Dokumentation, Berichte, Presseberichte

Dokumentation

Dokumentation ECKIGER TISCH September 2010 (pdf)

 

Untersuchungsberichte

Bericht Zinsmeister zum Aloisius-Kolleg vom 15. Februar 2011

Bericht U. Raue zum Kolleg St. Blasien vom 15. Februar 2011

Bericht Andrea Fischer vom 8. Juli 2010

Bericht U. Raue vom 27. Mai 2010

Zwischenbericht Missbrauchsbeauftragte Ursula Raue vom 18. Februar 2010

 

Opferberichte von 2010  (Auswahl)
wdr Der WDR berichtet am 8.März 2010 in dem Beitrag Missbrauch – ein Opfer erzählt über das Aloisius-KollegEin Opfer bricht 60 Jahre nach dem Vorfall das Schweigen.
ElPublico Die spanische Zeitschrift Público berichtet am 22. März 2010 über den Missbrauch deutscher und spanischer Kinder durch Wolfgang Statt im Baskenland
das leiden der jungen „Das Leiden der Jungen“Artikel von Patricia Hecht über ein Opfer von Riedel und Statt im Tagesspiegel vom 19. Februar 2010 sowie auf Zeit-Online
fr „Gequält, missbraucht – und vertuscht“Artikel von Frank Nordhausen über Wolfgang Statt und seine Opfer in der Frankfurter Rundschau vom 16. Februar 2010
untitled „Hamburger Opfer bricht nach 30 Jahren sein Schweigen“Artikel von Diana Zinkler im Hamburger Abendblatt vom 9. Februar 2010
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„Niemand hat geholfen“Der Artikel von Frank Nordhausen über ein Opfer von Peter Riedel aus der Berliner Zeitung vom 10. Februar 2010 ist  derzeit online nicht abrufbar.

Eine Fassung findet sich hier.

ck „Späte Aufklärung“Im Tagesspiegel vom 30. Januar 2010 berichtet ein Betroffener über Riedel. Er erwähnt auch erstmals den Brief von 1981.

 

11 Gedanken zu „Dokumentation, Berichte, Presseberichte

  1. warum haben sich die geschädigten nicht gemeldet bei der polizei oder bei einem anwalt als sie volljährig wurden. sie hätten doch alles weitere damit verhindern können. sie hätten auch ihre eltern oder freunde oder bekannten aktuell informieren können. heute wird jede frau der gewalt angetan wird, dazu aufgefordert ihren peiniger anzuzeigen, damit auch weitere taten/opfer vermieden werden. ansonsten wird durch schweigen der täter unerkannt bleiben. warum ? haben sich die seinerzeitigen opfer nicht in einer weise mitschuldig gemacht? darüber sollte auch in der öffentlichkeit gesprochen werden.

  2. Hallo Garret,
    die Sache ist nicht so einfach. Viele Opfer haben das schreckliche Thema verdrängt. Erste Versuche es Eltern mitzuteilen, wurden von den Eltern oft im Keim erstickt. So etwas kann nicht sein. Man spricht über Sexualität nicht, Du hast eine schlechte Phantasie etc.
    Die Angst vor dem Peininger, der in der Gemeinde natürlich eine extrem starke Position hatte, war gewaltig, vor allem wenn man ein Kind wie ich mit 9 Jahren war.
    Bei wiederholten Taten bleibt oft nur noch das Verdrängen. Die Scham in so etwas verwickelt gewesen zu sein, ist extrem und auch das Schuldempfinden.
    Ich habe Jahre gebraucht zu begreifen, dass ich mit 9 a wirklich nicht schuldig sein konnte, dass ein Mann schon komisch sein muss, so ein Kind sexuell extrem anziehend zu finden und das ich nichts teuflisches, sündiges an mir hatte, sondern der Kerl einfach pervers war.
    Man muss bedenken, dass die Peiniger vorher eine Beziehung zu einem aufgebaut haben und man oft zu spät merkte, dass er die Grenze überschreitet. Starr, steif und fassunglos war man dann. Natürlich wurde das auch geschickt gemacht. Er hat schon aufgepasst, dass keiner dabei ist. Mancherorts stehen die Beichtstühle daher auch geschickt im Nebenraum und nicht in der Kirche selbst.

