Tausend Meldungen bei Hotline

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Presse_3_Ausschnitt_2_130x180Seit zwei Wochen arbeitet die telefonische Anlaufstelle der Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs. Unter der kostenfreien Nummer 0800 – 2255 530 können Betroffene ihre Empfehlungen und Vorschläge an die Politik formulieren, denn:

„Ihre Anliegen und Botschaften zu kennen, ist für die Aufarbeitung und meine Empfehlungen von zentraler Bedeutung“, sagt
Christine Bergmann auf ihrer Webseite

Den Anrufer erwartet ein Mitarbeiter aus einem Team von speziell geschulten Fachleuten. Die Schulungen werden unter anderem durch Jürgen Lemke durchgeführt, langjährigem Experten für Missbrauch aus Berlin und einem der Moderatoren des Eckigen Tischs. Das Gespräch bietet auf Wunsch Raum zum Reden über den Missbrauch, es können aber auch einfach nur Forderungen und Erwartungen formuliert werden. Diese werden von dem Mitarbeiter direkt in eine Software eingegeben und so für eine spätere Auswertung festgehalten. Am Schluss lässt der Mitarbeiter sich die Botschaften, die er festgehalten hat, vom Anrufer noch einmal bestätigen.

Die Arbeit des Teams wird wissenschaftlich begleitet. Nach dem gerade vorgelegten Zwischenbericht, sind in den ersten 14 Tagen bislang mehr als tausend Meldungen von Betroffene bei der Hotline eingegangen. In zwei Dritteln der Fälle fanden die Übergriffe danach in Institutionen statt, vor allem in kirchlichen und katholischen Einrichtungen. 60 Prozent der Anrufer hätten sich zuvor noch nie jemanden anvertraut, hieß es. Jungen seien häufiger in kirchlichen Einrichtungen missbraucht worden, Mädchen in therapeutischen Einrichtungen. Vom Missbrauch in Familien seien Frauen in ihrer Kindheit doppelt so häufig betroffen gewesen als Männer. Das Alter der Anrufenden reiche bisher von 17 bis 79 Jahren, das Durchschnittsalter liege bei 50 Jahren. Auch Angehörige von Opfern meldeten sich.

Auf der Webseite finden sich neben vielen Informationen zum Thema Missbrauch, auch persönliche Statements von Betroffenen, die angerufen haben. Unter der Rubrik „Fragen die uns erreichen, werden allgemeine Fragen von Betroffenen beantwortet. Dazu gehört die Frage, wo man Hilfe findet, und an zweiter Stelle wird gefragt, wie lange es dauern wird, bis der Runde Tisch eine Entscheidung bezüglich Entschädigungsleistungen fällt. In der Antwort heißt es:

„Die nächste Sitzung des Runden Tisches mit allen Arbeitsgruppen wird am 30. September 2010 stattfinden. Möglicherweise wird es auch zu Fragen der Entschädigung dann bereits erste Ergebnisse oder Tendenzen geben. Die Unabhängige Beauftragte wird Empfehlungen zum Thema Entschädigungen aus der Sicht der Betroffenen bzw. der eingegangenen Gespräche und schriftlichen Zusendungen aussprechen, erste Empfehlungen hierzu werden an der Sitzung des Runden Tisches ausgesprochen werden.“

Es lohnt sich also aus Sicht der Betroffenen unbedingt, sich bei Frau Bergmann und ihrem Team zu melden, um Gehör zu finden.

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