Offener Brief an Bischof Georg Bätzing

Die Trierer Betroffeneninitiative „MissBiT“ hat sich mit einem offenen Brief an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz gewandt. Wir dokumentieren den Text HIER:

 

Offener Brief an Dr. Georg Bätzing
Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Bischöfliches Ordinariat
Rossmarkt 4
65549 Limburg

Sehr geehrter Herr Dr. Bätzing,

der Vorstand von MissBiT – Missbrauchsopfer im Bistum Trier e.V.,  einer Betroffenen­organisation, die sich 2010 gebildet und im Jahr 2020 als Verein gegründet hat, wendet sich mit diesem Schreiben an Sie. Anlass ist die Abschlusspressekonferenz der Deutschen Bischofskonferenz am 25.2. 2021, bei der Sie das Wort führten.

Wir lassen einmal beiseite, dass das Ergebnis Ihrer Beratungen uns nicht zufriedenstellt. Unsere Kritik bezieht sich vor allem auf Ihre Reaktion auf die Fragen bezüglich des Falles Karin Weißenfels aus dem Bistum Trier. Die Betroffene  hat sich vor längerer Zeit an unsere Organisation gewandt, deshalb sind wir mit den Einzelheiten vertraut.

Ihr Fall – jahrelange sexualisierte Gewalt durch den Dienstvorgesetzten Priester, Nötigung zur Abtreibung unter Missbrauch des Beichtsakraments durch einen anderen Priester – kam im „Synodalen Weg“ am 4.2. 2021 zur Sprache, ausführlicher in einer Sendung des Deutschlandfunks am 23.2. 2021.

Ihre Reaktionen auf die Fragen der Journalisten können wir nicht unwidersprochen stehen lassen, denn Ihre Sprache verdeutlicht, dass Sie die Möglichkeit genutzt haben, den Fall kleinzureden. Hier ein paar Beispiele aus ihrer Wortwahl:

  • „Beziehung“ ist nicht nur eine Verharmlosung des jahrelangen spirituellen und sexuellen Missbrauchs einer Abhängigen, es ist eine Leugnung der Gewalt.
  • Die Wörter „zwischen Erwachsenen“ insinuieren, dass es ein Verhältnis auf Augenhöhe war. Dabei unterschlagen Sie Ihre eigenen Richtlinien vom 1.1.2020, die von spirituellen, emotionalen und dienstlichen Abhängigkeitsverhältnissen und den damit verbundenen Missbrauchsmöglichkeiten unter Erwachsenen ausgehen. Diese Formen des Missbrauchs waren ein Thema Ihrer Konferenz – auf diesen Fall wollten Sie es lieber nicht anwenden, obwohl es ärztliche Gutachten gibt, die eine krankhafte emotionale Abhängigkeit belegen.
  • Sie sprechen von „Schuldverstrickung“ – ein Nebelwort, das die Mitschuld der Betroffenen nahelegt; eine unverzeihliche erneute Verletzung.
  • Befragt auf Ihre Beteiligung an dem Fall als ehemaliger Generalvikar in Trier redeten Sie Ihre Verantwortung klein. Wir wissen, dass die Betroffene sich jedes Gehör und jede Unterstützung mühsam erkämpfen musste, vieles davon mit anwaltlichem Beistand, auch bei Ihnen.
  • Auf die Frage nach der erzwungenen Abtreibung unter Missbrauch des Beichtsakraments gingen sie gar nicht ein. Ungeborenes Leben war schutzlos der Gewalt von Priestern ausgeliefert und wurde ihren Interessen geopfert. Sie hätten hier zugeben müssen, dass zwei Priester mit Hilfe des Kirchenrechts billig davongekommen sind – und das in einer Zeit, als die Kirche in Deutschland heftig gegen die Schwangerschaftskonfliktberatung zu Felde zog.

Wir nennen das Ganze „Machtmissbrauch durch Sprache“, denn wir gehen davon aus, dass Sie sehr genau wissen, was Sie sagen.

Eine salbungsvolle Tonlage, manipulative Sprache durch Weglassen, Verharmlosen und Insinuieren sind unredlich und unverantwortlich,  nicht nur gegenüber Betroffenen, sondern auch gegenüber der Öffentlichkeit.

Die Menschen merken das – die Menschen merken sich das.

Der Vorstand von MissBiT – Missbrauchsopfer im Bistum Trier e.V.

Unterzeichner: Karl-Heinz Körner, Thomas Kießling, Rudolf Labarbe, Berthold Merz, Hermann Schell, Jutta Lehnert

Koblenz, den 5.3.2021

 

Eckiger Tisch