    Das ist dann so schrecklich für ein Kind sein, dass das Erlebte verdrängt wird und in das Unterbewußtsein geht und man erst Jahre/Jahrzehnte danach getriggert wieder an das Erlebte überhaupt herankommt.

    Auch heute möchte ich meinen Namen nicht nennen, obwohl ich jetzt damit lerne umzugehen. Erste Versuche bei einer Freundin zum Thema führten zu folgenden Aussagen: „Missbrauchte Kinder missbrauchen später als Erwachsene andere Kinder“; bei einem Kollegen: „ich wäre nie so feig gewesen, mich missbrauchen zu lassen“, und bei meinen Eltern bin ich ein Nestbeschmutzer, wenn ich es öffentlich mit Namen angebe. Niemand will damit zu tun haben. Auch die Kirche nicht, an die ich mich zweimal gewendet habe und nie eine Antwort erhielt.
    Zum Glück ist mein Peininger im Altenheim, so dass ich seit ich überhaupt bewußten Zugang zu dem Erlebten habe, ihn nicht anzeigen muss und auch noch diesen Stress über mich ergehen lassen muss. Er kann nichts mehr anstellen. Gott sei gedankt.
    Sollte die Kirche meinem Blogg Diffamierung vorwerfen, meine echten Daten sind für die Redaktion jederzeit verfügbar.

  3. @garret, ein kind muss im schnitt 8 versuche machen bis ein erwachsener ihm glaubt wenn es um missbrauch geht, aber das weisst du ja, gelle?

  4. Hallo Garett

    Ich war nicht in einem Jesuitenkolleg, sondern in einer anderen Kirchlichen Einrichtung, geführt von „Dienerinnen Gottes“
    Dort war ich ca. 1 Jahr lang im Alter von 7 Jahren.
    Die Misshandlungen erfolgten auf jeder Ebene: Körperlich; emotional und sexuell.
    Uns wurde eingebläut daß wir verdorben, voller Todsünde, mit unwiederbringlich und nichtgutzumachender Erbsünde befleckt wären u.ä.
    Dies wurde uns immer wieder vor Augen geführt und war zu jedem Zeitpunkt der willkommene Anlaß uns (bis zur Bewusstlosigkeit) zu prügeln, Essensentzug, Einsperren und u.a. auch „komische“ Strafen mit heruntergelassener Hose (so empfand ich das zumindest damals)
    Ich war all die Jahre deswegen auch fest überzeugt gewesen daß Ich wohl irgend welche schreckliche Dinge getan musste und wurde ja Angeblich zu recht bestraft
    Ich war der festen Überzeugung daß alle (Aussenstehenden) wussten was da passierte, schließlich wurde ich ja in das Waisenheim geschickt und das musste ja einen Grund haben.
    Selbst mein Vater, der mich dort Anfangs noch regelmässig besuchen durfte, sagte ich nichts da ich ja fest dachte er weiss was da passiert, und da er mich dort nicht rausholte muß ich ja die dortigen „Strafen“ irgendwie verdient haben.
    Nach einigen Monaten war ich ein anderer Mensch und hatte das mir eingeprügelte „Wertesystem“ des Schwesternordens „in Fleisch und Blut“ übernommen.
    Es war letztlich auch die einzige Möglichkeit zu überleben: Völlige Aufgabe des eigenen Willens; „willenlos“ alle Anweisungen der „Dienerinnen Gottes“ übernehmen und keine eigenen Wünsche mehr entwickeln.
    Nach einigen Monaten solcherart „Behandlung“ ändert sich auch die eigene Persönlichkeit irreversibel, das Wertesystem der Täter wird fest intergriert (Introjektion durch den Aggressor; „Stockholmsyndrom“) – es ist auch die einzige Überlebensmöglichkeit.
    Dabei werden die Handlungen des Täters nicht mehr in Frage gestellt (z.B. “ ich bin ja selber schuld und habe es mir selber zuzuschreiben“)
    -> Wenn man z.B. sein eigenes Erbrochenes völlig emotionslos wieder zu sich nehmen kann ist man nicht mehr der Mensch der man urspünglich war (und wird es auch nicht mehr)
    Stichwort: psychologische Manipulation („Gehirnwäsche“)

