Vatikan verknüpft Missbrauch mit Homosexualität

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Guten Tag!

Dass zwischen pädosexuellen Übergriffen und Homosexualität ein Zusammenhang hergestellt wird, zeigt nur allzu deutlich, wie verengt und uninformiert Personen, die dies tun, sind.

Es wäre schön, wenn auch jemandem wie Tarcisio Bertone klar wird, dass sexueller Missbrauch und Misshandlungen nichts mit einer einvernehmlichen, gelebten Sexualität zu tun hat.

Es geht um Macht, Demütigung, Gewalt und Herrschsucht, um menschenverachtende Befriedigung des Kontrollwahnes der Täter und Täterinnen.
Dass in einer hierarchisch strukturierten Institution, in der Demut und Selbstaufgabe gepredigt werden, auch eine perverse Verdrehung dieser – ich nenn’ es jetzt mal in Ermangelung einer Formulierung- Tugenden Gang und Gäbe ist, wundert mich nicht.

Es macht mich zornig, diese – meines Erachtens nach nicht ganz uneigennützige – Verknüpfung von Homosexualität und Pädokriminalität.
Den Begriff der “Pädophilie” halte ich für irreführend und überholt.
Und diese Begrifflichkeiten dann aufzusummieren unter dem Oberbegriff “Sünde” bietet so herrlich einfach den Rückzug in den Elfenbeinturm des Glaubens.

Es macht mich betroffen und fast sprachlos, diese Dreistigkeit der Argumentation.

Vielen Dank für dieses informative Blog, ich werde es sicher weiter verfolgen.

Gruß
Iris

“Ich darf nicht länger schweigen”

Wie die Sündenbockfunktion der zahlreichen homosexuellen Priester innerhalb der katholischen Kirche funktioniert, beleuchtet gut der aktuelle Fall des Herausgebers der konservativen Fachzeitschrift “Theologisches”. In einem Beitrag für die Frankfurter Rundschau bekennt er sich zu seiner Homosexualität und beschreibt, wie diese seinen reaktionären Gönnern innerhalb der Kirche sehr wohl bekannt war und beschreibt ein “System perfider Unterdrückungsmechanismen”.

David Berger, hat seinen sofortigen Rücktritt von seiner Position erklärt und dabei die “heuchlerische, bigotte” Haltung der katholischen Kirche zur Homosexualität angeklagt. In seinem Beitrag für die FR beklagt der habilitierte Theologe die “sektenhafte Zunahme homophober Tendenzen im Katholizismus”.
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/politik/aktuell/2572516_Bekenntnis-Schwuler-klagt-Kirche-an.html

Den vorläufigen Höhepunkt bildeten die Äußerungen von Kardinalstaatssekretär Tarcisio Bertone und dem Essener Bischof Franz-Josef Overbeck. Overbeck hatte erklärt, Homosexualität sei Sünde. Bertone stellte einen kausalen Zusammenhang zwischen Homosexualität und Kindesmissbrauch her. Ihm sei klargeworden, so Berger: “Ich darf nicht länger schweigen.”
http://www.fr-online.de/in_und_ausland/panorama/?em_cnt=2572352&em_cnt_page=3
Bravo, Herr Berger!

otto von corvin

Von:Provinzialat [mailto:provinzialat@steyler.de]
Gesendet: Freitag, 16. April 2010 20:48
An: (…)
Betreff: AW: Zu dem Artikel in der SZ vom 13.4.2010: „Missbrauch an St. Wendeler Schule weitet sich aus“

Sehr geehrter Herr Kaufmann,

ganz herzlich danke ich Ihnen dafür, dass Sie sich bei mir melden und das Ihre dazu beitragen, dass wir Licht in dieses dunkle Kapitel bringen.

Wenn es uns auch in erster Linie darum geht, jenen, die damals den sexuellen Übergriffen von P. Weiß ausgesetzt waren, Raum zu geben, so erschreckt mich darüber hinaus auch, der Deckmantel des Schweigens, der jahrzehntelang über den Vorfällen lag.

Ehemalige Schüler aus diesen Jahren berichten, dass viele seinerzeit etwas davon wussten, was sich bei dieser Aufsicht im Schwimmbad abspielte. Mir wurde auch mitgeteilt, dass von P. Weiß missbrauchte Schüler ihre Erfahrungen auch Lehrern und Ordensangehörigen gemeldet haben, ohne dass diese ‚erwachsenen Menschen‘ etwas unternommen hätten, um dem perversen Treiben ein Ende zu setzen.

Abgesehen von dem Unrecht und Leid, das den Opfern zugefügt wurde, liegt hier für mich ein weiterer verschärfender Faktor des Unrechts, das damals geschehen ist.

Wir werden in unserer Aufarbeitung der Missbrauchsfälle gerade auch diesen Punkt besonders betrachten müssen, weil er meines Erachtens auf die ‚systemische‘ Falle hinweist, in der Menschen, die in einer Institution leben und sich bewegen, gefangen sind.

Angesichts des Bösen, das Schutzbefohlenen damals durch P. Weiß angetan wurde, fühle ich mich beschämt und hilflos, zumal der Täter schon tot ist und (zumindest hier) keine Rechenschaft mehr für sein Handeln ablegen kann.

Dass Sie uns geschrieben haben, habe ich als sehr hilfreich für uns empfunden und möchte Ihnen noch einmal ausdrücklich dafür danken.

Bernd Werle SVD

Provinzial

Noch einer aus der Riege der bösen alten Männer. Dass er sich nicht schämt…

Die passende Antwort gibt die “Zeit”:

“Die Kardinalsfrage. Treuer Helfer oder Dunkelmann?”

http://www.zeit.de/2010/15/Kirche-Vatikan-Bertone

Hier will einer von seinem eigenen Versagen ablenken. Nach Einschätzung der “Zeit” trägt Bertone die Hauptverantwortung dafür, dass der Fall des Priesters Murphy, der 200 gehörlose Kinder missbraucht hatte, nicht weiterverfolgt wurde.

“Dafür spreche auch, so eine Stimme aus dem Vatikan, die ungenannt bleiben will, dass das Vorgehen der Glaubenskongregation in diesem Fall »dem Schema Bertone entsprach, aber nicht unbedingt dem Schema Ratzinger«.

Demnach hing Bertone, der dem in Italien populären Orden der Salesianer Don Boscos angehört, lange der Ansicht an, man müsse Missbrauchstätern in der Kirche mit der Nachsicht eines italienischen Beichtvaters begegnen. Als Ratzingers Sekretär hatte er sich ausweislich der Unterlagen wiederholt dafür verwandt, auf ein innerkirchliches Verfahren gegen Murphy zu verzichten…”

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