Sichtbarkeiten: Ein Rückblick auf die Ausstellung über Betroffene sexualisierter Gewalt in der Kirche

Sichtbarkeiten: Eine Ausstellung über die Betroffenen sexualisierter Gewalt in der Kirche
Foto: Alice Stella

Vom 20. bis 27. Mai haben Eckiger Tisch und die Betroffeneninitiative Hildesheim im Berliner Kunstquartier Bethanien erstmals die Fotoausstellung „Sichtbarkeiten“ gezeigt.

In drei unterschiedlichen Teilen stellten dort die Kurator*innen Ilonka Czerny, Jens Windel und Simone Padovani Fotos und Portraits von Betroffenen sexualisierter Gewalt in der Kirche aus. In einem weiteren Raum dokumentierten Fotos, Poster und weitere Artefakte 16 Jahre der Aufarbeitung durch den unermüdlichen Aktivismus von Betroffeneninitiativen.

Die Ausstellung sollte die Perspektiven, Geschichten, Schwierigkeiten, doch auch den gemeinsamen Kampf der Betroffenen sichtbar machen.

Foto: Alice Stella

In Ilonka Czernys Teil konnten Besucher*innen Kinderfotos von Betroffenen zur Zeit des Missbrauchs sehen und ihre Reflektionen über das Geschehene und dessen Auswirkungen lesen.

Ilonka ist Kunsthistorikerin und Fachbereichsleiterin für Kunst an der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Als Kind wurde sie selbst von einem Priester missbraucht – auch ihr Kinderfoto hing an der Wand des Bethaniens.

Foto: Alice Stella

Jens Windels Teil zeigte Portraits, auf denen Betroffene – vorrangig Aktivist*innen –, doch auch ihre Angehörigen Tafeln mit einzelnen Wörtern hielten, die ihre Situation oder Gefühlslage beschreiben sollten. Auch hier wurden die Fotos an einigen Stellen von Botschaften und Reflektionen der abgebildeten Personen unterbrochen.

Jens engagiert sich in der Betroffeneninitiative Hildesheim; als selbst Betroffener war auch er unter den Portraits vertreten.

Foto: Alice Stella

Simone Padovani solidarisiert sich seit Jahren mit Betroffenen sexualisierter Gewalt in der Kirche. In seinem Teil der Ausstellung wurden ausdrucksstarke Nahaufnahmen von Gesichtern gezeigt.

Simone ist ein italienischer Community-Psychologe und Fotograf. Für die Portraits hat er über all auf der Welt betroffene Personen getroffen, die ihm in psychologischen Interviews ihre Geschichten erzählt haben. Am Ende der Interviews bat er sie jeweils, die Augen zu schließen und eine Botschaft an ihr früheres Ich zu senden. Wenn sie die Augen wieder öffneten, nahm er ihr Foto auf.

Foto: Alice Stella

Um den Besuchern die Geschichten hinter den Bildern näher zu bringen, hat Karl Haucke, der Sprecher der Landeskommission NRW zur Etablierung von Standards zur Aufarbeitung sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, in Führungen die Schicksale einzelner abgebildeter Personen beleuchtet. Auch sein Gesicht war unter den Portraits und Fotos zu finden.