Die Kirche mauert weiter bei der Entschädigung der Opfer

Auch wenn die Äußerungen von Kardinal Marx auf der Abschlusspressekonferenz ermutigend wirken mögen („An die Betroffenen: Ich verspreche, alles, was möglich ist, in Gang zu bringen und wiedergutzumachen“) vermissen wir klare Worte zur Frage der Hilfen und insbesondere zur Entschädigung der Opfer. Die Bischöfe wirken bei dieser Frage überfordert. Das Wort „Entschädigung* kommt ihnen nicht über die Lippen.

Die Bischöfe sollten endlich zur Kenntnis nehmen, dass sehr viele Betroffene eine angemessene Entschädigung fordern. Das lässt sich auch nicht dadurch wegreden, dass Bischof Ackermann erklärt, dass es für die meisten Opfer ausreichend sei, wenn Ihnen die Kirche sagt: „Wir glauben Dir.“

Wenn es tatsächlich nur so wenige Betroffene sind, denen eine angemessene Ent­schädigung wichtig ist, dann sollte es ja ein Leichtes sein, diese Betroffenen zu­frie­den zu stellen, und schon wäre das Thema verschwunden. Die Wahrheit ist doch, dass die Bischöfe Angst davor haben, dass sehr, sehr viele Menschen − mit Recht − auf einer Entschädigung bestehen.

Die Bischöfe und ihr Vorsitzender versichern nach ihrer Versammlung, dass sie den „eingeschlagenen Weg der Aufarbeitung und Aufklärung konsequent weiter ge­hen“ wollen. Darauf sind wir gespannt. Unser Ziel ist hierbei weiterhin eine Wahrheits- und Gerechtigkeits­kommis­sion. Auch die Ordensgemeinschaften müssen sich der Aufar­beitung stellen. Da ist seit Fulda nichts geschehen. An der Arbeits­gruppe „Aufarbei­tung Kirchen“ beim Unabhängigen Beauftragten der Bundes­regierung Rörig werden wir mitwirken.

Es wird Zeit, dass sich die Politik einschaltet und ihre Unterstützung anbietet, um endlich eine Lösung auch in der Entschädigungsfrage in Gang zu bringen. Nament­lich die Bundesjustizministerin Barley ist gefordert, wenn es darum geht, tausen­den Menschen, die sexuelle Gewalt durch Angehörige der Kirche erlitten haben, zu ihrem Recht zu verhelfen. Der Schaden im Leben der Menschen wurde nicht nur durch die Täter verursacht. Die Strukturen, die diesen Missbrauch begünstigt haben und der Umgang der Bischöfe und Ordensoberen mit diesen Taten, das ganze „Sys­tem des Missbrauchs und der Vertuschung“ muss in die Betrachtung einfließen.

Die Kirche in Deutschland will sich unter dem Begriff „synodaler Weg“ der internen Diskussion über die systemischen Konsequenzen aus der Missbrauchsstudie zuwen­den. Das ist notwendig und wir werden diesen Prozess im Sinne eines besseren Schut­zes von Kindern und Jugendlichen kritisch begleiten.

Die Gesellschaft aber darf sich jetzt nicht aus der Debatte zurückziehen, sondern muss − anders als 2010 − die Opfer / Überlebenden dabei unterstützen, endlich zu einer Lösung mit der Kirche zu kommen.

Matthias Katsch

Sprecher ECKIGER TISCH 14. März 2019

DOWNLOAD der Pressemitteilung vom 14. März 2019

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