EINLADUNG ZUM 2. ECKIGEN TISCH / AKO BONN

Liebe Betroffene AKO Bonn, liebe Angehörige, Unterstützer und Freunde!

Wann: Samstag, 15. Mai 2010 von 12 – 18 Uhr
Wo: Bonn-Königswinter

Der zweite „Eckige Tisch/ AKO Bonn“ schließt sich an den ersten an, den Betroffene und Unterstützer bereits am 5. April in Düsseldorf veranstaltet haben. Dort ging es zunächst um ein erstes Kennenlernen und einen Erfahrungsaustausch der Missbrauchsfälle am AKO. Zugleich wurden Ideen gesammelt, wie nächste Schritte zu einer lückenlosen Aufklärung dieser und evtl. weiterer Fälle der letzten 60 Jahre sein und wie welche Forderungen gestellt werden können.

Um weitere Schritte in Richtung Aufklärung zu planen, um Betroffenen die Chance zu geben sich zu finden und zu äußern und um das Thema wieder in den Fokus der – medialen- Öffentlichkeit zu rücken, findet nun der zweite „Eckige Tisch“ statt.
Wichtige Punkte hierbei sollen sein:

Erfahrungsaustausch unter den Betroffenen;

Aufklärung über den Status Quo der aktuellen Aufarbeitung der Fälle am Bonner AKO seitens Frau Raue;

Stellungnahme des ehemaligen Rektors des AKO, Pater Schneider, zur Gesamtsituation (bisher fehlt jede Äußerung seitens P. Schneiders)

Forderungen, Wünsche zur Vorgehensweise des Ordens, des Kollegs und der Justiz.

Wir denken, dass wir eine passende Lokalität gefunden haben, die unseren Wünschen entspricht und darüber hinaus durch die Atmosphäre dem Hintergrund unserer wichtigen Anliegen ein wenig Ausgleich verschafft. Besonders interessant ist die Lage zu Fusse des Petersbergs an dem ja auch die Afghanistan-Gipfel stattgefunden haben. Vielleicht können wir ja mehr erreichen.

Wir freuen uns auf ein gelingendes Treffen!
Anmeldung bei: mschroedertoyka@yahoo.com

Mixa_Der Vatikan hat hat Bischof Mixa endlich aus dem Amt entlassen.

Damit hat Rom auf neue Vorwürfe reagiert, bei denen es auch um sexuellen Missbrauch ging.

Aus einer Mail an den Eckigen Tisch:

ich bin selbst „betroffener“ wie man auf deutsch wohl sagen muss, habe mich nach längerer skepsis nun aber mit der amerikanischen bezeichnung „überlebender“ angefreundet, die sich aufs deutlichste vom alten „opfer“ absetzt.

dazu, also zum überleben, und aus zorn über einen arg verharmlosenden beitrag das österreichischen schriftstellers josef haslinger unter dem titel „pädophilie“ in der wiener presse habe ich ein paar tagebucheintragungen redigiert und ebenso dort veröffentlicht:
http://diepresse.com/home/meinung/debatte/547640/

nach meiner einschätzung hat der täter, ein laienbruder im jesuitenorden, zumindest mehrere dutzend kinder auf dem gewissen. ich habe daher, ähnlich dem wordpress blog über das benediktinerstift kremsmünster einen blog über die institution freinberg (aloisianum) in linz/österreich eingerichtet:
http://freinberg.wordpress.com/ musste aber leider feststellen, dass meine mitschüler von damals noch nicht so weit sind, sich zu öffentlich oder privat zu wort zu melden.

ich würde mich freuen, wenn ihr beide links veröffentlichen könntet und würde auch gerne in einen dialog über erfahrungen in jesuitischen einrichtungen eintreten. ich bin anfang juli in österreich und von mitte juli bis mitte august in berlin, würde mich über persönliche begegnungen freuen und möchte insbesondere die einrichtung einer selbsthilfegruppe anregen.

Klaus ist über sein Blog erreichbar.

