Mehrere Frauen berichten von sexuellen Übergriffen durch den Erzbischof von Rabat, Cristóbal López Romero

Laut einer Recherche der Agence France-Presse (AFP) beschuldigen mindestens fünf Frauen den Erzbischof von Rabat, Cristóbal López Romero, des sexuellen Missbrauchs. Der 74-jährige spanische Salesianer ist seit 2018 in Marokko tätig und galt letztes Jahr noch als potenzieller Nachfolger von Papst Franziskus.
Eine inzwischen pensionierte Betroffene möchte zwar ihren ausführlichen Erfahrungsbericht nicht veröffentlichen, spricht aber von wiederholten unangemessenen körperlichen Gesten. Unter anderem beschreibt sie intensive und langanhaltende Umarmungen und einen Kussversuch. Diesen Übergriffen soll sie sich nur unter beträchtlichen Anstrengungen entzogen haben können.
Die Betroffene gibt an, schon 2024 – direkt nach Beginn der Übergriffe – mit dem Generalvikar der Erzdiözese Marc Helfer darüber gesprochen und im April die vatikanische Botschaft schriftlich zum Thema kontaktiert zu haben. Gegenüber AFP kommentiert der Generalvikar jedoch: „Wir wissen nicht, ob [die gemeldeten Vorfälle] tatsächlich einen sexuellen Übergriff darstellen.“
Laut einer zweiten, anonymen Quelle der AFP haben weitere Frauen in der Erzdiözese von vergleichbaren Erfahrungen berichtet. Auch sollen derartige Meldungen bereits vorgekommen sein, als Kardinal López Romero in Paraguay, Bolivien und Spanien tätig war; eine „Kultur der Komplizenschaft und des Schweigens“ habe ihn jedoch geschützt.
Diese Charakterisierung würde die Situation in die Vielzahl von Missbrauchsfällen durch mächtiger Kirchenmänner einreihen, die ihre Machtposition innerhalb der Kirche einerseits ausnutzen und sich dadurch andererseits auch auf den Schutz der Institution verlassen können