Bischof Bahlmann verklagt kritischen Content Creator in Brasilien: Eckiger Tisch fordert klare öffentliche Positionierung von deutschen Bischöfen

Schwere Anschuldigungen gegen den deutschen Bischof von Óbidos

Seit dem Katholikentag ist klar: Deutsche Bischöfe wussten seit Jahren von den schwerwiegenden Vorwürfen gegen Bischof Bernhard Johannes Bahlmann und haben ihn dennoch zum Katholikentag in Würzburg eingeladen.

Gegen den aus dem Bistum Münster stammenden Bischof von Óbidos (Brasilien), sowie den emeritierten Erzbischof von Belém, Alberto Taveira Corrêa, stehen seit mehreren Jahren Vorwürfe sexualisierter Gewalt, geistlichen und institutionellen Machtmissbrauchs, von Einschüchterungen sowie mutmaßlicher Vertuschung im Raum. Diese haben unter anderem dazu geführt, dass die drei deutschen Hilfswerke Adveniat, Kindermissionswerk Die Sternsinger und Misereor ihre Förderung für das Bistum Óbidos ausgesetzt haben.

Klage gefährdet die Aufklärung

Beim Katholikentag im Mai dieses Jahres hat Eckiger Tisch auf den Fall aufmerksam gemacht. Auf die zunächst geplante Teilnahme von Bischof Bahlmann wurde in der Folge verzichtet; gegenüber der Presse wurde bestätigt, dass die Vorwürfe der Betroffenen aus Brasilien der Grund für die späte Programmänderung waren.

Die dadurch angestoßene Berichterstattung wurde auch vom brasilianischen Nachrichtenportal Metrópoles aufgegriffen; in Folge berichtete der brasilianische Content Creator Nicollas Brito über den Fall in den sozialen Medien.

Nun geht Bischof Bahlmann juristisch gegen Brito vor. Als kleiner Content Creator in Óbidos verfügt er nur über begrenzte Möglichkeiten, sich gegen ein solches juristisches Vorgehen zu wehren. Sein Fall erweckt den Eindruck, dass rechtliche Mittel eingesetzt werden, um kritische Berichterstattung und öffentlichen Diskurs zu unterbinden. Dieses Vorgehen kann einerseits als Versuch gesehen werden, Journalist*innen und Berichterstattende einzuschüchtern, dient andererseits aber auch womöglich zur Abschreckung von Betroffenen und Zeug*innen, die Missstände öffentlich machen wollen.

Ein Appell an deutsche Kirchenvertreter und das Bistum Münster

Auch nach der Bekanntmachung der Vorwürfe gegen Bischof Bahlmann am Katholikentag haben sich die Deutsche Bischofskonferenz und andere Vertreter der Kirche in Deutschland nicht klar zu den bekannt gewordenen Vorwürfen geäußert.

Eckiger Tisch fordert das Bistum Münster sowie die katholische Kirche in Deutschland auf, Stellung zu beziehen und sich öffentlich für Aufklärung und Schutz von Betroffenen und Zeug*innen einzusetzen.

Der Verein appelliert zudem an die deutschen Bischöfe, auch in Rom Druck zu machen, damit die Ermittlungen gegen Bahlmann und Taveira Corrêa endlich vorangetrieben werden. Ein vom Hilfswerk Adveniat angestrengtes Verfahren liegt ohne Ergebnis seit Jahren in Rom auf Eis.

Eckiger Tisch erwartet vom Bischof von Würzburg, Franz Jung, eine klare öffentliche Positionierung sowie vom leitenden Gremium des Bischöflichen Hilfswerks Adveniat, dass es die als glaubhaft eingeschätzten schweren Vorwürfe öffentlich macht und Betroffene, Unterstützende und Berichterstattende in Brasilien unterstützt.

„Wer über Missbrauch berichtet, darf dafür nicht mit einer Klage mundtot gemacht werden“, sagt Matthias Katsch, Sprecher und Geschäftsführer von Eckiger Tisch. „Unter den Betroffenen in Óbidos und Belém herrscht ein Klima der Angst. Nicollas Brito hat uns gegenüber sogar von der Sorge um sein Leben gesprochen. Wer in dieser Lage schweigt, überlässt das Feld denjenigen, die Aufklärung verhindern wollen.“

Als Heimatbistum von Bischof Bahlmann trägt das Bistum Münster aus Sicht von Eckiger Tisch eine besondere Verantwortung. Auch wenn sich die Vorwürfe auf Vorgänge in Brasilien beziehen, handelt es sich um einen deutschen Bischof, dessen Wirken eng mit der katholischen Kirche in Deutschland verbunden bleibt. Noch diesen Monat hat Weihbischof von Münster, Wilfried Theising, Bischof Bahlmann in Brasilien besucht und öffentlich über die Partnerschaft und Unterstützung zwischen Münster und Óbidos gesprochen. Aus diesem Grund hat sich Eckiger Tisch mit der Bitte um eine öffentliche Stellungnahme auch an den Bischof von Münster, Dr. Heiner Wilmer, gewandt. Gerade in einer Situation, in der gegen Menschen vorgegangen wird, die über die Vorwürfe berichten, muss deutlich werden, dass Einschüchterungsversuche keinen Rückhalt finden und dass Aufklärung, Transparenz sowie der Schutz von Betroffenen und Zeug*innen oberste Priorität haben.

Eckiger Tisch appelliert an die Verantwortlichen in der katholischen Kirche, sich klar an die Seite derjenigen zu stellen, die Missstände offenlegen, und alles zu unterlassen, was Betroffene und Berichterstatter*innen einschüchtern könnte.