Analyse des Statements von Benedikt vom 8. Februar 2022

Nachdem der emeritierte Papst Benedikt XVI. bei der Präsentation des 2. Gutachtens zum Missbrauch im Erzbistum München-Freising der Lüge überführt wurde, wartete die internationale Öffentlichkeit gespannt auf seine Stellungnahme.

Diese wurde nun heute auf vaticannews.va im Wortlaut veröffentlicht. Neben unserer kurzen Pressemitteilung veröffentlichen wir hier auch eine etwas ausführlichere Analyse des Briefes:

Ratzingers zweiter Verteidigungsversuch stößt zwar ziemlich einhellig auf Kritik. Aber wenn die Medien seinen Brief zusammenfassend wiedergeben, schreiben die meisten trotzdem, er habe sich entschuldigt. Wenn man den Brief aber einmal Wort für Wort liest, dann zeigt sich – er hat nicht einmal das getan.

Er hat es nicht verstanden – und wir können es nicht mehr hören. Erneut werden Schmerz und Scham gestanden. Aber alles konkrete dann relativiert und bestritten.

Schon die von ihm gewählte Anrede in seinem Brief zeigt, dass er nicht zu den Betroffenen sprechen will, sondern lieber zu seinen “Schwestern und Brüdern”. Anstatt sich zu entschuldigen, muss er allen erstmal beweisen, wie viele doch immer noch hinter ihm stehen und ihm in den letzten Wochen das Vertrauen aussprachen. 

Anschließend wiederholt er die Ausrede, er habe in seiner Stellungnahme nicht gelogen, sondern es sei ein Redaktionsversehen gewesen. Um dies zu beweisen, stellt er es so dar, als habe eine kleine Schar von Freunden ihn ehrenamtlich unterstützt. Und im Ehrenamt passieren schon mal Fehler, wer wollte da den ersten Stein werfen? 

Das Schmierentheater geht weiter: Zwar leitet er den nächsten Absatz seines Briefes damit ein, dass dem Wort des Dankes nun aber “auch ein Wort des Bekenntnisses folgen” müsse – aber dieses Bekenntnis kommt nicht. Zumindest kein Bekenntnis, dass er Fehler gemacht habe. Stattdessen bekennt er sich zum glorreichen Christentum, weil es an die Eröffnung des Gottesdienstes stets die “Bekenntnis unserer Schuld und die Bitte um Vergebung” setze. Anstatt wirklich um Vergebung zu bitten, zitiert er nur das, was viele Christen in Kirchen vor sich hinmurmeln: “Wir bitten den lebendigen Gott vor der Öffentlichkeit um Vergebung für unsere Schuld, ja, für unsere große und übergroße Schuld.” 

Auch danach, gesteht Benedikt immer noch nicht klar und deutlich ein, dass er “übergroße Schuld” auf sich geladen hat, sondern er meint, dieses Schuldbekenntnis “fragt mich jeden Tag an, ob ich nicht ebenfalls heute von übergroßer Schuld sprechen muß.” – Er hat es also immer noch nicht begriffen, dass er diese Frage eindeutig mit “JA!” beantworten muss. 

Passenderweise sage ihm das Wort „übergroß“ in diesem Schuldbekenntnis aber auch, egal wie groß seine Schuld auch sei, der Herr werde ihm vergeben – wieder geht es also nur um ihn, dass Benedikt vergeben werde. Um die Opfer geht es nicht. 

Auch werde er “in diese übergroße Schuld hineingezogen”. Als wenn dies per Fernsteuerung erfolge und er selbst damals nicht die Wahl gehabt hätte, z.B. den Priester H. nicht in sein Bistum zu übernehmen oder ihm zumindest den Kontakt zu Kindern zu verbieten. Groß sei sein “Schmerz” über “die Vergehen und Fehler, die in [s]einen Amtszeiten und an den betreffenden Orten geschehen sind.” – Damit gibt er gerade nicht zu, dass er selbst Fehler gemacht hat. 

Natürlich bittet er auch am Ende seines Briefes nicht um Vergebung. Stattdessen sollen der Herr und alle Engel und Heiligen und alle Schwestern und Brüder für ihn beten. Dieser Schluss zeigt noch einmal, dass es Benedikt immer noch nur um sich selbst geht. 

 

Eckiger Tisch