Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
In der heutigen Pressekonferenz der Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz wurde der neue Vorsitzende der DBK bekannt gegeben. Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ des Bistums Hildesheim wurde als neuer Vorsitzender für die Amtszeit von 6 Jahren gewählt. Aus diesem Anlass appelliert Eckiger Tisch an den neuen Vorsitzenden: Die Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt muss in dieser Amtszeit oberste Priorität haben.
Seit acht Jahren ist Bischof Wilmer im Amt als Bischof von Hildesheim und diese Zeit war nicht frei von Konflikten in Bezug auf den Umgang mit und die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche. Im Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger, 100 Tage nach Amtsantritt 2018, stellte Bischof Wilmer fest: „Aber wir nehmen das Problem von sexualisierter Gewalt und Machtmissbrauch in der Kirche immer noch nicht ernst genug.“ Acht Jahre später ist zu vermuten, dass diese Aussage immer noch wahr ist.
In der heutigen Pressekonferenz der DBK antwortete Bischof Wilmer auf die Frage, was der neue Vorsitzende persönlich mit einbringt, um das Thema sexualisierte Gewalt im Kontext der Kirche aufrecht zu erhalten es gäbe „Verletzungen und Kränkungen auf beiden Seiten“ und führte fort mit der Aussage „Die Stimme der Betroffenen muss gehört werden, damit wir als Kirche glaubwürdig bleiben und bei allem ist es gut, dass wir den Weg gemeinsam weitergehen.“ Dies suggeriert Betroffenen, dass der Schutz der Kirche als Institution erneut über dem Wohl der Betroffenen liegt. Betroffenen müssen nicht gehört werden, um die Glaubwürdigkeit der Kirche zu wahren, sondern weil es oberste Priorität haben sollte Betroffenen von sexualisierter Gewalt zuzuhören und den Missbrauch umfassend aufzuarbeiten, Hilfsangebote zu schaffen und Betroffene angemessen zu entschädigen.
Eckiger Tisch appelliert daher an den neuen Vorsitzenden Bischof Dr. Heiner Wilmer SCJ:
Echte Verantwortung für die Missbrauchstaten: Die Kirche muss Betroffenen klar signalisieren, dass auf Worte von Gerechtigkeit auch konkrete Taten folgen und institutionelle Verantwortung übernommen wird.
Einsatz für die Verbesserung des aktuellen Verfahrens zur Anerkennung des Leids der Unabhängigen Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA): Die Unabhängige Kommission für Anerkennungsleistungen (UKA) muss organisatorisch, räumlich und infrastrukturell vollständig von der DBK getrennt werden und Herrin ihres eigenen Verfahrens sein. Anträge sollen künftig direkt bei der UKA gestellt werden können – ohne Umweg über Bistümer oder Orden. Zudem braucht es mehr Personal, zusätzliche Kommissionsmitglieder und eine bessere technische Ausstattung, um unzumutbare Wartezeiten von bis zu drei Jahren zu beenden. (Mehr dazu im Positionspapier von Eckiger Tisch September 2025 Positionspapier „Ausgleichende Gerechtigkeit“)
Transparenz und echte Beteiligung der Betroffenen sicherstellen: Die Entscheidungen der UKA müssen ausführlich und nachvollziehbar begründet werden. Betroffene müssen jederzeit Einblick in den Stand ihres Verfahrens erhalten und auf Wunsch persönlich gehört werden. Außerdem ist sicherzustellen, dass sie während des gesamten Verfahrens kostenfrei juristische und psychologische Unterstützung in Anspruch nehmen können.
Versäumte Meldungen bei den Unfallkassen aufarbeiten: Die über Jahre unterlassenen Meldungen von Missbrauchsfällen an die gesetzlichen Unfallversicherungen haben Betroffene um Heilbehandlungen, Rehabilitationsmaßnahmen und Rentenansprüche gebracht. Daher fordert Eckiger Tisch eine unbürokratische Kompensation der entstandenen Schäden sowie eine staatlich geführte Aufarbeitung unter Einbezug von Betroffenenvertreter*innen. (Mehr dazu hier: 20260220_Unterlassene-Meldungen-bei-den-gesetzlichen-Unfallsversicherungen.pdf)
Eins ist für die kommende Amtszeit klar: Die Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Kontext der katholischen Kirche muss Priorität haben. Die Betroffenen müssen in den Fokus gestellt, Lösungen erarbeitet und weiterentwickelt werden.
Eckiger Tisch erwartet vom Vorsitzenden der DBK ein klares Signal: Transparenz, ersichtlichen Willen zur Aufarbeitung und die ernsthafte Übernahme institutioneller Verantwortung für sexuellen Missbrauch im Kontext der katholischen Kirche. Eckiger Tisch hat in den vergangenen Jahren immer wieder Vorschläge unterbreitet, die jetzt endlich aufgenommen werden können.