    Die Annäherungen der Schwester im Schwesternzimmer erfolgten auch immer unter dem Vorwand: Ich werde jetzt bestraft!
    Die wöchentlichen Prügelorgien, bei denen wir uns nackt der Reihe nach an der Wand aufstellen mussten und uns die Schwester so seltsam angestrengt keuchend der Reihe nach verprügelte bis Sie ausser Atem kam und erst dann auch abließ hatte ich all die Jahre als „selbst verschuldete und gerechtfertigte Bestrafung“ in Erinnerung.
    Mir ist bis vor einiger Zeit nicht einmal in den Sinn gekommen daß es *nicht* normal ist sich nackt ausziehen zu müssen wenn man schwere Sünde begangen hatte (wie z.B. nicht ganz den Teller aufessen oder nach dem schlechten Essen dieses wieder herausbrechen)

    1) Pädophile Täter impfen ihren Opfern entweder eine Moralischen „Schuld“ ein -> warum sollte man dann sich als Opfer melden wenn man selber schuld ist ?
    2) Oder sie schaffen eine Art persönliches Geheimniss: „Du bist etwas ganz Besonderes, es ist etwas Großartiges“ o.ä., welches Aussenstehende nicht erfahren dürfen da dieses sonst gebrochen wäre

    In beiden Fällen werden die sexuellen Handlungen soweit durch eine darübergestülpte moralische Instanz getarnt daß es den (kindlichen) Opfern erstmal völlig unmöglich ist diese zu erkennen.
    Diese bleiben so lange in Wirksamkeit bis man (als Erwachsener) gegenteilige Erfahrung machen kann.

    In meinem Falle war Sexualität bis zu meiner jetzigen Therapie wegen Panikattacken schmutzig, unrein, eine ganz schlimme, unwiederbringliche Todsünde u.s.w.
    Daher hatte ich es nie geschafft eine Partnerschaft einzugehen, in der ich vieleicht gelernt hätte das dem nicht so ist.
    So ist es erst in meiner Therapie bzgl. Panikattacken „herausgekommen“, daß es niemals gerechtfertigt ist sich als kleiner Junge vor einer erwachsenen Frau ausziehen und befummeln lassen zu müssen, egal was man getan hat !

    Erst wenn man die Chance hat als Betroffener so etwas zu erkennen, dann erst kann man die damaligen Dinge auch neu werten und – vieleicht- auch Aussenstehenden benennen !

    Dies ist ein Grund warum so viele Opfer Jahrzente *angeblich* schweigen und nun (scheinbar plötzlich) das erst erkennen.

    Die Täterseite dagegen will gerne glaubens machen daß dies (nur) aus Scham verschwiegen würde.
    Dem ist definitv nicht so !