Verstehe ich diesen Beitrag des Internet-Journalisten Stefan Niggemeier richtig, so geht die Diözese Regensburg mit Hilfe des in der Vergangenheit immer wieder durch die Meinungsfreiheit beschneidende Urteile auffallenden Landgerichts Hamburg nicht nur gegen Journalisten (z. B. vom SPIEGEL) vor, die eine unbestrittene Zahlung an ein Missbrauchsopfer als „Schweigegeld“ bewerten, sondern auch gegen die, die über Abmahnung und einstweilige Verfügung berichten.

Da ich ja hier keine Auseinandersetzung mit der Diözese Regensburg führen will (die Jesuiten sind schon aufreibend genug), distanziere ich mich ausdrücklich von der abgemahnten Bewertung des SPIEGEL.

Ich frage mich in dem Zusammenhang:  Sind Zahlungen der katholischen Kirche Deutschlands an Missbrauchsopfer aus der Vergangenheit bekannt, die nicht mit der Zusage der Geschädigten über die Vorfälle zu schweigen verknüpft waren?

gaIn einem Artikel im General-Anzeiger Bonn berichtet Ebba Hagenberg-Miliu über ein Missbrauchsopfer des Akos, das sich den Forderungen des Eckigen Tischs angeschlos- sen hat. Für den Artikel waren wir um eine Stellungnahme gebeten worden, und da bewerteten wir die Antwort der Jesuiten auf den Osterbrief noch positiv, inzwischen sind wir nach einem zweiten Schreiben aus München eher desillusioniert.

Bad Godesberg.    60 Jahre hat Gernot Lucas gebraucht, um öffentlich zu bekennen: „Ja ich bin eines der Ako-Opfer. Ja, ich bin drei Jahre lang von einem dortigen Jesuitenpater missbraucht worden.“

46 Jahre lang verschwieg er die schrecklichen Erinnerungen sogar seiner Frau. „Und jetzt fühle ich mich wie befreit“, sagt er aus vollem Herzen. Seitdem die Diskussion über den Missbrauchsskandal an deutschen Jesuitenschulen losbrach, seit er sich im März im WDR erstmals namentlich als Opfer bekannte und jetzt intensiv in den Internetforen zum Ako mitmischt, atme er endlich auf.

„Jetzt will ich aktiv sein im Kampf gegen Verharmlosung, Vertuschung und Leugnung“, betont der Mann, der sich über Jahrzehnte als Architekt und ArchitekturProfessor einen Namen gemacht hat und heute in Frankreich lebt. Den aktuellen Forderungen der bundesweiten Opfergruppe „Eckiger Tisch“ an die Jesuitenzentrale hat Lucas sich dieser Tage angeschlossen.

Artikel: http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10490&detailid=732532

Eins müssen wir aber korrigieren: es gibt keinen „Eckigen Tisch“ mit den Jesuiten am 15. Mai. Da ist leider irgendwas durcheinander gegangen.

Im WDR-Beitrag Missbrauch – ein Opfer erzählt (8. März 2010) berichtet Prof. Gernot Lucas im Interview.

urn:newsml:dpa.com:20090101:100314-11-10781Sie versuchen es immer noch über die Entschuldigungsnummer. Aufklärung?  Aufarbeitung?  Tätige Reue?   Fehlanzeige.

Frederico Lombardi SJ, der Pressesprecher des Vatikans, äußerte sich in einem aktuellen Interview in der österreichischen Tages- zeitung kurier zum Verhalten des Papstes im Missbrauchsskandal (2. Mai 2010).

AndreaFischerLiebe Frau Fischer,

von Frau Raue wurde ich heute informiert, dass Sie in irgendeiner Art als Ansprech- partnerin für durch Missbrauch durch Jesuiten Betroffene fungieren.

