Papst Franziskus, fürchten Sie sich nicht: Öffnen Sie die Akten!

Dem neu gewählten Papst aus Lateinamerika möchte man zurufen:

„Öffnen Sie nicht nur die Fenster, öffnen Sie die Türen des Vatikans für unabhängige Untersuchungen. Öffnen Sie die Akten zu Missbrauch im Vatikan! Trauen Sie sich, nach den tieferen Ursachen zu fragen und sich den Konsequenzen für Ihre überkommende Sexualmoral und Ihre Organisationsformen zu stellen.

Treffen Sie sich mit Betroffenen von Missbrauch in Ihrer Kirche ohne Protokoll und ohne ängstliche Geheimhaltung.

Geben Sie Ihren Mit-Bischöfen ein mutiges Vorbild im Umgang mit der dunklen Vergangenheit des Missbrauchs und bieten Sie den Betroffenen von sich aus eine angemessene Entschädigung an.

Geben Sie ein starkes Zeichen der Umkehr.

Ihr heutiger Auftritt hat viele Hoffnungen geweckt, die Bescheidenheit im Auftritt, die Demut, die Geste der Segnung durch das Volk…

Viele von uns, sind sehr skeptisch, oder erwarten nichts mehr. Aber: Wir sind tatsächlich gespannt. “

 

Eckiger Tisch

37 comments

Bereuen ist was Feines, macht sich unwahrscheinlich gut. Dennoch ist dieser Papst ein großer Reformer in der Kirche. So schnell, dass Tradis nach Luft schnappen.In dieser Kirche muss eh alles reformiert werden..Der ist noch lange nicht fertig.Wenn man dann aus Versehen bei den Tätern landet, ist es ja gut.Bei den Opfern ,besser.So wie der Orden strukturiert ist, die Betonung liegt auf Männerwirtschaft und workoholic…da muss jemand vom Pferd fallen, wie es beim Saulus-Paulus geschehen ist.

Angelika Oetken

„es wird keine aufarbeitung geben, punkt“

@XYZ,

na, ich sehe es so: bisher ist ja nur ein kleiner Teil der Verbrechen, die unter der Verantwortung und teils auch unter Veranlassung von kirchlichen Funktionsträgern geschehen sind öffentlich thematisiert worden.

Die Dimension und auch den Zweck der systematisch betriebenen sexuellen Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen im Dunstkreis der Katholischen Kirche erfassen derzeit nur die Menschen, die auf der Seite der Opfer stehen. Oder die das ganze innerhalb der RKK verantworten. Bzw. die Aufklärung, Aufarbeitung, Ahndung und Opfergenugtuung behindern.

Wann neue Zusammenhänge aufgedeckt und öffentlich dargestellt werden können wir nur marginal beeinflussen.

Deshalb wissen wir auch nicht, wann das der Fall sein wird.

Insofern kann es sein, dass schon morgen irgendwelche Kirchenfunktionäre bitter bereuen, dass nur reagiert haben, statt verantwortungsbewusst zu agieren.

Oder erst in 10 Jahren.

Wer weiß?

VG
Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

. Die FAZ hat nur kluge Köpfe. Autoritär ist wahr. Sonnenklar. Mit Mitte 30 Provinzial, ist eine Zumutung.In den Weltkriegen waren auch rechte Christen, linke und gleichgültige, die hinterher nichts gewußt haben wollten..wie sich das immer zusammenreimt..sie beten, sie feiern ihr feste, aber sie begreifen nichts, meinte ein jesuitenwiderstandskämpfer mal im 2. weltkrieg.alfred delp sj. da st kein land von verschont. es gibt sonne und sonne.frau boetken, es wird keine aufarbeitung geben, punkt. eine leiche mehr im keller macht den kohl nicht fett. ist der ruf erst ruiniert, lebt man weiter ungeniert. geht doch.opfermythos die haben sich nicht gewehrt ist ja nun falsch. die haben sich oft gewehrt und wurden dann zugebabbelt.wenn man all die opfermythen auswendig lernen muss, ist man erschöpft. frau oetken, katholiken haben den himmel und das fegefeuer und die hölle..auch ein schöner mythos. mal sehen..er wo landet.

Angelika Oetken

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/mutmassungen-ueber-pater-bergoglio-zwei-buecher-ueber-papst-franziskus-waehrend-der-militaerdiktatur-13088222-p2.html

Herr Bergoglio wird vermutlich dann einer unabhängigen Untersuchung zustimmen, wenn sein PR-Beraterstab ihm das nahe legt.
http://www.fr-online.de/leute/vatikan-berater-burke-der-pr-stratege-des-papstes,9548600,16483516.html

Burke und Co. scheinen die Sache derzeit noch so einzuschätzen, dass eine echte Aufarbeitung den Interessen des Klerus zuwiderlaufen würde.

