Fachtagung zu Kardinal Hengsbach findet ein Jahr zu früh statt – Eckiger Tisch fordert Folgetagung nach dem Abschlussbericht 2027
Heute beginnt in der katholischen Akademie Schwerte die dreitägige Fachtagung „Franz Kardinal Hengsbach“. Obwohl die unabhängige Aufarbeitungsstudie zu Hengsbach noch nicht abgeschlossen ist und der Abschlussbericht erst 2027 erwartet wird. Die Durchführung der Tagung hat Eckiger Tisch bereits in einer ausführlichen Stellungnahme im Juni 2026 kritisiert, da die Tagung ein Jahr zu früh stattfindet. Der Zwischenbericht der Aufarbeitungsstudie vom Juni 2026 dokumentiert zwölf Vorwürfe gegen Hengsbach fünf davon werden als historisch belastbar eingestuft. Vier dieser Vorwürfe betreffen sexuelle Gewalthandlungen an drei Mädchen und einem Heimkind.
Betroffenen wurden weder in die Planung der Tagung einbezogen, noch sind partizipative Formate im Programm vorgesehen, in denen Betroffene selbst zu Wort kommen können. Zugleich widmet das Programm dem Komplex „Hengsbach und Missbrauch“ lediglich einen von insgesamt 14 Programmpunkten.
Aus Sicht von Eckiger Tisch sendet eine solche Veranstaltung zum jetzigen Zeitpunkt das falsche Signal. Solange die unabhängige Aufarbeitungsstudie nicht abgeschlossen ist und damit essenzielle Fragen ungeklärt sind, darf nicht die historische Würdigung einer Kirchenfigur im Vordergrund stehen.
Insbesondere die folgenden drei Fragen dürfen im Rahmen dieser Tagung nicht ausgespart werden:
- Warum meldete das Bistum Essen im August 2011 „keine Vorwürfe bekannt“– drei Wochen nachdem Bischof Overbeck informiert worden war?
- Warum wurde die Meldung von 2011 in keiner Akte dokumentiert, sodass die erste Studie sie nicht finden konnte?
- Wer im Bischofshaus wusste seit den 1980er Jahren von Vorwürfen – und warum wurde nichts festgehalten?
Alle drei Fragen beruhen auf Vorgängen, die im Zwischenbericht dokumentiert sind (S. 97–107). Es sind keine Vermutungen. Bearbeitet werden sie erst in der laufenden zweiten Forschungsperiode.
Eckiger Tisch, das Aktionsbündnis und der Betroffenenbeirat Essen kritisieren die heute beginnende Tagung zu Kardinal Hengsbach und fordern von den Verantwortlichen eine öffentliche Zusage zu einer weiteren Tagung nach Veröffentlichung des Abschlussberichts im Herbst 2027, welche die Untersuchung von Täternetzwerken in den Fokus nimmt und die Rolle von Hengsbach darin mituntersucht.
Heute am 03.09.2026 werden Vertreter*innen des Aktionsbündnisses und Eckiger Tisch bis 13 Uhr vor der Katholischen Akademie Schwerte für Gespräche mit Tagungsteilnehmenden und Verantwortlichen ansprechbar sein.
Das Aktionsbündnis der Betroffeneninitiativen ist ein Zusammenschluss verschiedener Betroffeneninitiativen in Deutschland. Betroffene, die 2010 die Aufdeckung des katholischen Missbrauchsskandals ausgelöst hatten, fanden sich zusammen, weil der von der Bundesregierung in Reaktion auf den Skandal eingesetzte „Runde Tisch“ seine Arbeit ohne Betroffene aufnahm. An zahlreichen katholischen Einrichtungen entstanden weitere Betroffeneninitiativen, die die Kirche zur Aufarbeitung drängten, sich gegenseitig unterstützten und für eine gerechte Entschädigung einsetzten. Daraus formierte sich 2019 das Aktionsbündnis der Betroffeneninitiativen. Mehr über das Aktionsbündnis der Betroffeneninitiativen und die dazugehörigen Betroffenen initiativen erfahren sie unter: www.aktionsbuendnis.net