
„Herr, erbarme dich unser … wir haben’s dringend nötig“ – und in Abwandlung des Missionsbefehls: „Es muss nicht mehr Kirche in die Welt dringen, sondern mehr Welt in die Kirche.“
Schöne Replik zu Mertes‘ merkwürdiger Opfer-Lyrik. Hier der Audio-Link

Mertes‘ Tagesspiegel-Kommentar zum Osterfest („Aus den Dornen wird eine Krone“) nervt.
thomas@viertelnachvier.de bringt es auf den Punkt:
„Ich brauche diese aufgeladene Erhöhung meiner Geschichte nicht, ich brauche dieses „Opfer“-, „victim-„, „sacrifice“-Gedöns nicht, ich brauche diese platte Jesus-Analogie nicht, und meine Geschichte habe ich nicht durchlebt, damit am Ende jemand wie Mertes oder ein anderer damit die Kirche reformieren kann. Ich bin ein Menschenkind und möchte entsprechend behandelt werden, nämlich mit Respekt und mit Antworten auf meine Fragen, die bisher ausgeblieben sind. „
Lukas Niederberger, ein Theologe, der 2007 den Jesuitenorden verlassen hat, kommentiert in dem Schweizer Magazin Zeitpunkt den völlig unzureichenden Hirtenbrief des Papstes an die irischen Katholiken und kritisiert die bewusste Beseitigung oder unbewusste Verdrängung von kollektiver Schuld durch die Kirchenleitung und somit auch die Unfähigkeit zur Schuldbewältigung, die eigentlich zur Kernkompetenz der Institution Kirche gehört.
Und weiter:
Ohne ausdrückliche Bitte um Vergebung erscheint den Missbrauchsopfern das Bedauern und Mitleid von Papst und Bischöfen gönnerhaft und überheblich. Und die Opfer pfeifen auch auf kirchliche Anlaufstellen, Hotlines und Richtlinien, solange die Kirchenleitung nicht radikal und selbstkritisch nach den Gründen für den Missbrauch in den eigenen Strukturen und in der eigenen Morallehre zu suchen bereit ist.
In sechs Punkten versucht er nötige Konsequenzen und Aufgaben für die katholische Kirche zu definieren und spricht hierbei auch besonders den Umgang mit den Betroffenen an. Er sieht Wiedergutmachung als ein starkes und notwendiges Versöhnungsangebot und bemerkt:
Bisher richten sich kirchliche Versöhnungsrituale ausschliesslich an Täter. Das katholische Busssakrament und die reformatorischen Rechtfertigungslehren befreien lediglich die Täter aus ihrer Rolle. Die Opfer werden vergessen und von den Kirchen ihr Leben lang in ihrer Rolle belassen. Die Kirchen feiern regelmässig das 2000-jährige Opferlamm auf dem Altar. Die Katholische Kirche muss dringend Rituale für Opfer und mit den heutigen Opfern schaffen, die eine Chance bieten, etwas vom begangenen Schaden zu heilen und heil zu machen. Nur so kann die Kirche ihre Kernkompetenz im Bereich Versöhnung eines Tages wieder erlangen und glaubwürdig vermitteln.
Dass er in dem Zusammenhang auch auf unser Blog hinweist, freut uns sehr.

Auch nach so vielen Gesprächen und Berichten in den letzten acht Wochen gehen mir Beiträge wie der des kanadischen Senders CBC sehr nahe. Drei Betroffene vom Canisius-Kolleg erzählen vom Missbrauch durch Riedel und Statt. Zusätzlich gibt es Statements zu den damaligen Vorgängen und dem Umgang der Kirche damit, z. B. von Peter Wensierski und von Klaus Mertes.

Wie viele Meldungen von Betroffenen gibt es denn nun eigentlich nach aktuellem Stand an den Jesuitenschulen?

Herr Mertes nannte am 19. März 2010 für das Berliner Canisius-Kolleg 60 Fälle. Intern verlautete hierzu, es handle sich um 35 Meldungen zu Riedel und 25 zu Statt.
Am Kolleg St. Blasien haben sich laut Johannes Siebner (24. März 2010) 11 Betroffene gemeldet. Alle Meldungen beziehen sich auf Statt.
Für das Ansgar-Kolleg in Hamburg nennt der jetzige Schulleiter (Stand: 4. Februar 2010) auf der Website der Schule 5 Meldungen, die sich auf Statt oder Ehlen beziehen.
Das wären insgesamt etwa 40 Meldungen zu Statt und 35 zu Riedel.
Der Zwischenbericht vom AKO ist derzeit leider online nicht verfügbar.
Gibt es irgend jemanden, der für Aufklärung und Klarheit sorgt?

20:15 – 21:00 Uhr
Die Kirche, die Katholiken und das Leben
21:00 – 21:45 Uhr
Die Welt des Benedikt XVI.
Peter Wensierski kommentiert auf SPIEGEL ONLINE: „Der Papst gerät wegen des Umgangs mit Missbrauchfällen weiter ins Zwielicht: Die im Jahr 1996 von ihm geführte Glaubenskongregation hat damals auf Strafen gegen einen pädophilen Priester verzichtet. Benedikts Autorität als Kirchen- führer schwindet – warum ist er eigentlich noch im Amt?“ weiter >

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