Leserbrief zum Interview mit Bischof Schick (“Wahrheit kommt vor Entschuldigung”)

Ich trage seit meiner Pubertät  eine Missbrauchsgeschichte mit mir herum, ein katholischer Geistlicher war der Täter, Ort des Geschehens war Bamberg. Mir ist bekannt, dass dieser Priester mit mindestens einem weiteren Ministranten so wie mit mir verfuhr.

Ich (!) war so beschämt, dass ich über 30 Jahre niemandem etwas von dieser Geschichte erzählt habe.

Mein Leben war lange düster, ich kaum je unbeschwert. Ein stabiles Selbstbewusstsein habe ich nicht entwickelt. Nach langen Jahren  habe ich mich einem Psychotherapeuten geöffnet, der Druck ließ etwas nach. Erst 2010 habe ich mich an den Erzbischof und die Staatsanwaltschaft gewandt. Ich wurde nicht weiter befragt,  erhielt eine lächerliche Entschädigung, obwohl die Personalakte des Priesters im Diözesanarchiv keinerlei (!) Hinweis auf irgendeine Form  von Missbrauch enthielt.-

Nun soll in der Erzdiözese ein Gutachten erstellt werden: löblich. Ich hoffe, dass es von unabhängigen Personen gemacht wird. Ich stehe zur Verfügung.

Wenn ich aber lese, dass Herr Dr. Schick für seine Mitarbeiter ein guter Hirte ist und “ zu verstehen und mitzutragen “ versucht, “ was sie derzeit erleiden “, dann kommt mir die Galle hoch . Das , was die Missbrauchten erlitten haben und erleiden , erwähnt Herr. Dr. Schick mit keinem einzigen Wort. Diese  Armen hat er nicht im Blick. Ich halte das für einen Skandal. Ach, es ist aus meiner Sicht schlecht um Dr. Schick  und seine Kirche bestellt.

Eckiger Tisch