Ich wende mich an Sie in dieser Funktion, vor allem aber an Sie als Repräsentantin einer Partei, die bereits in ihrem Namen die Verbindung mit der DDR-Bürgerrechts- bewegung, deren herausragender Erfolg unabhängige Aufklärung mit und durch Betroffene (und nicht durch von „Täterorganisationen“ Beauftragte) war, dokumentiert. Zudem erfahre ich just heute, dass die österreichische Schwester von Bündnis 90 / Die Grünen gegenüber der österreichischen Kirche die selbe Forderung erhoben hat* wie ich und andere sie schon seit drei Monaten – leider ohne Verständnis oder gar Annäherung zu erfahren – an die Jesuiten richten.

Ich bin nämlich der festen Überzeugung, dass all dies, was im Januar 2010 angestoßen wurde, nur dann gelingen – und das bedeutet zu einem letztlich für die Betroffenen befreienden Ende führen kann, wenn dieser Prozess durch Betroffene und durch unabhängige, d. h. von Betroffenen akzeptierten Vertretern, vollzogen wird. Dazu gehört an vorderster Stelle die Aufklärung der damaligen Vorgänge und das Offenlegen der Strukturen und das Erkennen des institutionellen Versagens, das diese Vorfälle über einen Jahrzehnte währenden Zeitraum ermöglicht, begünstigt und vertuscht hat. Und eben dies gelingt nur im unabhängigen Zugang zu den Archiven. Sie haben in Ihrer Partei sehr viel Kompetenz und Erfahrung wie so etwas geschehen kann – ohne dass notwendig zu schützende Interessen einzelner (Opfer wie Täter und Beteiligter) verletzt werden. Vielleicht können wir und die Jesuiten diese Kompetenz brauchen.

Bisher aber wird ein unabhängiger Zugang zu den Archiven verweigert.

Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass wir, bzw. eine von uns akzeptierte/r unabhängige/r Vertreter oder Kommission, bald – ja bald, denn der lange Zeitraum, in dem wir hier alleine gelassen werden, quält sehr – diesen Zugang erhalten.

Vielen Dank und mit herzlichen Grüßen Ihr
Thomas Weiner

PS: weil das eben so sehr drängt, veröffentliche ich diese Mail zugleich auf https://www.eckiger-tisch.de. Bitte gestatten Sie mir Ihre Antwort dort ebenfalls zu veröffentlichen.

DOWNLOAD

* https://www.eckiger-tisch.de/2010/04/29/kommentar-raue-friends-reloaded/#comments

Nachdem die Teilnehmer der Versammlung vom 17. April 2010 mehrheitlich die Ablösung von Frau Raue als „Missbrauchsbeaufragte des Jesuitenordens“ eingefordert hatten, hat der Jesuitenorden jetzt mit einer ungewöhnlichen Massnahme reagiert:

Die inkompetente Missbrauchsbeauftragte, die seit Monaten die Briefe und Emails der Betroffenen unbearbeitet in ihrer Privat- wohnung hortet, bleibt überraschenderweise im Amt.

jesuitAnstatt ein kompetentes und fachlich versiertes Team mit der zügigen Aufbereitung der vorliegenden Fakten zu beauftragen und den Betroffenen endlich ein akzeptables Angebot zur Genugtuung zu unterbreiten, sollen die Betroffenen sich jetzt mit irgendwelchen Jesuiten (!)  unterhalten.

Wem müssen die Betroffenen eigentlich noch ihre Geschichte erzählen, bevor der Orden sich seiner Verantwortung stellt und angemessen handelt?

Hier die Email von Frau Raue im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wegen des großen Bedarfs an persönlichen Gesprächen, den einige der von Missbrauch durch die ehemaligen Patres Riedel und Statt betroffenen ehemaligen Schüler an Schulen und Einrichtungen des Jesuiten Ordens signalisiert haben, werden im Einvernehmen mit dem Provinzial Pater Dartmann im Rahmen meiner Aufgabe als Beauftragte des Ordens für Fälle von sexuellem Missbrauch ab sofort weitere Personen für Gespräche zur Verfügung stehen.