    In meinem Falle (und in vielen anderen) hat das in keinster Weise mit „Scham“ zu tun, sondern mit der (Todes-)Angst und massivsten Schuldgefühlen die uns damals von den Tätern so lange eingeprügelt wurde daß diese (wortwörtlich) in Fleisch und Blut überging!
    Als Beispiel am Rande:
    Darüber schreiben kann ich nun, dies aber vorzulesen oder gar auszusprechen ist immer noch nicht möglich, da mir dabei die Stimme versagt und eine kaum zu stoppende Panikspirale im Kopf abläuft.
    Die Stimme versagt mir wenn ich dies vorlese !
    Auch sitzt (immer noch) eine Tiefe Angst daß vieleicht die damaligen Täter doch irgendwie recht hatten.
    Die meist „verständnisslos“ wirkenden Reaktionen Aussenstehender (das kann ich gar nicht glauben – Du musst Dich irren – Das kann so nicht gewesen sein, das hätte man ja gemerkt) und vor allem die dazugehörige unbewusste Gesichtsmimik erzeugen bei mir sofort Panikreflexe, die dann das weitersprechen komplett verhindern und u.U. auch noch Kreislaufprobleme auslösen
    Gleiches passiert mir bei Fernsehsehndungen wenn dort ein Bischhof aggressiv die damaligen Vorkommnisse in Frage stellt (Ich reagiere auf die Körperlichen „Drohgebärden“, nicht auf den Inhalt der Worte)
    Das hat also gar nichts mit Scham zu tun, wie von der Täterseite gerne immer wieder behauptet, sondern mit der innerlich ablaufenden „Panikprogrammierung“. Dies ist dann auch Ässerlich für Aussenstehende ersichtlich und wird dann gerne als „Scham“ fehlinterpretiert.

    -> Es ist definitv nicht möglich gewesen sich früher zu melden; einige Opfer werden sich vieleicht auch niemals melden können, s.o.
    Und das nutzt die Täterseite weidlich aus unser Anliegen unglaubwürdig zu machen.

    Mit dem Fall „Mixa“ beispielsweise wurden die damaligen und andere Opfer subtil, aber massiv eingeschüchtert:
    Drohungen mit Zivilklage; „Trittbrettfahrer“ „Sozialschmarotzer“ u.ä.
    Die Täterseite weiss ganz genau die wunden Punkte ihrer ehemaligen Zöglinge !
    Oder auch die Verantwortungsumkehr: „wenn wir zu hohe Forderungen stellen dann müssen wegen uns carritative Einrichtungen geschlossen werden“. -> Dies wirkt in 2-facher Hinsicht besonders subtil, da wir Betroffene genau wissen was es bedeutet hilflos (und ohnmächtig) dazustehen, und solcherart (damaliges) Erlebniss niemanden wünschen und erst recht nicht Verursacher dafür sein wollen.

    Ich hoffe daß ich ein paar kleinen Einblicke in die für Aussenstehenden „unverständlichen“ Zusammenhänge als Betroffener geben konnte.

    Ein Heimkinderhöllen-Überlebender

  5. Hey GARETT
    Zu der Zeit als ich mit ca.19Jahren endlich und mit viel Glück das Heim verlassen konnte,hätte ich mich wagen sollen zusagen oder viele andere auch…Der Bruder/Pater/Priester haben das und das gemacht.Ich wäre da wieder gelandet wo ich her kam.Alles andere ist hier schon geschrieben.

  6. Jesuiten-Pater Ulrich Rabe in der Kritik und Pater Ludger Stüper gestorben

    Wieviel Fälle sexuellen Missbrauches verschweigt der Jesuiten-Orden?

    (News4Press.com)

    Sexueller Missbrauch unter der Soutane oder Ordensgewand und kein Ende. Der mutmassliche Haupt-Missbrauchstäter am Bonner Aloisiuskolleg (Träger ist der Jesuiten-Orden) Ludger Stüper verstirbt und wurde beerdigt. Opfer beklagen, dass er leider – ohne sich für sein Handeln vor einer weltlichen Instanz rechtfertigen zu müssen – verstorben ist. Selbst wenn er vor ein weltliches Gericht gestellt worden wäre, hätte man ihn auf Grund der skandalösen Verjährungsfristen freisprechen müssen. Immer häufiger entziehen sich die „Männer Gottes“ durch Verjährungsfristen oder den Tod der Strafverfolgung. Der Gottesdienst zu seiner Beerdigung wurde von acht Geistlichen gemeinsam zelebriert. Darunter der amtierende Rektor des Aloisiuskollegs Pater Ulrich Rabe und sein Vorgänger. Mit dem Tod möchten anscheinend auch die frommen Männer des Jesuiten-Ordens die Vergangenheit begraben. Die zahlreichen Einrichtungen des Jesuiten-Ordens müssen sich hinterfagen lassen, ob sie alles getan haben, um aufzuklären was in ihren Mauern geschah. Im Zweifelsfall stillhalten bis das Gegenteil beiwiesen wird ist keine christliche Geste der Nächstenliebe.

