Denkwürdige Pressekonferenz

Am 1. Dezember 2015 nahm das Bistum Hildesheim Stellung zu der ARD/WDR-Reportage “Richter Gottes” vom Vortag. Der Beitrag machte deutlich, dass die Verantwortlichen des Bistums durch ihr Verhalten 2010, nicht nur einem 14jährigen Mädchen geschadet hat, das Opfer von Übergriffen durch den Ex-Pfarrer Peter RIedel geworden war, sondern darüber hinaus durch Unterlassen die Strafverfolgung des Serien-Missbrauchstäters behindert hatte. ECKIGER TISCH hatte darauf hin, den Rücktritt des Bischofs gefordert.
In einer Pressekonferenz versuchten Weihbischof Bongartz und Bischof Trelle, diese Vorwürfe zu entkräften.
Es ist ein bemerkenswertes Dokument der Zeitgeschichte.
Die komplette Pressekonferenz wird auf der Webseite des NDR dokumentiert: Link zu Pressekonferenz Bischof Trelle 1.12.2015

Unsere Reaktion auf die Pressemitteilung des Bistums und den darin enthaltenen Aussagen der Bischöfe, hier in einer Erklärung.

 

 

Eckiger Tisch

4 comments

Angelika Oetken

Ich möchte anregen, sich die Lebensgeschichten der Täterpriester, der MittäterInnen und auch der Derjenigen unter den Verantwortlichen anzusehen, die das klerikale Missbrauchssystem stützen, schützen und aufrecht erhalten. Bei Priestern ist insbesondere deren Verhältnis zu ihren Müttern interessant. Eine Beziehung, aus der heraus sich in unserem Kulturkreis das Selbst- und Frauenbild entwickelt. Wer zum Beispiel eine Mutter hat, wie sie hier beschrieben wird http://www.borderline-muetter.de/cms/ kann schon als kleines Kind buchstäblich vom Glauben abfallen. Besonders schädigend wirkt es, wenn ein Junge von der eigenen Mutter sexuell ausbeutet wird http://www.stern.de/panorama/stern-crime/sexueller-missbrauch-wenn-muetter-sich-an-ihren-kindern-vergehen-3097826.html

Nicht umsonst bietet sich die traditionelle Mutterrolle an, um sadistische Übergriffe in – scheinbar – fürsorgliche Zuwendungen und Pflegehandlungen zu verpacken. Die Opfer von Tätern wie Wolfgang Statt und Peter Riedel schildern, wie perfide-manipulativ die beiden vorgegangen sind. Riedel und Statt haben dabei vermutlich, wie so viele Täter, wiederholt was man ihnen einmal angetan hatte als sie Kind waren. Man nennt das den “traumatischen Wiederholungszwang”. Nicht jedes Opfer verfügt über genug Charakter und Stärke, um so einem Drang zu widerstehen. Es sollte uns bedenklich stimmen, dass solcherart psychosozial entgleiste Menschen in der Priesterschaft eine derartige Protektion finden. Ob diese Art von Tätern unter Klerikern häufiger zu finden ist als in der Normalbevölkerung, wurde noch nicht ausreichend untersucht. Wenn ich lese, was Richard Sipe zum Thema zu sagen hat, mache ich mir Sorgen http://www.aha.lu/index.php?option=com_content&view=article&id=128. In Deutschland gibt es immer noch mehr als 40 000 Priester. Für die meisten davon ist es ganz einfach, ihre immer noch bevorzugte Vertrauenstellung dazu zu benutzen, mit Kindern und Jugendlichen in Kontakt zu kommen.

Interessant auch die Sicht von “utu” auf das Thema “Religiöser Missbrauch – auch in Kombination mit sexuellem und sadistischem Missbrauch” http://www.aufrecht.net/utu/religion.html

Angelika Oetken

Übrigens: einer der Täterpriester, nämlich Wolfgang Statt, ehemals Jesuit, könnte seinen Ex-Mitbrüdern, die aktuell die Chance haben, endlich Verantwortung zu übernehmen, eine nahezu kostenfreie Lektion in Sachen “Missbrauch” geben.

Wolfgang Statt, einer dieser typischen Priesterserientäter schrieb 2010 in einer Stellungnahme:
“Ich habe zu keiner Zeit und an keinem Ort mit Minderjährigen Sexualkontakt im Sinne von Genitalberührung, Penetration, Vergewaltigung, Exhibitionismus oder Voyeurismus gehabt. Ich bin weder homosexuell noch pädophil veranlagt.”
http://www.eckiger-tisch.de/wp-content/uploads/2014/01/2010-02-07_Stellungnahme-Statt.pdf

Sicherlich stimmt das so. Ein Pädokrimineller, der Jungen missbraucht, muss nicht automatisch pädophil oder homosexuell sein. Ein ordinärer Sadist zu sein, von denen es relativ viele gibt und deren sexuelle Perversion mehr und mehr gesellschaftliche Akzeptanz findet reicht schon. Hier etwas zur sadomasochistischen Störung http://www.seele-und-gesundheit.de/diagnosen/sadomasochismus.html

Es werden dort auch die Zusammenhänge zwischen Sadomasochismus und Pädophilie dargestellt:
“Psychodynamisch gibt es zwischen Pädophilie und Sadomasochismus Ähnlich­keiten. Auch die pädophile Missbrauchsbeziehung ist von einer eindeutigen Beziehungsasymmetrie geprägt. In der Regel ist das Kind dem Täter wehrlos ausgesetzt. Oft versteht es nicht einmal, was ihm geschieht. Das ist kein Zufall: Auch den Pädophilen reizt es, Lust ohne Angst vor Zurückweisung zu erleben. Je weniger das Kind über sich selbst bestimmen kann, desto eher wird ihm das gelingen.

Da die Herabsetzung zum Objekt einer sexuellen Begierde, der das Kind aus seinem Einwicklungsstand heraus keine entsprechende Eigenaggression ent­gegensetzen kann, der seelischen Entwicklung des Kindes schadet, ist Pädophilie als krankhafte Form des sadomasochistischen Themas einzustufen.”

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