Und sie könnten Recht haben. Denn der Blick auf Missbrauchsopfer ist immer noch von vielen traditionellen Opfermythen geprägt. Erst recht innerhalb von durch Ideologien geprägten gesellschaftlichen Gruppen. Wie sie ein Teil der RKK darstellt.

Opfermythos 1: „starke, d.h. wertvolle und kompetente Kinder werden nicht missbraucht“

Opfermythos 2: „die Kinder und Jugendlichen haben die sexuellen Kontakte gewollt. Sonst hätten sie sich effektiv zur Wehr gesetzt“

Opfermythos 3: „die Opfer waren sowieso krank. Sonst hätte der Missbrauch bei ihnen keine schweren Folgen hinterlassen“

Opfermythos 4: „die Opfer übertreiben. Was ihnen passiert ist, ist nicht schlimm. Viele Millionen Menschen am Tag haben Sex. Die leiden auch nicht. Nach 5 Minuten ist die Sache sowieso erledigt. Das ist auszuhalten. Auch für Kinder“

Opfermythos 5: „nach richtigem Missbrauch, das heißt penetrierendem Sex wie ihn Erwachsene haben, wären die Opfer schwer verletzt gewesen. Und ins Krankenhaus gekommen“

Opfermythos 6: „einen Täter erkennt man an bestimmten Kennzeichen“

Opfermythos 7: „das denken die sich alle nur aus. Aus Geldgier“

Opfermythos 8: „das bauschen die alles aus. Weil sie krankhaft geltungssüchtig sind“

Opfermythos 9: „die Eltern hätten was gemerkt und was getan. Eltern lieben ihre Kinder. Sie helfen ihnen, wenn sie in Not sind“.

Diese Mythen beginnen allerdings zu bröckeln. Sie sind bequem und entlasten diejenigen, die sich nicht betroffen, nicht verantwortlich und nicht schuldig wähnen. Aber Mythen beschreiben nun einmal eine Übereinkunft. Die, die der jeweiligen gesellschaftlichen Entwicklungsstufe entspricht. Und deshalb kann der Inhalt des Mythos, die Mär durchaus genau das Gegenteil von der Wahrheit sein.
Mythen müssen deshalb von Zeit zu Zeit überprüft und durch Wissen, Aufmerksamkeit und gesunde Skepsis ersetzt werden. Auch gegenüber Kirchenfunktionären und ihren Unterstützern.

Sonst wird der Mythos zur vorsätzlichen Täuschung. Auch als Lüge bezeichnet.

Bin gespannt, wann der Beratungsstab des Papstes seine Strategie ändert.

Angelika Oetken

Papa Franz ist jetzt erstmal wieder mit den klerikalen Ghostbusters beschäftigt.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/katholische-kirche-vatikan-erkennt-exorzistenorganisation-an-a-979108.html

„Internationalen Vereinigung der Exorzisten“: die können gleich mal unter ihren Mitbrüdern anfangen. Gibt genug zu tun.

Ende Mai hatte ihr nach Gott oberster Chef, der Herr Jorge Mario Bergoglio auf dem Rückweg von seiner Nahostmission gegenüber Journalisten verlautbart, Kindesmissbrauch durch Priester gleiche einer satanischen Messe http://www.spiegel.de/panorama/papst-franziskus-nennt-kindesmissbrauch-satanische-messe-a-971867.html

Falls das nicht nur eine Allegorie sein soll, wäre es doch konsequent, wenn Täterpriester sich ihren exorzierenden Mitbrüdern anvertrauten. Könnte helfen. Wo der Bedarf dann steigt, hätte man eine neue Aufgabe für den 20 prozentigen Anteil von sadistisch gestörten Männern unter den klerikalen Missbrauchern. Je nachdem was die Statuten der Internationalen Vereinigung der Exorzisten so vorsehen.

Nebeneinnahmen (Filme, Bücher, Eintrittsgelder Live-Performances …) inkl.

Angelika Oetken, Berlin-Köpenick, eine von 9 Millionen Erwachsenen in Deutschland, die in ihrer Kindheit und/oder Jugend Opfer schweren sexuellen Missbrauchs wurden

Angelika Oetken

Es ist zum Fürchten.

In einem Posting von river runner auf SPON bin ich auf eine wertvolle Quelle gestoßen. Die einen Hinweis darauf liefert, warum es, was den Aufklärungswillen der Kirchenverantwortlichen betrifft hapert.

http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=12273&page=11&p=5051106&viewfull=1#post5051106

Zitat daraus:
„Bischof Sobrinho hat damals der brasilianischen Zeitung „Veja“ gesagt, dass er grosse Unterstützung durch die Kurie in Rom erfahren habe, er habe einen Brief von Kardinal Re erhalten, in welchem dieser ihn gelobt habe. In diesem Text wird das Originalinterview aus „Veja“ zum Teil ins Deutsche übersetzt. Laut dieser Quelle hielt Bischof Sobrinho es für möglich, dass das seit seinem sechsten Lebensjahr vergewaltigte damals neunjährige Mädchen eine Mitschuld an seiner eigenen Vergewaltigung trägt.Er wisse nicht, ob sie sich einer Schuld bewusst sei. Dann solle sie bereuen und beichten, damit ihr vergeben werde.

