Sühne, Genugtuung, Entschädigung – was die Kirche jetzt leisten muss

Am 18. September wird es ein zweites Treffen der Missbrauchsopfer mit den Verantwortlichen Jesuiten im Format des Eckigen Tischs geben. Dabei soll es auch um Hilfsangebote und die Frage der finanziellen Genugtuung gehen. Dazu und zu den Vergleichen mit anderen Opfergruppen hat sich Matthias Katsch seine Gedanken gemacht.

Der Beitrag hier: Nun also die Zwangsarbeiter

Als Reaktion auf diese Disskussion erhielten wir eine Betrachtung eines Betroffenen, dessen  schulischen Karriere aufgrund des Missbrauchs beendet wurde. Dieser Beitrag erscheint auf Wunsch des uns bekannten Betroffenen ohne Namen: Wie viel ist genug?

Eckiger Tisch

15 comments

die opfer bleiben weiterhin die ´objekte´ die täter und ihre organisationen weiterhin die handelnden..
so geht ausser dem vertrauen in die kirche auch noch das vertrauen in den staat kaputt.
wo bitte gehts zum austritt?

Ex-Odenwaldschüler

Abgesehen von Entschädigungen finde ich geht die odenwaldschule zu sehr über den aspekt der aufklärung der missbräuche hinweg.Ich-als nicht geouteter betroffener-will wissen weshalb ich missbraucht wurde und wieso davon angeblich niemand etwas bemerkte auch nicht sog. pädagogik-grössen wie hartmut von hentig und wieso dieser mann noch in 2005 die verdienstmedaille des landes baden-württemberg erhielt.Wieso erfährt man nichts mehr über die “Verstrickungen” in höhere Kreise?Und wieso kommt jetzt Frau süssmuth -ausgerechnet eine Sympathisantin von Hartmut von Hentig die er selbst für die Aufklärung empfohlen hat-warum wohl?

Hallo,

das mit den Namen und der Mail-Adresse geschieht automatisch, wenn man einen Kommentar schreiben möchte. Der Browser hat sich das vom letzten Kommentar gemerkt und setzt diese Angaben dann ein. Sichtbar ist das nur für einen selbst, nicht für jemand anders.

Mein Name erscheind in den Zeilen 1 +2 mit Mail adresse automatisch Bitte leren Sie diese Zeilen damit diese nicht immer Automatisch erscheinen.

Des weiteren finde ich für das Erlittende Unrecht und die verweigerung eine Ausbildung zu machen einen Betrag von 120,000€ angemessen wenn man den Wirtschaftlichen Schaden der daraus resultiert in betracht zieht. Abgesehen von den Rentenbeiträgen.

Danke Heidi,

die Zahlungen von ungefähr 5.000 Euro an die Zwangsarbeiter waren übrigens Lohnnachzahlungen! Welcher Hohn! Eine Frau Vollmer sollte sich schämen!
Allerdings lebten die meisten Zwangsarbeiter wohl in der Ukraine, wo diese 5.000 Euro auf der Basis eines Jahresgehalts eines Krankenhausarztes oder zwei Jahresgehälter eines Polizisten berechnet wurden.
Die Betroffenen konnten davon Einfamilienhäuser finanzieren oder das Studium des Enkels, wenn ihnen selbst schon Bildung verwehrt war.
Da wären wir also auf Deutschland heute übertragen doch eher bei ca.55.000 bis 82.300…

Ich kann mich nur den Worten von Udo Trost anschließen. Und darüber hinaus vielleicht noch folgendes anführen:

Die Zahlungen an die ehemaligen ZwangsarbeiterInnen waren und sind eine Schande! Das Zustandekommen der Stiftung und die zögerlichen und geringen Einzahlungen der deutschen Industrie sollte den dafür Verantwortlichen heute noch die Schamesröte ins Gesicht treiben! Stattdessen aber sollen nun die Schmerzensgelder für ehemalige Heimkinder daran gemessen werden. Das ist ein Hohn und eine weitere Demütigung der Opfer. Und kommt gleichzeitig daher mit der moralischen Keule “Ihr wollt doch wohl nicht sagen, dass es euch schlechter ergangen ist als den Zwangsarbeitern während des Nationalsozialismus’?”

Wobei allerdings auch hierbei immer ein kleiner Denk- und Rechenfehler eingebaut wird: Es hat in der Tat eine Gruppe von Zwangsarbeitern gegeben, die – wenn auch nicht angemessen, denn das geht sowieso nicht – in anderer Höhe entschädigt wurde. Und das war die Gruppe, die in den USA eine Sammelklage einreichte!

Wenn man zu Grunde legt, dass Heimkindern und Internatskindern oftmals oder meistens der Weg zu Bildung, Arbeit, Wohlstand verbaut wurde, dass sie irreparable physische und psychische Schäden davontrugen, dass viele aussagen, nicht zu einer “normalen”, befriedigenden Beziehung in der Lage zu sein, dass ihre EhepartnerInnen und Kinder (und damit auch die Enkelkinder) unter dieser Schädigung zu leiden haben – wie kommt eine Frau Vollmer angesichts dieser Tatsachen dazu, 2.500 Euro als “Entschädigung” in die Diskussion zu bringen? Wie wagen es die Jesuiten, 5.000 Euro anzubieten und dazu noch über eine “Einschränkung ihres Lebensstils” zu jammern?

Ich weiß es natürlich nicht wirklich – ich kann nur vermuten. Vermuten, dass Kirchen und Staat aus der jahrhunderterlangen Tradition des Gehorsams, der Unterwürfigkeit und der Abhängigkeit ihrer Gläubigen bzw. BürgerInnen heraus meinen, dass dies nun die nächsten Jahrhunderte so weitergehen wird. Oder mindestens doch solange, bis die meisten ihrer Opfer der “biologischen Lösung” anheim gefallen sind. Und dass Menschen, die lange genug verhöhnt wurden, sich auch weiterhin verhöhnen lassen. Schadlos.

Lasst uns ihnen diesen Gefallen nicht tun! Wir haben ein Recht darauf, ein angemessenes Schmerzensgeld einzufordern und zu erhalten! Wir haben ein Recht darauf, unsere Akten zu kennen! Wir haben ein Recht darauf, NICHT über den Tisch gezogen zu werden, nicht vehöhnt und gedemütigt zu werden!

Heidi Dettinger

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