    Die vermeintlich frommen gottesfürchtigen Männer gehen seit Monaten dem direkten Kontakt mit den Opfern konsequent aus dem Weg. Rektor Ulrich Rabe SJ erschien nicht nur nicht am Eckigen Tisch, er antwortet nicht mal auf die Einladung. Auch sein Provinzial konnte ihn anscheinend nicht zum Kommen bewegen. Theo Schneider, Rektor bis zum Februar, war einer Einladung an den Eckigen Tisch in Bonn im Juni nicht gefolgt mit der Begründung, in der fraglichen Zeit Nachhilfeunterricht an dem Kolleg geben zu müssen, das er verlassen mußte, weil er im Verdacht steht, jahrelang die Umtriebe von Stüper gedeckt zu haben.

    Nickligkeiten? De mortuis nisi bene? Für die Betroffenen, die sehr sensibel auf Zeichen und Zwischentöne reagieren, sind solch klare Signale der Solidarität mit einem Täter, über den Tod hinaus, schwer zu ertragen – zumal wenn sie mit Missachtung der Opfer gepaart sind. Dass die Teilnahme der beiden Nachfolger als Rektoren an der Beerdigung von Stüper keineswegs nur der christliche Nächstenliebe mit einem Sünder geschuldet war, zeigt ein Abschnitt aus der Totenrede, die Rektor Rabe hielt:

    “In den letzten Jahren ist aber auch Schatten auf seine Person gefallen. Mit Erschrecken hat er zur Kenntnis genommen, dass sein früheres Fotografieren in manchen Dingen unangebracht war. Er hat zur Kenntnis genommen, dass man jugendliche Seelen auch durch solches unbedachtes Tun verletzten kann Er hat sich bei einigen Betroffenen entschuldigt. Er hat einen Brief an den Provinzial geschrieben, wo er das auch nochmal dargelegt hat und versichert hat, dass er zu keiner Zeit weitergreifende Übergriffe vollzogen hat. Es hat ihn bedrückt. Er hat darunter gelitten, weil Vergebung ihm letztlich nicht genügend gegeben worden ist.”

    Keine Einsicht, sondern Relativierung und Verharmlosung, spricht aus diesen Sätzen. Ein weiterer Zelebrant dieser Beerdigung 1. Klasse, war der als Fernsehpfarrer bekannte Monsignore Stephan Wahl aus Trier. Wahl gilt als Kommunikationsstratege des dortigen Bischofs Ackermann, jetzt auch Missbrauchsbeauftragter der deutschen Bischöfe. Welche Botschaft sollte da ans Ako gesendet werden? Wie sollen das Betroffene verstehen?

    Opfer von Stüper haben jetzt reagiert und einen Offenen Brief verfasst, in dem sie die Teilnahme von Wahl hinterfragen und seine Abberufung vom Bildschirm verlangen. Seit Januar 2010 sind Vorwürfe sexuellen Missbrauchs oder sexueller Übergriffe gegen Kinder und Jugendliche am Aloisiuskolleg bekannt geworden. Die bisher bekannten Vorwürfe erstrecken sich auf die Zeit der 50er Jahre bis zum Jahr 2005 und richten sich gegen mehrere Mitglieder des Jesuitenordens und einige Mitarbeiter des Aloisiuskollegs.

    Das Aloisiuskolleg nimmt Stellung und erbittet Verzeihung von den Betroffenen für das erlittene Unrecht und die Verletzungen, die diesen in den letzten Jahren und Jahrzehnten von Jesuitenpatres oder Mitarbeitern des Kollegs zugefügt worden sind. Verzeihung erbittet das Aloisiuskolleg auch dort, wo eine Kultur des Wegsehens und Weghörens um sich gegriffen hat, Berichte oder Hinweise von Betroffenen nicht zur Kenntnis genommen oder die Möglichkeit von sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche gar geleugnet worden ist. Unter Verzeihung versteht der Leiter Pater Ulrich Rabe eher die Verzeihung, den Ordensgeldbeutel möglichts gering zu belasten.

