Ein Schrittchen in die richtige Richtung

Die deutschen Bischöfe und die Ordensgemeinschaften haben heute am Runden Tisch ihre Vorstellungen vorgestellt zu, wie es heißt,  materiellen Leistungen “in Anerkennung des Leids, das Opfern sexuellen Missbrauchs zugefügt wurde”.

Merkwürdig erscheint der Anspruch, den die Kirche damit verbindet, der Gesellschaft ein “exemplarisches” Modell vorzuschlagen, das diese übernehmen könne. Offensichtlich haben die Verantwortlichen immer noch nicht verstanden, dass es zu zuallererst um ein Problem der Kirche geht: ihres Personals, ihrer Strukturen und ihrer Lehre. Bevor sie die Missbräuche  für sich bearbeitet hat, will sie der Gesellschaft schon wieder Ratschläge geben.

In einer ersten Reaktion hat die Initiative ECKIGER TISCH, die wie alle anderen Betroffenen am Runden Tisch nicht vertreten ist, dies als zu vage bezeichnet und die Forderungen erneuert, dass die Verantwortlichen der Kirche sich dem Gespräch mit den Opfern an einem “eckigen Tisch ” stellen, um ihr Modell zu erläutern.

Hier der Link zur Presseerklärung der Bischöfe.

Die in Berlin verteilte Erklärung des Sprechers Matthias Katsch findet sich hier.

Eckiger Tisch

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Die Welt 4.12.2010
System der Vertuschung und Verharmlosung
Erzbistum München und Freising legt Bericht über Missbrauch durch Kleriker vor – Fast 400 Fälle seit 1949
Anwältin berichtet von Aktenvernichtung und Selbstmitleid der Täter; Kardinal Marx bittet Opfer um Vergebung

Die ganze Wahrheit gab es nicht. Das 250 Seiten starke Gutachten zu den Missbrauchsfällen in der Erzdiözese München und Freising wird vorerst nicht veröffentlich.

Aber allein schon die siebenseitige Zusammenfassung des Berichts, den Rechtsanwältin Marion Westpfahl im Münchner Ordinariat vorlegte, ist schockierend genug: Wenn es um Verbrechen wie sexuellen Missbrauch ging, herrschte im Erzbistum ein System der Vertuschung und Verharmlosung. Akten wurden vernichtet, homosexuelle Kleriker erpresst. Die Täter zeigten selten Schuldgefühle, neigten aber zum Selbstmitleid.

Mit am schlimmsten, so Westpfahl, empfand sie aber “die vollständige Nichtwahrnehmung der Opfer” durch das Ordinariat: “Es herrschte Desinteresse am Tatgeschehen und am Opferschicksal.”

http://www.welt.de/print/die_welt/politik/article11382861/System-der-Vertuschung-und-Verharmlosung.html

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