14 Täter und 18 Betroffene: Abschlussbericht zur Missbrauchsstudie bei den Mariannhiller Missionaren veröffentlicht
Am 18. Juni haben die Rechtsanwältinnen Petra Ladenburger und Martina Lörsch den Abschlussbericht für ihre unabhängige Untersuchung zu sexualisierter Gewalt bei den Mariannhiller Missionaren in Maria Veen (Reken, NRW) vorgestellt. Die Missionare hatten das Gutachten im Dezember 2023 in Auftrag gegeben.
Auch Martin Schmitz, Vorstandsvorsitzender von Eckiger Tisch und Gründer der Selbsthilfegruppe Rhede für Betroffene kirchlichen Missbrauchs, war an der Studie beteiligt. Das Projekt war für ihn ein persönliches Anliegen, da Antonius Kock († 2023), ein enger Freund und einer der Rekener Betroffenen, sich lange für die Aufarbeitung vor Ort eingesetzt hatte. Da Schmitz ebenfalls als Kind von einem Priester missbraucht worden war, konnte er mit den Betroffenen sprechen, Rapport aufbauen und sie dazu ermutigen, an der Untersuchung teilzunehmen.
Die Ergebnisse zeigen, dass in den 1960er bis 1980er Jahren mindestens 18 Kinder und Jugendliche in der Schule oder bei der Jugendarbeit bei den Missionaren sexuell missbraucht wurden. Bei den Tätern handelte es sich um 14 bis 15 Ordensmitglieder.
Laut Ladenburger und Lörsch seien viele Fälle strafbar gewesen – doch statt im Sinne der Opfer zu handeln und die Täter zur Verantwortung zu ziehen, hatte man Beschuldigte lediglich versetzt und wichtige Informationen unter Verschluss gehalten.
Die Mariannhiller Missionare geben in einer Stellungnahme an, das „erschreckende Ausmaß“ der Taten zu bedauern. Sie wollen Verantwortung übernehmen und die Aufarbeitung gemeinsam mit den Betroffenen weiterführen.
Gegenüber dem WDR kommentiert Martin Schmitz, dass sich bei Aufarbeitungsstudien immer die Frage stelle, ob diese wirklich ernst seien oder es sich nur um ein „Feigenblatt für den Orden“ handele. Er betont, dass besonders die Schule der Missionare jetzt ein Schutzkonzept entwickeln müsse und, „dass sie dieses Konzept auch lebt, auch umsetzt.“
Laut dem Provinzial des Ordens soll noch vor den Sommerferien eine Schulkonferenz stattfinden, um mit Lehrkräften, Schüler- und Elternvertretung ein Präventionskonzept zu beschließen.