„Mit heiligem Zorn“

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Ok, vielleicht wird er nach der erneuten Ausstrahlung auf EinsExtra dann auch online wieder zu sehen sein.

Warum ist der Beitrag in der ARD-Mediathek nicht mehr verfügbar? Im Gegensatz zu den “Gott und die Welt”-Beiträgen der vergangenen Wochen? Könnte ihn dann jemand bei Youtube o. ä. hochladen?

Nach dem vom ARD am 17.10. ausgestrahlten Beitrag “Mit heiligem Zorn”, der in weiten Strecken große Ähnlichkeit mit einem Propagandafilm für die “Guteleut Jesuiten” hatte, wissen wir es:

1. die Jesuiten sind die von göttlicher Vorsehung dazu bestimmten Minensuchhunde (O Ton K. Mertes) der katholischen Kirche in Deutschland. Ihre Aufgabe ist es, quasi an vorderster Front das minenverseuchte Terrain zu sondieren. Und, gehen dabei ein paar Minen (unkontrolliert) hoch, haben sie immer noch jederzeit die Möglichkeit, sich in der Manier eines Kampfmittelsuchtrupps zurückzuziehen und auf Verstärkung zu warten.

2. die Jesuiten sind ein sehr, sehr ja fast bettelarmer Orden. Um in der militärischen Sprache des Pater Mertes zu bleiben: sie sind schlecht ausgerüstet für die Minenbeseitigung. Auch der Kampfeswille der Truppe (Ordensmitglieder) ist stark eingeschränkt (wie es das Interview einzelner Ordensbrüder zeigte). Sehen es viele doch gar nicht ein, dass es ihre Aufgabe ist, ihren Gürtel enger zu schnallen, um Ressourcen für die Minenbeseitigung bereit zu stellen. Offensichtlich sind für sie die Opfer, die nun eine unverschämt hohe Genugtuungszahlung fordern, die Minenleger und nicht ihre eigenen Brüder.

3. es liegt noch ein großes Stück Arbeit vor den Jesuiten, um die vom obersten Befehlshaber auferlegte Aufgabe zu dessen Zufriedenheit zu lösen. Auf Grund der hohen Verletzungsgefahr und mangels geeigneter Ausrüstung (siehe Pkt 1 und 2) muss man nun dieses Problem mit Klugheit und Raffinesse angehen. Auch das Spielen auf Zeit könnte dabei von hohem strategischem Wert sein, denn der nachrückende Verstärkungstrupp verfügt offensichtlich über nur sehr langsame Fortbewegungsmittel.

So zu tun als müsste ein einziger Jesuit seinen Lebensstil einschränken, damit den Opfern des Missbrauchs durch Jesuiten Genugtuung wiederfährt, entzieht dem Protagonisten jegliche Glaubwürdigkeit. Besonders bei Inbetrachtnahme der Reichtümer und Ländereinen des Aloisiuskollegs und der Art und Weise wie da in den letzten 30 Jahren ein protziger Park mit Prunkvollen Bäumen, Statuen und Brunnen angelegt wurde..

Pater Mertes SJ, der „Aufklärer“? der „Taktierer“? der „vom heiligen Zorn Getriebene“?

Mertes der „Aufklärer“? Sicherlich hat Mertes einen hohen Verdienst daran, dass der Missbrauch an von Jesuiten geleiteten Gymnasien und Einrichtungen öffentlich wurde. Und er hat mit seinem Handeln auch dazu beigetragen, dass der Jesuitenorden endlich dazu gezwungen wird das Jahrzehnte lange nicht wahr haben Wollen und Vertuschen von Missbrauchsfällen zu beenden. Damit hat er einen längst überfälligen Aufklärungsprozess angestoßen, der aber leider immer wieder eines hartnäckigen „Nachkartens“ der Opfer bedurfte und auch weiterhin bedarf, um voran zu gehen.

Mertes der „Taktierer“? Das Verhalten von Mertes ist ambivalent. Es gibt eine große Diskrepanz zwischen dem, was er anlässlich allgemeiner medialer Aufmerksamkeit sagt und seinen an die Missbrauchsopfer adressierten Äußerungen – Botschaften. Damit hat Mertes in den letzten Monaten erhebliche Zweifel daran aufkommen lassen, ob für ihn eine rückhaltlose Aufklärung der Geschehnisse und die Benennung der Taten und deren Täter Priorität haben oder aber die Interessen des Ordens, z. B. um den Betrag einer angemessenen Genugtuungszahlung so gering wie möglich zu halten. Ein Balanceakt bei dem er schon diverse Male abgestürzt ist.

Mertes, der „vom heiligen Zorn Getriebene“? Die Frage sei erlaubt: gegen wen oder was richtet sich sein Zorn? Gegen seine Mitbrüder, die jahrzehntelang Missbrauch betrieben haben? Gegen die Provinziale des Jesuitenordens, die all zu lange weggeschaut, vertuscht und verdrängt haben? Gegen die jetzige Ordensleitung und Ordensbrüder, die ihn offensichtlich immer wieder zurückpfeifen? Oder gar gegen die Missbrauchsopfer und ihre Forderungen nach einer Genugtuungszahlung, die angeblich die finanziellen Möglichkeiten des Ordens übersteigen und die angeblich in erheblichem Masse die Lebensqualität der Ordensleute beeinträchtigen?

Mertes, der „Aufklärer“? der „Taktierer“? der „vom heiligen Zorn Getriebene“? Wahrscheinlich von allem ein bisschen. Mertes Verdienst ist es, dass er endlich die von seinen Ex Schülern vorgetragenen Beschuldigungen ernst genommen hat und diesen nachgegangen ist. Sein Taktieren (in alt bekannter jesuitischer Manier) lässt über seine wahren Motive dennoch viele Fragen offen und das auch, ob es wirklich der „heilige Zorn“ ist, der ihn voran treibt oder aber Getriebener der unsäglichen Missbrauchstaten seiner Ordensbrüder geworden ist. Zu oft haben sich SJ Ordensleute durch ihr Verhalten – ihre Worte – ihre Taten gegenüber den Opfern unglaubwürdig gemacht. Eine gesunde Skepsis ist daher angebracht.

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