    Das Aloisiuskolleg versucht nach Maßgabe seiner Möglichkeiten, die Aufarbeitung von Fällen sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche voranzutreiben und zu unterstützen und alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, die jetzt und in Zukunft helfen sollen, sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche zu verhindern. Dazu gehört ein umfassendes Präventionskonzept, das im Herbst 2010 der Kollegsöffentlichkeit vorgestellt werden soll.

    Das Aloisiuskolleg begrüßt, dass die Bundesbeauftragte für sexuellen Missbrauch, Frau Dr. Christine Bergmann, vom Provinzial der deutschen Jesuiten, P. Stefan Dartmann SJ, gebeten worden ist, ihm eine Person zur Leitung des externen und unabhängigen Teams zu nennen, das die Aufarbeitung der Vorwürfe sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche am Aloisiuskolleg vorantreiben soll. Frau Prof. Dr. Julia Zinsmeister, Dozentin an der FH Köln erhält hierbei Unterstützung durch Frau Rechtsanwältin Petra Ladenburger und die Supervisorin und Kommunikationstrainerin Inge Mitlacher. Sie haben die Arbeit aufgenommen und wollen bis Ende 2010 einen Bericht über ihre Untersuchungsergebnisse vorlegen.

    Die Opfer wollen für ihr Leid auch finanziell entschädigt werden. Und nicht nur mit Almosen abgespeist. Die Missbrauchsopfer von Patern an Jesuiten-Schulen in Deutschland haben von der katholischen Kirche Entschädigungszahlungen in Höhe von 82.373 Euro pro Kopf gefordert. Ob dieser Betrag auch vom weltlichen Eliteinternat „Odenwaldschule Heppenheim“ an die fast 80 Opfer pro Kopf gezahlt wird ist sehr unsicher. Momentan steht ein Betrag von mindestens 2.000 Euro in der Diskussion.

    Ca. 80.000 Euro sei der Durchschnitt der in den vergangenen Jahren in Deutschland und Österreich durch Gerichte festgesetzten Schmerzensgelder für Schäden der Seele, sagte der Sprecher der Betroffenen-Initiative „Eckiger Tisch“, Matthias Katsch. Damit widersprach er dem Angebot, das der Jesuiten-Orden erst vor ein paar Tagen gemacht hatte: Stefan Kiechle, als Provinzial oberster Vertreter der Jesuiten in Deutschland, hatte von pauschal und einmalig von 5.000 Euro gesprochen, die man anbieten wolle. Entschieden sei aber noch nichts, eine unabhängige Kommission werde mit der Prüfung betraut. Doch das reicht den Missbrauchs-Opfern nicht. Das Angebot des Jesuitenordens wies Katsch als „zynisch“ und „unannehmbaren Vorschlag“ zurück. „Jede Summe rechnet den Schaden nicht auf. Es geht uns um einen angemessenen Ausgleich für das Leid, so die Opfer.“

    Vor der in Fulda beginnenden katholischen Deutschen Bischofskonferenz forderte er zudem die Bischöfe auf, sich mit den Missbrauchsopfern in Fulda zusammenzusetzen. „Ausweichtaktiken wollen wir den Bischöfen nicht mehr durchgehen lassen“, sagte Katsch. Nach Angaben von Katsch haben sich inzwischen 210 ehemalige Schüler als Opfer der Pater der Schande gemeldet. Seit Jahresbeginn waren zahlreiche Fälle sexuellen Missbrauchs in kirchlichen und anderen Einrichtungen bekannt geworden. Mit angestoßen hatte die Untersuchungen der Leiter des vom Jesuiten-Ordens betriebenen Berliner Canisius-Kollegs, Mertes. Der Sprecher der deutschen Ordensprovinz, Thomas Busch, wollte die Forderungen der Missbrauchsopfer am Sonntag nicht kommentieren. Er kündigte interne Beratungen für Montag an.

