”

Dasselbe Angebot hatte Provinzial Stefan Kiechle bereits im September 2010 im Vorfeld des zweiten ECKIGEN TISCHES in der Süddeutschen Zeitung verkündet und war damit bei den Betroffenen auf Ablehnung und Empörung gestoßen.

Auf Seite 3 findet sich außerdem ein ausführlicher Beitrag über die aktive Rolle der Gruppe ECKIGER TISCH bei der Bekanntmachung der Missbrauchstaten:

“Die Überlebenden”

“Pricing the priceless” oder: Was ist ist ein Mensch wert?

23. Januar 2011

Jesuitenprovinzial Kiechle hat im September 2010 im Interview mit der Süddeutschen Zeitung das Angebot verbreitet, den ehemaligen Jesuiten- schülern, die Opfer von sexuellem Missbrauch durch Jesuitenpatres und im Anschluss Opfer der jahrzehnte- langen Vertuschung dieser Verbrechen geworden sind, für diesen schweren Lebens- schaden eine Entschädigungszahlung in der Kategorie eines Monatsgehaltes zu zahlen.

Diese Entschädigungszahlungen wollen sich die Jesuiten durch “Einschränkung ihres Lebensstils” (Zitat Provinzial Dartmann) quasi vom Munde absparen.

Die Betroffenen, in deren Psyche und Persönlichkeit massive, fortdauernde Schäden angerichtet wurden, haben eine andere Vorstellung vom Wert ihres Lebens und von einer angemessenen Genugtuung für diese Schäden und die daraus resultierenden Konsequenzen, die sie seit Jahrzehnten ertragen haben und mit denen sie wohl auch für den Rest ihres Lebens werden leben müssen.

Sie fordern eine finanzielle Entschädigung, mit der jeder Betroffene für sich persönlich kompensatorisch etwas Sinnvolles anfangen kann, und haben eine Summe von 82.373 Euro für jeden Betroffenen gefordert. Sie beziehen sich dabei auf eine wissenschaftliche Veröffentlichung der Universität Innsbruck.

WissenschaftlerInnen  haben sich hier seit Jahren mit der Frage beschäftigt, wieviel ein Menschenleben wert ist und wie man einen Schaden, der einem Menschen zugefügt wird, bewerten kann.

Sie haben dazu im Jahr 2010 einen bemerkenswerten Artikel veröffentlicht, den wir hier zur Diskussion stellen:

“Der ‚Wert’ des Menschen“

von Andrea M. Leiter, Magdalena Thöni und Hannes Winner

Im August 2010 veröffentlichten sie den Beitrag international mit aktualisiertem Zahlenmaterial:

“Evaluating Human Life Using Court Decisions on Damages for Pain and Suffering”

Deutsche und österreichische Medien haben darüber berichtet („Was ist ein Mensch wert?“):

DIE ZEIT

FORMAT

“Worte sind zu wenig”

21. Januar 2011

In der  Wochenzeitung Die Zeit, genauer in der Beilage Christ und Welt für die Abonnenten des ehemaligen  Rheinischen Merkur, ist am 20. Januar 2011 nicht nur ein Artikel von Jesuiten-Provinzial Stefan Kiechle über die Schlussfolgerungen für die Kirche aus dem so genannten Missbrauchsskandal erschienen, sondern auch eine Bilanz der vergangenen 12 Monate aus Sicht der Betroffenen.

Diese Beilage ist am Kiosk erhältlich und online derzeit nicht verfügbar.

Wir dokumentieren hier den Beitrag von Matthias Katsch:
Worte sind zu wenig