“Kompliment des lieben Gottes”

mertesIst es ein Kompliment des lieben Gottes an die Kirche, dass es ausgerechnet kirchliche Institutionen sind, in denen zuerst Missbräuche aufgedeckt wurden?

Mertes’ Tagesspiegel-Kommentar zum Osterfest (“Aus den Dornen wird eine Krone”) nervt.

thomas@viertelnachvier.de bringt es auf den Punkt:

Ich brauche diese aufgeladene Erhöhung meiner Geschichte nicht, ich brauche dieses “Opfer”-, “victim-“, “sacrifice”-Gedöns nicht, ich brauche diese platte Jesus-Analogie nicht, und meine Geschichte habe ich nicht durchlebt, damit am Ende jemand wie Mertes oder ein anderer damit die Kirche reformieren kann. Ich bin ein Menschenkind und möchte entsprechend behandelt werden, nämlich mit Respekt und mit Antworten auf meine Fragen, die bisher ausgeblieben sind.

Eckiger Tisch

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Der Kommentar zu Ostern von Klaus Mertes im Tagesspiegel “Aus den Dornen wird eine Krone” nervt aus den von von thomas@viertelnachvier.de oben schön auf den Punkt gebrachten Gründen.

Aber auch das Interview mit DER ZEIT vom 15.04.2010 Nr. 16

http://www.zeit.de/2010/16/Gespraech-Pater-Klaus-Mertes?page=3

ist für mich an vielen Stellen unverständlich. Hier ein Beispiel:

“Mertes: Es steht keinem Menschen zu, einem anderen Menschen in der Autorität Gottes zu sagen, was er zu tun und zu lassen hat.
ZEIT:  Das darf auch kein Priester?
Mertes: Auch kein Priester.
ZEIT: Auch kein Papst?
Mertes: Auch kein Papst.
ZEIT: Da fängt der Missbrauch an?
Mertes: Mir fällt zu dieser Frage ein Symbol für die Spiritualität der siebziger Jahre ein, das mich immer zutiefst befremdet hat: Die aus Kriegstrümmern geborgenen Christuskörper, denen die Arme fehlen. Darunter stand immer: »Ich habe keine anderen Arme als die deinen.« Es ist aber nicht die Aufgabe des Priesters oder des Christen, durch seine Person Gott zu ersetzen. Dieses aktivistische Christentum ist falsch.”

Mertes sagt zunächst, dass niemand einem anderen sagen kann, was er zu tun und zu lassen hat, und dann sagt er ganz autoritär zu Dorothee Sölle und zu Johann Baptist Metz und anderen, dass deren Theologie und deren Christentum falsch ist. Wie passt das zusammen?

Dorothee Sölle
“Die Lehre von der Allmacht Gottes wurde so für sie zum Gegenstand kritischen Nachdenkens. Sie war der Meinung, dass Gottes Wirken in dieser Welt abhängig ist von unserem Handeln („Gott hat keine anderen Hände als unsere.“). Sölle vertrat eine politische Theologie, die sich durch eine radikale Diesseitigkeit und eine Entmythologisierung der Bibel auszeichnete. Kern ihrer Gott-ist-tot-Theologie war der Abschied von einer „Papa-wird’s-schon-richten-Theologie“.”

http://de.wikipedia.org/wiki/Dorothee_S%C3%B6lle

Der Theologe Johann Baptist Metz “Gott und das Leid”

“In der Münsteraner Stube des Theologen hängt der Corpus eines Gekreuzigten. Klassisch, wie aus einer anderen Zeit. «Ein Tiroler Künstler hat ihn für mich geschnitzt, zur Priesterweihe 1954», erzählt der Hausherr. Es ist nur ein Torso, ein Rumpf ohne Arme. Was ihm diese Christusgestalt sagt? «Ich habe keine anderen Hände als die euren», antwortet Metz.”

http://www.katholische-kirche.de/23444.html

Überlegungen zu dem Gedicht “Christus hat keine Hände, nur unsere Hände um seine Arbeit zu tun.”

http://www.katholischbischofszell.ch/Bischofszell/Detailseiten/Bibelrunde/samariter.pdf

Die wenigen Sätze oben aus dem ZEIT-Interview von Klaus Mertes sind schon rein logisch nicht kohärent, eigentlich müßte man sich mit der Dekonstruktion jedes einzelnen Satzes dieser Texte von ihm im Tagesspiegel und der ZEIT befassen, um die mangelnde Kohärenz Satz für Satz nachzuweisen.

