2010-04-24_SZ_Janosch-Zeichnung_quadratischDie Süddeutsche Zeitung veröffentlichte eine Zeichnung des Jesuiten-Schülers Janosch (24. April 2010).

Danke Janosch!

ministerinnen_pressefotoDie Kirche kann erleichtert aufatmen. Beim ersten Zusammentreffen des Runden Tisches habe es „überhaupt keinen anklagenden Ton gegenüber der katholischen Kirche gegeben, ganz im Gegenteil.“ Das erklärte Bischof Ackermann gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Ackermann ist einer von drei Kirchen- vertretern unter insgesamt 61 Teilnehmern des Runden Tisches (die anderen beiden sind Jesuiten-Privinzial Dartmann sowie Karl Jüsten, der „Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe – Katholisches Büro in Berlin“).

Einige Pressestimmen:

Die Berliner Zeitung titelt Missbrauchsopfer fühlen sich ausgeschlossen.

jüsten_pressefotoJüsten wies im Münchner Kirchenradio die Kritik zurück, dass die Opfer am Runden Tisch nicht ausreichend vertreten seien, zurück. Die anwesenden Opferverbände hätten die Opfer hervorragend vertreten. Ein Tisch müsse damit leben, dass seine Teilnehmerzahl begrenzt ist.

Auf Spiegel Online kritisieren Grüne und Kinderschutzbund den Runden Tisch.

runder_tischAm Freitag (23. April) tagte erstmals der Run­de Tisch der Bun­des­re­gie­rung mit dem griffigen und allumfassenden Motto „Se­xu­el­ler Kin­des­miss­brauch in Ab­hän­gig­keits- und Macht­ver­hält­nis­sen in pri­va­ten und öf­fent­li­chen Ein­rich­tun­gen und im fa­mi­liä­ren Be­reich“.

Hier die offizielle Teilnehmerliste

Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnar- renberger sagte dazu auf Deutschlandradio Kultur (16. April 2010), am Runden Tisch der Bundesregierung sollen „Vertreter von Opfern ihre Erfahrungen, ihre Kenntnisse, ihre Eindrücke mit einbringen, denn wir wollen hier nicht über die Opfer reden, sondern wir wollen da natürlich auch die Gelegenheit schaffen, gerade mit Opfern ins Gespräch zu kommen.“
Und warum sind wir dann nicht eingeladen?

bergmann_swDie bisher unerreichbare  „Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs“ Christine Bergmann hat jetzt erste Kontaktdaten:

Fax: 030-1855 541 555
Email: kontakt@ubskm.bund.de
Postanschrift: 11018 Berlin

sündenfallZwei Tage vor dem ersten „Runden Tisch“ der Bundesregierung strahlt die ARD am 21. April um 23:30 Uhr die Dokumentation Sündenfall Missbrauch – Kirche in der Krise aus.

In dieser Gemeinschaftsproduktion von NDR, WDR und RBB kommen ausführlich zwei Missbrauchsopfer von Statt zu Wort.

Hier zwei kurze Radiobeiträge über diese Reportage: Ein Beitrag vom NDR sowie ein kurzes Interview mit der Journalistin Margarethe Steinhausen. Weitere Informationen hier

Wiederholungstermin: Phoenix, 12./13. Mai 2010, 00:00 Uhr

illnerAm Vorabend des Runden Tisches der Bundesregierung bringt das ZDF ein 75-minütiges Maybrit Illner spezial mit dem Thema: „Missbrauchen und vertuschen – geht der Verrat an unseren Kindern immer weiter?“

Gäste:  Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, der Theologen und Pädagoge Bernhard Bueb, Wolfgang Niedecken, Thomas Pfister, Rechtsanwalt und Sonderermittler im Fall Kloster Ettal, sowie Ursula Enders, Leiterin und Mitbegründerin von „Zartbitter“.

raueAm Samstag, 17. April 2010 folgten 21 Missbrauchsopfer von Statt und Riedel einer Einladung von Frau Raue, der „Missbrauchs- beauftragten“ des Jesuitenordens, nach Berlin.

Hier ein Erlebnisbericht:

Nach einer Eingangskontrolle vor dem Gebäude durch zwei junge Damen (Raue: „Das sind Freundinnen meiner Tochter„), die die Namen der ehemaligen Missbrauchsopfer kontrollierten („Bitte bringen Sie Ihren Personalausweis mit“), konnte es auch schon losgehen.

Auf dem „Podium“ präsentierte Frau Raue ihr neues Kompetenzteam: Drei bisher völlig unbekannte Personen, die Frau Raue aber beruhigenderweise schon lange kennt, nämlich Herr Dr. Nevermann („Meine Tochter ist auf dem Canisius-Kolleg„) sowie eine junge Frau mit unbekanntem Namen („Meine beiden Geschwister waren auf dem AKO„) und einen älteren Herrn (Aldo Graziani? – „Ich war neun Jahre lang in einem Landschulheim„). Es blieb jedoch auch nach einer von den überraschten Teilnehmern gewünschten Vorstellung der drei Personen völlig unklar, warum Frau Raues Freunde („Ich kenne Frau Raue schon seit den 60er Jahren„) jetzt auch mitmachen.

Frau Raue kam nicht mit leeren Händen, sondern hatte Infomaterial vorbereitet: Jeder Betroffene bekam ein fotokopiertes Blatt mit der Tagesordnung.

(wird fortgesetzt)

IHS

Zu Ostern schrieb eine Gruppe von Betroffenen aus den ehemals vier Jesuiten-Schulen in Berlin, Bonn, Hamburg und St. Blasien an die Jesuiten in Deutschland, die sich in der Woche nach Ostern zu ihrer Jahrestagung trafen. In dem Schreiben werden konkrete Fragen und Forderungen formuliert.