    Als erste Gemeinschaft der katholischen Kirche wird der Jesuitenorden Opfern sexueller Übergriffe Entschädigungen anbieten. Da die Sühne auch „weh tun“ müsse, wollen die Jesuiten in die eigene Tasche greifen – und ihren Lebensstil einschränken. Wie sehr aber der Lebensstil als Buße eingeschränkt wird, ist nach wie vor sehr fraglich.
    „Wir sehen, dass wir Jesuiten jetzt ein Zeichen setzen müssen, damit es um der Opfer willen voran geht“, sagte der der als Provinzial oberste Vertreter der Jesuiten in Deutschland, Stefan Kiechle, der „Süddeutschen Zeitung“. Die Summe werde „im vierstelligen Bereich“ liegen. Man diskutiere, pauschal und einmalig 5.000 Euro anzubieten, dies sei aber noch nicht entschieden. Eine unabhängige Kommission solle klären, wer Anspruch auf das Geld habe. Dazu sollen aber weder Spendenmittel verwendet noch Geld aus Projekten abgezogen werden. „Wir werden unseren Lebensstil einschränken müssen“. Die Sühne müsse „weh tun“ – „sonst verraten wir unseren Auftrag“. Geldzahlungen, in welcher Höhe auch immer, können nur ein Anfang der Aufarbeitung sein. Wichtig ist, wie der Jesuiten-Orden und andere kirchliche Einrichtungen mit den noch lebenenden Tätern verfahren. Eine lebenslange Alimentierung ist wie ein Faustschlag. Verjährungsfristen machen die Taten nicht ungeschehen. Das weltliche Strafgesetzbuch wurde von den kirchlichen Einrichtungen in der Vergangenheit oftmals heftig kritisiert. Wenn es allerdings Täter aus den eigenen Reihen betrifft, dann mag man diese Gesetze doch für sich in Anspruch nehmen. Die Scheinheiligkeit hat seit einiger Zeit auch die mutmaßlichen „Männer Gottes“ erfasst. Die angerichteten Schäden an Seele, Körper und Glaubwürdigkeit sind noch nicht absehbar.

    Im Januar war bekannt geworden, dass Jesuitenpatres an mehreren vom Orden getragenen Schulen in den achtziger Jahren Schüler sexuell missbraucht hatten. Bislang haben sich 200 Opfer gemeldet. Das Vorgehen der Jesuiten setzt nach Darstellung der „Süddeutschen Zeitung“ die deutschen Bischöfe vor ihrer Herbstvollversammlung in Fulda unter Druck. Die Bischofskonferenz hat zwar erklärt, dass sie im Prinzip bereit sei, Opfer von sexuellen Übergriffen zu entschädigen, kann sich aber offenbar derzeit nicht auf einen Modus einigen, wie das geschehen soll und schon garnicht entscheiden konkrete Beträge zu benennen.

    Kiechle sagte, zunächst seien die Täter in der Pflicht. „Aber die sind manchmal uneinsichtig, abgetaucht, krank, tot – und dann müssen wir als Orden dort stellvertretend Verantwortung übernehmen, wo Übergriffe glaubhaft gemacht werden, aber nicht mehr justiziabel sind“, sagte er. Schließlich sei der Orden auch selbst schuldig geworden. Kiechle hat es bisher versäumt zu erklären, wieviel Täter bzw. mutmaßliche Täter auf der Alimentationsliste des Ordens stehen.