Mehr als die fehlenden Logik stört mich aber, dass er sich anmasst, eine andere Interpretation als die seine von “Christus hat keine Hände, nur unsere Hände um seine Arbeit zu tun “ als falsch einzustufen, also autoritär von oben herab zu bewerten. Es ist doch unglaublich zu der Religiösität eines anderen zu sagen: “Das ist falsch”. Er kann m.E. nur sagen, dass sich der Satz für ihn – Klaus Mertes – aus den und den Gründen falsch anhört, und dass er selbst damit religiös nichts anfangen kann. Das ist es dann aber auch.

Zu “Trümmern” und “Aktivismus” fällt mir noch ein:

“Alle starken Geister des 19. Jahrhunderts haben Pessimismus und Aktivismus zusammengekoppelt. Jenes Jahrhundert hallte wider von den Klagen derer, die den Himmel verloren hatten. Hölderlin, Kleist, Georg Büchner, Shelley, Flaubert, Nietzsche, Dostojewski und Strindberg haben sie reich instrumentiert. Vor allem das größte nachchristliche religiöse Genie Sören Kierkegaard ist ein Denkmal des Menschen ohne Horizont geworden….”

Ludwig Marcuse, Ignatius von Loyola, Nachwort an den gläubigen und den ungläubigen Leser, Diogenes Taschenbuch, Seite 319

//de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_Marcuse

Marcel Reich-Ranicki über Ludwig Marcuse:

http://www.faz.net/s/RubB31053DF7CD04EB1AC6255608393AC68/Doc~E248132586A0D4958BD0FA4FE2297EDF2~ATpl~Ecommon~Scontent.html

Zu dem Zitat aus der Vorrede des Pfaffenspiegel aus dem Jahr 1845

“Es ist meine ehrliche und aufrichtige Meinung……..bekamen sie lebendige Pfaffen.”

http://gutenberg.spiegel.de/index.php?id=19&autorid=739&autor_vorname=Otto+von&autor_nachname=Corvin&cHash=b31bbae2c6

http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=3876&kapitel=1#gb_found

fällt mir ein etwa zehn Jahre früher erschienes Buch ein:
Heinrich Heine, Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland

http://www.haus-der-literatur.de/newsextra/heine.htm

http://gutenberg.spiegel.de/?id=5&xid=1145&kapitel=1#gb_found

“Die Religion, deren wir uns in Deutschland erfreuen, ist das Christentum. Ich werde also zu erzählen haben: was das Christentum ist, wie es römischer Katholizismus geworden, wie aus diesem der Protestantismus und aus dem Protestantismus die deutsche Philosophie hervorging.”

Der Florettfechter (siehe z.B. Caput II Deutschland Ein Wintermärchen) Heinrich Heine überragt m.E. auch als Religionsphilosoph andere Dichter seiner Zeit.

Hier noch das “Miserere” aus “Nachgelesene Gedichte 1845 – 1856 I. Abteilung: “Zeitgedichte”
…….

O Gott, verkürze meine Qual,
Damit man mich bald begrabe;
Du weißt ja, daß ich kein Talent
Zum Martyrtume habe.

Ob deiner Inkonsequenz, o Herr,
Erlaube, daß ich staune:
Du schufest den fröhlichsten Dichter, und raubst
Ihm jetzt seine gute Laune.

Der Schmerz verdumpft den heitern Sinn
Und macht mich melancholisch;
Nimmt nicht der traurige Spaß ein End,
So werd ich am Ende katholisch.

Ich heule dir dann die Ohren voll,
Wie andre gute Christen –
O Miserere! Verloren geht
Der beste der Humoristen!