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UPDATE: Eine Antwort des Provinzials liegt seit heute vor. Das Schreiben enthält u.a. ein Gesprächs- angebot und erklärt die Bereitschaft, sich den Fragen zu stellen.

Der im Original namentlich gezeichnete Brief, dem sich weitere Betroffene angeschlossen haben,  wird im folgenden dokumentiert. Wer sich den Fragen und Forderungen inhaltlich  anschließen bzw. diese unterstützen möchte,  kann dies gerne über die Kommentarfunktion tun.

An die Jesuiten in Deutschland

Da Sie in diesen Tagen zusammengekommen sind, um im Vorfeld des Osterfestes wohl auch über die Ereignisse der letzten acht Wochen nachzudenken, schreiben wir Ihnen diesen Brief.

Bisher verweigern Sie sich aus unserer Sicht einer direkten Auseinandersetzung mit den Opfern an den Jesuiten-Einrichtungen in Deutschland. Stattdessen verweisen Sie auf die Missbrauchsbeauftragte des Ordens.

Die Fragen, die wir an Sie haben, können uns jedoch durch keine Ombudsfrau beantwortet werden.

Wir fragen Sie konkret:

  1. Sind Sie bereit anzuerkennen, dass nicht nur einzelne aus Ihrer Gemeinschaft als unmittelbare Täter an uns schuldig geworden sind, sondern dass sie als Institution versagt haben und Schuld auf sich geladen haben?
  2. Erkennen Sie an, dass die Oberen Ihres Ordens, die über Jahre und Jahrzehnte Täter von einer Einrichtung zur nächsten weitergereicht haben, selbst wiederum eingebunden waren und als Teil eines Systems handelten, dass nur an den Interessen der Täter ausgerichtet war?
  3. Sehen Sie den größeren Rahmen, in dem Taten und Vertuschungsmaßnahmen standen, und der mit dem Begriff „kirchliche Sexualmoral“ umschrieben werden kann? Denn erst diese konkreten Rahmenbedingungen ermöglichten so ausgedehnte Taten.
  4. Ist Ihnen bewußt, dass für ihre Institution nicht nur in den 50er, 60er, 70er und 80er Jahren, sondern auch in den Jahrzehnten danach immer nur das Interesse der Täter von Bedeutung war und sie die Opfer dabei völlig vergessen haben?
  5. Erkennen Sie an, dass viele − wenn nicht die meisten von uns − nicht zu Opfern hätten werden müssen, wenn ihre Institutionen und die handelnden Personen nicht so schmählich versagt hätten?
  6. Verstehen Sie, dass es uns schmerzt, wenn jetzt sofort an die Prävention gedacht wird, und die konkreten Menschen, die den Mut gefasst haben, sich dem Leid in ihrem Leben zu stellen, wieder vergessen werden?
  7. Die Jesuiten folgen bei ihrer Arbeit einer Option für die Armen: Wollen sie die konkreten Betroffenen vor Ihren Türen betteln und bitten lassen?

Wenn Sie diese Fragen für sich beantwortet haben, dann sind wir gewiss, dass Sie bereit sein werden, auf unsere Forderungen einzugehen:

Um Ihre Antworten zu hören, werden wir Sie in den kommenden Wochen zu einem Gespräch an einen Tisch einladen, der allerdings nicht rund sein wird.

Ostern 2010

Matthias Katsch * Thomas Weiner * Matthias Jost * T.N. * A. S. * Christian Georg Thibault * T. Z.

sowie weitere Unterzeichner:

Ronald H. * Marcello Moschetti * Mathias Bubel * A. J. * Robert Schulle * T.R. * Prof. Dr.Gernot Lucas * Stephan Lobert * Anselm Neft

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bertone in chile„Steile These vom Außenminister des Papstes: Der Missbrauchsskandal in der Kirche hat laut Kardinal Bertone nichts mit dem Zölibat zu tun – sondern mit gleichgeschlechtlichem Sex.“                    Das verkündete Kurienkardinal Tarcisio Bertone ausgerechnet während eines Besuches in Chile, berichtet die Süddeutsche Zeitung am 13. April 2010.

verliese„Wie der Papst die Aufklärung von Missbrauch verhindert hat“  beschreibt der italienische Publizist Paolo Flores d’Arcais im Tagesspiegel vom 13. April 2010

heimkinderUnter dem Motto JETZT REDEN WIR!!! werden ehemalige Heimkinder am Donnerstag (15. April 2010) im Berliner Regierungsviertel demonstrieren.

Start: 12:00 Uhr in Berlin-Mitte (Luisenstraße 32-34 / Nähe Hauptbahnhof)

Abschlusskundgebung: 13:30 Uhr vor dem Brandenburger Tor

anselmAnselm Neft träumt in seinem Blog über eine Begegnung mit Pater Stüper.

Lesenswert, denn er zeichnet ein gutes Stimmungsbild zur Atmosphäre am AKO, das der Autor den seltsamen Soldiaritäts- bekundungen ehemaliger Schüler des AKOs mit dem Kolleg und den Tätern entgegen hält.

Er endet seinen Artikel in „Verbundenheit nur mit den Betrogenen, Missbrauchten, Enttäuschten, Entmachteten, Ausgenutzten, Übergangenen und Ungehörten.“

Danke!

Im WDR berichtete am 8.3. 2010 ein Betroffener von dem, was ihm vor 60 Jahren am AKO widerfahren ist.