Nach 59 Jahren zum Amtsgericht

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach 59 Jahren und reiflicher Überlegung, die sich über Jahrzehnte hinzog, werde ich in der nächsten Zeit zum Amtsgericht gehen.

Ich finde Kirche sehr wichtig als einen sinnstiftenden Ort, der christliche Regeln des Zusammenlebens, Humanität, Toleranz und gegenseitige Anerkennung jenseits der Unterschiede der Menschen fördert und fördern sollte. Markt und Kapitalismus können das nicht.

Die Wahl von Franziskus hat mich sehr gefreut! Endlich jemand, der nicht nur den Mächtigen dient, sondern der auch die Armen in den Blick nimmt und eine teilweise Abkehr von der freien Marktwirtschaft fordert, die eher die Macht der starken Gruppen ausweitet und zementiert. Ich bin aber enttäuscht von seinen Ergebnissen.

Meine Gründe für den Austritt:

  1. Ich kann den Umgang mit dem Missbrauch nicht mehr mittragen. Obwohl der Papst die Diskussion wollte und für den Februar in Rom auch echte Maßnahmen versprochen hat, kam nichts dabei raus. Am Ende war es wieder  nur der Teufel.
    Meiner Meinung nach ist es notwendig, dass alle Archive geöffnet werden und jeder Täter der Strafverfolgung übergeben wird. Wie kann man die Fortsetzung der Verbrechen noch weiter tolerieren und die Strukturen erhalten, die die Taten nicht verhindern bzw. nicht bestrafen? Wer spielt Gott, indem die Täter beschützt und die Opfer  nicht entschädigt werden? Ich möchte nicht mehr Teil dieser Bewegung sein.
  2. Das gleiche gilt für den Missbrauch von Novizinnen, hier verweise ich auf eine arte-Sendung vom Februar, die das Thema in Südamerika beleuchtet hat:  “Gottes missbrauchte Dienerinnen”
  3. Ich kann die starre Hierarchie nicht mehr unterstützen. Dass nur einer das Sagen hat, ist nicht mehr zeitgemäß. Dass dieser eine weiß, was Gott will, glaube ich nicht. Wir sind alle verantwortlich dafür, dass die Welt eine gute wird und dies können wir nicht einem Menschen  überlassen.
Eckiger Tisch