Das sind:

Frau Andrea Fischer – Bundesministerin für Gesundheit a.D. und Diözesanleiterin der Malteser – Telefon  – e-mail

Pater Christian Herwartz – Telefon  – e-mail

Pater Thomas Hollweck – Telefon  – e-mail

Pater Vitus Seibel – Telefon Telefon  – e-mail

Pater Hermann Kügler – Telefon  – e-mail

Pater Josef Singer –  Telefon  – e-mail

Mit freundlichem Gruß  –   Ursula Raue

raueNach langem Schweigen meldete die Missbrauchsbeauftragte des Jesuitenordnes sich dieser Tage bei den Menschen, die ihr in den vergangenen Monaten ihre Geschichte anvertraut hatten, mit der Bitte, ihre Wün- sche und Anliegen in einem Fragebogen darzulegen. Nebenbei verteidigt sie sich in dem Anschreiben unter anderem gegen Vor- würfe, nicht genug Zeit auf die Kommunika- tion mit den Betroffenen verwandt zu haben.

Bei mir haben sich in den vergangenen 11 Wochen nicht nur 180 Männer und Frauen gemeldet, die von Mitgliedern des Jesuitenordens missbraucht wurden, sondern darüber hinaus weitere 60 Personen, denen Unrecht in anderen kirchlichen Einrichtungen widerfahren ist. Jeder Einzelne, der mich telefonisch erreicht hat, benötigt seine Zeit, über Verletzungen, die ihm angetan wurden, zu berichten. Das war niemals unter einer halben Stunde möglich und so mussten Briefe und E-Mails teilweise auf Antwort warten.

Das haben Betroffene anders erlebt. Hier die Erinnerung eines Opfers aus St. Blasien, die leider keine Satire ist:

„N.N.: (Begruessung), bin von Pater Siebner an Sie verwiesen worden, da ich 1987 am Kolleg St. Blasien leider auch unter Pater Statt gelitten habe, weiss nicht inwiefern Sie wussten, dass Pater Statt auch Heimaturlaub…(werde unterbrochen)

Raue: Ja, habe schon von den Vorfaellen Ende der 80er gehoert, Sie sind nicht der einizige. Auch geschlagen worden?

N.N.: Ja..(werde unterbrochen)

Raue: Mmhh, ist mir bekannt..Werde es zu den Akten nehmen, aber muss Sie daraufhinweisen, dass alles verjährt ist.

N.N.: …. (verdattertes schweigen)

Raue: Kann ich Ihnen sonst noch weiterhelfen? Habe ja Ihre Email und werde Sie auf dem Laufenden halten.“

RunderTischDrei Monate nach dem Ende des Schweigens über die Missbräuche an katholischen Schulen in Deutschland tagte am vergange- nen Freitag erstmals der Runde Tisch der Bundesregierung.

Das ist gut. Leider hilft er den Hunderten von missbrauchten Jungen und ihren Angehö- rigen nicht wirklich weiter.

Dafür gibt es vier gute Gründe:
1. Die Besetzung, 2. das Thema, 3. die Form und 4. der Zeithorizont dieses Runden Tisches.

Das analysiert dieser Kommentar eines Betroffenen.

beck-mannJustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), Bischof Stephan Ackermann und Margarita Kaufmann, Direktorin der Odenwaldschule und andere Gäste diskutierten am Montag, 26. April in der ARD-Talksendung beckmann über das „Tabuthema Missbrauch: Die Mauer des Schweigens bricht“ (ARD-Mediathek).

Eine normale biologische Reaktion?“ Reinhard Mohr kommentiert die zeitweilig kaum erträgliche Diskussion im Spiegel: „Verloren in der Verharmlosung“

ich war ein täterDIE ZEIT berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe (22. April 2010) unter der Überschrift »Ich war ein Täter!« darüber, wie die Jesuiten auf ihrer Klausurtagung nach Ostern über den Offenen Brief (»An die Jesuiten in Deutschland«) beraten haben:

»Wir müssen aufpassen, dass wir nicht als Jesuiten wieder die tollen Hechte sein wollen«, mahnt Pater Bernd, »jetzt eben als die Musterschüler des Missbrauchs.«