Statement zur Ablehnung des Rücktritts von Kardinal Marx durch Papst Franziskus

Mit seiner Entscheidung, den Rücktritt nicht anzunehmen, nimmt Franziskus dem Rücktrittsangebot von Kardinal Marx die Wucht. Marx zielte mit seiner Erklärung auf die Verantwortung aller Bischöfe, auch die des Bischofs von Rom, für das System aus Missbrauch und Vertuschung, das die Katholische Kirche weltweit prägt.
Der Papst moderiert diese erschütternde Einsicht jetzt einfach weg und entlastet damit auch sein eigenes Amt.
Besonders erschreckend ist aber, wie der Papst in seiner Erklärung versucht, die Verantwortung für Machtmissbrauch und Missbrauchsvertuschung durch Bischöfe weltweit zu relativieren, indem er darauf verweist, dass früher eben „andere Zeiten“ gewesen seien. Vielleicht wird es Zeit, dass auch Franziskus anfängt, in der Ich-Form zu sprechen, damit man ihn besser versteht.
Von dem radikalen Neuanfang, den das Rücktrittsgesuch von Kardinal Marx andeutete, ist jetzt jedenfalls wenig geblieben. Der Papst sollte endlich anfangen, den Betroffenen wirklich zu zuhören.
Betroffene sind es wirklich leid, für innerkirchliche Machtkämpfe und kirchenpolitische Auseinandersetzungen zwischen vermeintlichen Reformern und Konservativen herhalten zu müssen. Wir erleben eine weitere verpasste Chance auf einen Neuanfang.

 

English:

With his decision not to accept the resignation, Francis takes the force out of Cardinal Marx’s offer to resign. Marx aimed his statement at the responsibility of all bishops, including the bishop of Rome, for the system of abuse and cover-up that characterizes the Catholic Church worldwide.
The Pope is now simply moderating away this shocking insight, thereby also exonerating his own office.
But it is particularly frightening how the Pope tries in his statement to relativize the responsibility for abuse of power and abuse cover-up by bishops worldwide by referring to the fact that in the past there were „different times“. Perhaps it is time for Francis to start speaking in the first person so that he can be better understood. At any rate, little remains of the radical new beginning that Cardinal Marx’s letter of resignation hinted at. The pope should finally start to really listen to those affected.
Victims-survivors are really tired of having to serve for inner-church power struggles and church-political disputes between supposed reformers and conservatives. We are experiencing another missed opportunity for a new beginning.

Eckiger Tisch