Argentinien: Internationale Betroffeneninitiative ECA wird in Opus Dei-Prozess einbezogen

ECA als Amicus Curiae

Im Dezember 2025 hat die internationale Betroffeneninitiative ECA (Ending Clergy Abuse) in Buenos Aires ihren ersten Gipfel zu Opus Dei veranstaltet. Gegen die katholische Personalprälatur stehen unzählige Anschuldigungen von Missbrauch, Nötigung und Ausbeutung im Raum.

Papst Leo selbst hatte Vertreter von ECA zum Organisieren des Gipfels ermutigt. Im März 2026 empfing er darüber hinaus Gareth Gore, Investigativjournalist und Autor eines einschlägigen Buches über den Missbrauch, Finanzbetrug und die Vertuschung in Opus Dei.

Auslöser des Missbrauchsskandals Opus Dei

2021 gingen in Argentinien erstmals 43 Frauen mit Berichten von Menschenhandel an die Öffentlichkeit: Zwischen 1972 und 2015 waren sie als Kinder und Jugendliche von Opus Dei unter dem Vorwand, eine Ausbildung zu erhalten, in die Zwangsarbeit gelockt worden.

Statt zu lernen, mussten sie bis zu 12 Stunden am Tag für hochgestellte männliche Mitglieder der Organisation kochen und putzen – ohne Bezahlung und ohne die Möglichkeit, die Hauptquartiere zu verlassen. Kontakt zur Außenwelt wurde streng kontrolliert und Familienbesuche unterbunden. Frauen, denen die Flucht gelang, standen danach ohne Geld, Kleidung oder Qualifikationen da.

Da es sich bei Opus Dei um eine gut vernetzte und mächtige Organisation handelt, beschränkt sich Fall nicht nur auf Argentinien: Nach Bekanntwerden des Missbrauchs in Argentinien meldeten sich weitere Betroffene aus Mexiko, Peru, Chile, Spanien, Italien und Polen.

ECA als Amicus Curiae

ECA setzt sich weiterhin für die Aufarbeitung im Opus Dei-Fall ein. Erst vor Kurzem waren Vorstand Matthias Katsch und Geschäftsführer Sergio Salinas in Peru, um Betroffene zu mobilisieren und vernetzen. Salinas gab dazu in den peruanischen Medien ein Interview über die Vertuschung des Missbrauchs in Argentinien.

Jetzt wurde die Betroffeneninititiave in einer Sammelklage mehrerer argentinischer Frauen gegen Mitglieder der Personalprälatur zur Amicus Curiae erklärt. Eine Amicus Curiae ist eine Person oder Organisation, die das Gericht mit fachlichen Informationen oder rechtlichen Einschätzungen unterstützt, ohne selbst Partei des Verfahrens zu sein.

Einer der Hauptbeschuldigten hatte dagegen Einspruch eingelegt, doch das Gericht in Buenos Aires argumentierte: „Die internationale Verankerung von ECA und die Erfahrungen, die die Organisation in verschiedenen Ländern gesammelt hat, ermöglichen es, ihr eine besondere Fachkenntnis zuzuerkennen, die geeignet ist, die Debatte zu bereichern.“

Die Entscheidung, eine Betroffeneninitiative auf diese Weise in den Gerichtsprozess einzubeziehen, ist ein wichtiger Schritt im Kampf um Aufarbeitung, Gerechtigkeit und Anerkennung weltweit.