Internationale Betroffeneninitiative ECA berät sich im Kampf gegen Missbrauch durch Kleriker erstmalig mit Anti-Missbrauchsexpert*innen der katholischen Kirche

Vom 6. bis 8. Juni 2024 trafen sich der Vorstand der Betroffeneninitiative Ending Clergy Abuse (ECA) mit Anti-Missbrauchsexpertinnen der katholischen Kirche in Rom, um ein neues „Null-Toleranz“-Mandat für missbrauchende Kleriker zu erarbeiten. Die finale Ausarbeitung werden sie gemeinsam im September vorlegen.

Zum ersten Mal in der Geschichte der Krise des sexuellen Missbrauchs durch Kleriker, hat sich ein globales Netzwerk von Betroffenen mit den führenden Anti-Missbrauchsexpertinnen der katholischen Kirche zusammengeschlossen, um ein neues „Null-Toleranz“-Mandat in der katholischen Kirche zu entwickeln.

Die Verantwortlichen von Ending Clergy Abuse (ECA) trafen sich vor zwei Wochen gemeinsam mit Pater Hans Zollner SJ, dem Direktor des Instituts für Anthropologie (IADC) an der Päpstlichen Universität Gregoriana und Monsignore Peter Beer, dem Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung des IADC.

Vom 6. bis 8. Juni arbeitete das Team des ECA und des IADC zusammen, um einen Plan für neue Richtlinien und Gesetze zu erarbeiten, der unter anderem den permanenten Ausschluss von Sexualstraftätern aus dem kirchlichen Dienst vorsieht. Moderiert wurde die dreitägige Konferenz von Matthias Katsch, Sprecher der deutschen Betroffeneninitiative Eckiger Tisch und einer der Gründer von ECA, sowie von Pater Hans Zollner.

Matthias Katsch, der am Zustandekommen dieses Treffens, sowie an der Gestaltung des Ablaufs beteiligt war, erklärte: „Gemeinsames Bemühen aller Teilnehmenden war es, einen effektiven Beitrag zu leisten, damit die katholische Kirche weltweit ein sicherer Ort für Kinder und Jugendliche wird und die Rechte von Betroffenen von sexueller Gewalt in der Kirche gestärkt werden.“

Gemma Hickey, vorsitzende Person des ECA-Vorstands und selbst betroffen von sexuellen Missbrauch durch Kleriker, sagte: „Dies ist das erste Mal in der Geschichte der Missbrauchskatastrophe durch Kleriker, dass sich eine internationale Koalition von Organisationen von Betroffenen und deren Anwälten mit dem führenden Institut der katholischen Kirche für den Schutz von Kindern zusammengeschlossen hat, um ein verbindliches und universelles „Null-Toleranz“-Mandat für sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche zu unterstützen. Als betroffene Person hätte ich nie gedacht, dass ich den Tag erleben würde, an dem Kirchenvertreter*innen sich den Betroffenen anschließen und ein Ende des Missbrauchs und der Vertuschung fordern.“

Zusätzlich wirkten an dem Treffen zwischen ECA und IADC weitere Expertinnen und Verbündete mit: Bischof Luis Manuel Alí Herrera, Sekretär der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen; Anne Barrett Doyle von BishopAccountability.org; Dekan P. Ulrich Rhode, SJ, von der Fakultät für Kirchenrecht an der Päpstlichen Universität Gregoriana; Dr. Martin Pusch, Rechtsanwalt der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl aus München; die australische Botschafterin beim Heiligen Stuhl Chiara Porro; Vertreterinnen der Botschaft der Vereinigten Staaten beim Heiligen Stuhl und andere Botschafterinnen sowie weitere Rechtsberater*innen.


Änderungen des Rechts, der Richtlinien und der Praxis in der katholischen Kirche


Nach den dreitägigen Präsentationen und Diskussionen waren die Beteiligten in der Lage, sich auf die folgenden weitreichenden Vorschläge zu Änderungen des Rechts, der Leitlinien und der Praxis der katholischen Kirche zu einigen:

  • Der dauerhafte Entzug des Amtes für jeden Kleriker, der nachweislich ein Kind, Jugendlichen oder einen schutzbedürftigen Erwachsenen missbraucht hat.
  • Eine unabhängige Instanz zu erschaffen, welche befugt ist, Untersuchungen durchzuführen und öffentliche Empfehlungen und Berichte herauszugeben.
  • Die Verbindlichkeit der Transparenz während des gesamten Prozesses.
  • Tiefgreifende Strafen für jeden Bischof oder katholischen Kirchenvertreter, der sich nicht an diese Richtlinien hält.

Die Beteiligten werden diesen gemeinsamen Entwurf im Laufe des Sommers weiter ausarbeiten, um ihn vor der letzten Phase der Weltbischofssynode von Papst Franziskus im Oktober, als offiziellen Änderungsvorschlag vorzulegen.

Der erarbeitete Vorschlag orientiert sich an international anerkannten Grundsätzen zum Wohl von Kindern, Jugendlichen und schutzbedürftigen Personen und steht im Einklang mit den wichtigsten Empfehlungen an den Heiligen Stuhl durch: den UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes (CRC) aus dem Jahr 2014, die Empfehlungen zum sexuellen Missbrauch durch Kleriker von staatlich geförderten Untersuchungskommissionen (wie der australischen Royal Commission) und die internationalen Menschenrechtsorganisationen.

Foto: Simone Padovani / Ending Clergy Abuse


Auf dem Bild von rechts nach links: Monsignore Peter Beer (IADC), Sarah Peason (ECA), Peter Isely (ECA), Anne Barrett-Doyle (bischofsaccountability.org) Gemma Hickey (ECA), Janet Aguti (ECA), Matthias Katsch (ECA), Denise Buchanan (ECA), P. Hans Zollner SJ (IADC), Sergio Salinas (ECA), Tim Law (ECA).

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