Eine historische Simulation über Jahrhunderte “Was wäre gewesen, wenn die Germanen nicht Christen geworden wären” halte ich nur im Rahmen eines Kabarettprogramms für möglich, da man keine serösen Annahmen machen kann, wie sich die Dinge dann über Jahrhunderte entwickelt hätten.

Im folgenden beschäftigt sich Jürgen Becker mit Chlodwigs Bekehrung zum Christentum. Sein Programm (bei YouTube in 6 Teilen) ist ein Plädoyer für einen schillernden Polytheismus.
Jürgen Becker “Ja, was glauben Sie denn?” Teil 1

http://www.youtube.com/watch?v=DbF3jyeBFUQ

Zur Frage der Freiheit und Sklaverei: Ob Mertes mehr Sklave ist als z.B. einer von uns beiden ist ein separates Thema.

otto von corvin

Doch ich will diese Bildersprache aufgeben und sie denjenigen überlassen, welche eine Menge von der Romantik des Christentums zu faseln wissen. Ich will nun weiter kein Blatt vor den Mund nehmen, sondern gerade und deutsch meine Meinung sagen.

Es ist meine ehrliche und aufrichtige Meinung, daß das Christentum unendliches Elend über die Welt gebracht hat! Das Gute, welches es erzeugte, wäre auf anderen Wegen gewiß weit herrlicher erreicht worden, und dann steht es mit dem Bösen, dessen Ursache es war, in gar keinem Verhältnis …

Rom und Griechenland sind ohne Christentum groß geworden, und welcher christliche Staat kann so herrliche Beispiele von Bürgertugend und wahrer Mannesgröße aufweisen? Was hätte aus dem trefflich begabten deutschen Volke werden können, wenn es sich auf ähnlichem Wege wie das griechische entwickelt hätte, oder auch – wenn ihm Christi Lehre in ihrer reinen Gestalt überliefert worden wäre! Aber was hat die christliche Kirche mit Christus gemein! Er predigte die Freiheit – sie aber die Sklaverei. Was haben die Deutschen durch das von den Pfaffen verpfuschte Christentum gewonnen? – Sie, die sonst frei waren, wurden durch dasselbe Sklaven und sind es geblieben bis auf den heutigen Tag. Statt hölzerner und steinerner Götzenbilder, die keinen Schaden taten, bekamen sie lebendige Pfaffen a la Mertes.

Gesammelte Predigten von Pater Klaus Mertes SJ

Statement von Pater Dr. Klaus Mertes SJ zum Umgang mit sexuellem Missbrauch in der Katholischen Kirche
“Was ich in den letzten drei Monaten gelernt habe”

Gibt es Themen, bei denen wir als Kirche sprachlos sind? Sprachlos, weil wir uns gefährden, wenn wir darüber sprechen? Sprachlos, weil die auszusprechende Wahrheit zu bitter, zu unschön ist?“, so Mertes.

Quelle: Vollversammlung des Zdk am 16./17. April 2010 in München
http://www.zdk.de/reden/reden.php?id=206

“Das Wichtigste ist die Stärkung des Opferschutzes”
Canisius-Kolleg-Rektor über den Umgang mit Missbrauchsfällen
Klaus Mertes im Gespräch mit Ute Welty

Quelle: Deutschlandradio Kultur vom 15.04.2010
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/interview/1163566/

Missbrauchsskandal – “Der Zorn ist richtig”
Missbrauch in der katholischen Kirche: Was wird aus den Tätern und Vertuschern?
Ein Gespräch mit Pater Klaus Mertes, dem Rektor des Berliner Canisius-Kollegs

Quelle: DIE ZEIT, 15.04.2010 Nr. 16
http://www.zeit.de/2010/16/Gespraech-Pater-Klaus-Mertes

Katholische Kirche – Auftreten, nicht austreten
Quelle: Der Tagesspiegel vom 03.02.2009
http://www.tagesspiegel.de/meinung/kommentare/auftreten-nicht-austreten/1434306.html

otto von corvin

Mixa habe eine Münchner Anwaltskanzlei und die bischöfliche Finanzkammer Augsburg beauftragt, die Sachverhalte zusammen mit der Regierung von Oberbayern aufzuklären, teilte das Ordinariat am Montag mit.

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