“Viel geredet, wenig passiert”

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@Caroline Kaiser, ja, das ist ein wichtiger Punkt und es fällt auch immer wieder auf, wie gerade Kirchenvertreter immer wieder das ´sexueller´ betonen, wenn sie über Missbrauch sprechen. Es ist oft so, das all zusammengehört. Beispiel Pater Stüper: Er liebte es seine Opfer zu demütigen. Es steht zu vermuten, das dies Teil dessen war, wie er seine Sexualität ausgelebt hat. Die Demütigungen, die er Zwecks dessen an seinen Opfern ausgeführt hat, konnten in der Zerstörung des Intimschutzes bestehen, also eine sexuelle Komponente haben, es konnten Schläge oder Einsperren sein, aber auch organisiertes Mobbing, also sozialer Druck, sowie Psycho-terror. Wo ist hier der Anfang und wo das Ende? Steht zuerst die Demütigung oder der Lustgewinn des Täters? Was ist hier schlimmer als das andere? Ja es stimmt schon, Deutschland ist an letzter Stelle in der ´industrialisierten´Welt in Sachen Entschädigungen und damit das am wenigsten ´zivilisierte´dieser Länder.
Es wird Zeit, dass sich das ändert.

@ Herr Lehmann

Nach diesem Beitrag möchte ich dann hier auch erst einmal pausieren, mich auch wieder um “meinen” Blog kümmern.

Nun komme ich ja aus einem anderen Gebiet, wie man am verlinkten Blog unschwer erkennen kann, befasse mich aber schon seit längerem mit der Problematik des Missbrauchs in kirchlichen Einrichtungen in Nordeuropa.

Die Zahl ist allerdings – natürlich prozentual – hier bei weitem nicht so hoch wie in D, ob dies nur daran liegt, daß die Dunkelziffer hier größer ist, oder ob es mit einem offeneren, aber zugleich auch kritischeren Umgang mit der Sexualität zusammenhängt, dies ist abschließend noch nicht festzustellen.

Es gab aber auch Fälle, die selbst mich sprachlos gemacht haben, obwohl ich mich seit 1994 damit befasse, z.B. der sexuelle Missbrauch von kleinen Mädchen durch katholische Nonnen in den NL, in einem kath. Kinderheim.

Noch etwas zu der Höhe der Schmerzensgelder. Mein Vater ist Lizenzanwalt in Deutschland und fand es immer schon skandalös, daß z.B. eine Abmahnung wegen einer zweckentfremdeten Asterix Figur mal eben 50 000 Euro einbringen kann, ein halbtotgeprügeltes Opfer aber höchstens die doppelte Summe zugesprochen bekommt.

Sie schrieben: “aber dann ist es eben Zeit, dass man sich in Deutschland weiterentwickelt.”

Ja, aber eine Einzelinitiative eignet sich dafür m.M. nicht.
Dafür wäre eine allgemeine Forderung nach besserer Opferentschädigung zielführender. .

Die öffentliche Kritik an den genannten Summen war eben auch die, daß die Relation nicht mehr stimmt. Wenn jemand, der durch eine ärztliche Fehlbehandlung beide Nieren verliert, dann nur 5000 Euro Schmerzensgeld zugesprochen bekommt, dann sind die von ihren Initiativen geforderten Summen natürlich im Verhältnis zu hoch.

Nur stellen Teile der Presse hier einiges auf den Kopf, nicht die hier geforderten Summen sind ja zu hoch, sondern zugesprochene Entschädigungen bei schwersten körperlichen Folgeschäden sind viel zu niedrig.

Allerdings haben einige etablierte Vereine dem auch eine Steilvorlage geliefert, weil jahrelang Sonderrechte für Opfer von Sexualstraftaten eingefordert und auch erfüllt worden sind, während man sich für Gewaltopfer überhaupt nicht eingesetzt hat.

Gerade der Komplex Heimkinder / kirchliche Erziehungsanstalten zeigt ja, daß Gewalt und sex. Missbrauch hier gar nicht zu trennen sind.

Was die Höhe der Entschädigungszahlungen angeht, da müssen Sie eben leider auch bedenken, daß D von allen Industrieländern hier – zusammen mit Österreich – die allerniedrigsten Summen weltweit zahlt.

Bei Entschädigungen internationaler Konzerne ist es auch durchaus üblich, daß diese in Nachbarländern Tausende von Euro zahlen, in D aber gar nichts, weil die deutsche Rechtsprechung hier – aber nur bezogen auf Entschädigungszahlungen, nicht auf Haftstrafen – sehr milde ist.

“Und was sie über das Ende dieser Affäre sagen, so glaube ich, dass das Ende noch längst nicht abzusehen ist.”

In gewisser Weise hat dieses Drama nie ein Ende, nur juristisch sind die Ansprüche der Heimkinder längst verjährt.

Eine rückwirkende Aufhebung der Verjährung wäre grundgesetzwidrig.
Selbst wenn dies eine Regierung beschließen würde, würde das BVG die sofort wieder aufheben.

Ich sehe da nur die Möglichkeit des schon beschrieben Drucks von “unten”. Juristisch sehe ich da keine Möglichkeiten mehr.

Eine konzertierte Aktion der Kirchenmitglieder, ” Vernünftige Entschädigung oder Austritt “, die könnte da sicher mehr bewirken.

Ich wünsche dem eckigen Tisch und der Heimkinderinitiative viel Erfolg.
Zumindest bezogen auf die Entschädigungen und dem zur Rechschaft ziehen der Täter.
Bei unserer Kritik am geltenden Sexualstrafrecht sind wir uns sicher nicht einig.

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