    Der Sprecher der Opferorganisation „Eckiger Tisch“, Matthias Katsch, würdigte in dem Blatt, „dass die Jesuiten nun vorangehen“. Eine Summe von 5.000 Euro sei aber in keiner Weise angemessen. Eine pauschalierte Zahlung von 54 000 Euro sei nicht übertrieben. Am Samstag wollten sich Vertreter des „Eckigen Tisches“ und des Jesuitenordens in Berlin treffen. Kiechle sagte, angesichts der bei den Jesuiten diskutierten Summe werde es sicher auch Enttäuschungen bei den Opfern geben. „Ich finde es aber auch richtig, dass wir einen eher symbolischen Betrag zahlen“, sagte er. „Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, Geld könnte ungeschehen machen, was den Opfern der sexuellen Gewalt widerfahren ist.“ Man könne sich auch mit einem großen Batzen Geld nicht freikaufen. „Symbolisch heißt: Die Geste, die wir anbieten, ist für uns schmerzhaft. Aber sie bleibt klein und bruchstückhaft, ist ein Zeichen unserer Ohnmacht angesichts des Leids“, sagte Kiechle. Was allerdings Kiechle und der Jesuitenorden unter spürbare finanzielle Schmerzen versteht, zeigt sich nun durch die Ankündigung von 5.000 Euro pro Opfer. Auch der Jesuiten-Orden wird sich damit abfinden müssen, dass er so billig nicht davonkommen wird. Es ist zu vermuten, dass zahlreiche Opfer weiter auf dem gerichtlichen Klageweg versuchen, zu ihrem recht zu kommen. Die bisher unentschlossenen Opfer ist mit Nachdruck zu raten, an die Öffentlichkeit zu gehen. Dieses ist ein sehr schmerzhafter und gesellschaftlich steiniger Weg. Sie alle sollen wissen, dass sie nicht alleine sind.

    http://www.eckiger-tisch.de/

    http://www.orden-online.de/news/2010/02/12/auch-ein-pater-hat-ein-recht-auf-fairness/

    http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10490&detailid=764433

    http://www.aloisiuskolleg-bonn.de/deutsch/01_jesuiten/05jesuiten_kontakt.htm

    http://www.general-anzeiger-bonn.de/index.php?k=loka&itemid=10490&detailid=792093

    freier Journalist EPF
    Johannes Schumacher
    Am Stadtrain 28a
    41849 Wassenberg
    Tel:024329335022
    johannes19520@googlemail.com

  7. Das finde ich auch so. Ich pflichte Ihnen bei, das die 5000€ eine frechheit da stelle. Mit 80000€ kann man wenigtens einen besseren Lebensabend verbringen wenn schon das ganze Leben nur ein Hindernis gewesen ist.

    Die Kinderschreie kann man mir nicht aus dem Ohren nehmen die vor Schmerzen verursacht worden sind in den Folterheimen.

    Mögen doch mal die Täter diese Schreie nicht mehr aus dem Ohren kriegen un zwar mit mindestens 60Db. an Lautsterke.
    Damit die immer daran errinert werden was die den Wehrlosen und Unschuldigen Kindern angetan haben.

    Ich finde 120000€ sollten es schon sein für jedes Opfer. Geld genug haben ja die Irchen ohne das Soziale Einrichtungen geschlossen werden müssen. Armrechnen das kann jeder fragt sich nur wie Glaubwürdig das sein soll von den Kirchen und Staat.

    J. H.

  8. 80.000 war gestern, der Jesuitenorden und der Vatikan hatten ein Jahr lang Zeit sich anständig aus der Affäre zu ziehen. Man hat sich dafür entschieden, weiter zu tricksen und zu täuschen. Jetzt geht es vor den Euröpäischen Gerichtshof und darüber hinaus. Die Zeiten in denen sich Pfaffen vom Volk nehmen konnten was sie wollten und sei es die Unschuld dessen Töchter und Knäbelein sind vorbei! Ein für alle mal!

  9. Ich war Studentin, habe mich gegen den Jesuiten gewehrt, im Bistum, in dem er gearbeitet hat, Bescheid gesagt, wurde als Lügnerin bezeichnet und diese Geschichte wurde dazu benutzt, mich aus meinem Arbeitsplatz in der Kirche zu entfernen.So reden kann nur jemand, der weit entfernt von diesen Problemen ist. Warum haben die Opfer nichts gesagt? Gehirnwäsche wurde mit uns gemacht und wir wurden gebrandmarkt.

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