Ein Bischof der Katholischen Kirche hält es für möglich, dass ein neunjähriges Mädchen eine Mitschuld an seiner Vergewaltigung haben könnte! Oder daran mitgewirkt haben könnte! “

Für normal empfindende Menschen, eine groteske, ja grauenhafte Argumentation.

Aber wer sagt, dass es sich beim Führungskader der Römisch-Katholischen Kirche um normale, im Sinne von auf übliche Art empfindende Menschen handelt?

Hinter Sobrinhos Sicht auf das Thema, die ja seiner Auskunft nach von vielen seiner Kollegen geteilt wird könnte Folgendes stecken:

a) die Vorstellung, dass jegliche Art von sexueller Aktivität, auch gewaltsame, auch die Kindern aufgezwungene lustvoll ist. Für beide Seiten. Also auch das Opfer. Hier handelt es sich um einen Klassiker. Nämlich die Projektion. Sobrinho und Kollegen unterstellen das eigene Empfinden, also einen sehr großen Lustgewinn bei ihren sexuellen Aktivitäten auf ihre Mitmenschen. Interessant insbesondere, da diese Kleriker ja angeblich enthaltsam leben

b) Vergewaltiger und Kindesmissbraucher führen vor Gericht häufig an, dass sie davon ausgegangen seien, ihr Opfer habe sich mit der gewaltsamen Sexualität einverstanden erklärt. Oder sie sogar provoziert. Hintergrund: diese Menschen sind auf nahezu krankhafte Weise egozentrisch. D.h. sie können sich zwar in den anderen hineinversetzen, aber nicht mitfühlen. Sexualpartner sind für sie nie mehr als so etwas wie beheizbare Gummipuppen. Also lediglich Objekte. Erfüllungsgehilfen für ihre eigenen Bedürfnisse, zur Befriedigung ihrer Impulse. Die Gefühle, respt. das Leid ihrer menschlichen Sextoys interessieren diese Menschen nicht. Diese Eigenschaft, nämlich gar kein Mitgefühl zu empfinden, prädestiniert diese Leute, bzw. Täter durchaus für die Führungsaufgaben, die sie häufig auch ausüben. Sie sind unsympathische Zeitgenossen, haben für gewöhnlich auch keine wirklichen Freunde, aber sie sind manipulativ, rücksichtslos und deshalb erfolgreich.

Beide Einstellungen repräsentieren pikanterweise das Gegenteil von Liebe, wie wir Normalmenschen sie definieren würden. Kunststück: der Kleriker soll ja Gott lieben. Und das muss reichen. Deshalb sollten wir Kinder schön von dieser Spezies fern halten.

VG
Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

Angelika Oetken

Ich gehöre zu den SkeptikerInnen.

Und zwar vor allem, weil die Führung der RKK ein sehr starkes Mittel zur Personaldisziplinierung verlieren würde, wenn sie wirklich aktiv gegen Täter innerhalb ihrer Institution vorgeht.

Und sie müsste wohl etliche Honoratioren in ihren eigenen Reihen anzeigen, bestrafen, des Amtes entheben und ihnen die Eignung zur Seelsorge absprechen.

Was sich sehr sarkastisch anhört, ist etwas, was Menschen, die einmal Schlüsselpositionen innerhalb der RKK inne hatten öffentlich äußern.

Das sind u.a. Patrick Wall, ehemaliger Priester und so genannter „Fixer“ d.h. er wurde von der US-amerikanischen Führung der katholischen Kirche eingesetzt, um in Gemeinden, in denen Priestertäter aufgeflogen waren für „Ruhe“ zu sorgen, bis ein Nachfolger gefunden war. Patrick Wall arbeitet inzwischen für eine Rechtsanwaltskanzlei und betreut Missbrauchsopfer.
Der andere ist Pater Thomas Doyle, ein Kirchenrechtler, der sich ebenfalls für die Interessen von Missbrauchsopfern einsetzt und der sich genauso wie sein Kollege Wall durch die Praxis der RKK abgestoßen und dazu aufgerufen fühlte, Opfern beizustehen.

Schließlich der deutsche Kirchenrechtler Prof. Lüdicke, Bonn, der auf einer Veranstaltung in Trier dazu aufrief sich gut zu überlegen, warum Eintragungen wegen Missbrauchsvorfällen wohl so lange in den Personalakten der entsprechenden Täter verbleiben. Statt wie immer kolportiert wird, im bischöflichen Geheimarchiv zu verschwinden.

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