Wer wir sind

Die Initiative ECKIGER TISCH ist die Selbstorganisation von Betroffenen von sexualisierter Gewalt an Jesuiten-Einrichtungen in Deutschland. Der ECKIGE TISCH bildete sich im Frühjahr 2010 im Zuge der maßgeblich von uns ausgelösten Missbrauchsdebatte nach Bekanntwerden der Fälle sexueller Gewalt durch mehrere Serien-Missbrauchstäter am Berliner Canisius-Kolleg.

Wir fordern seitdem Aufklärung, Hilfe und Genugtuung, womit wir eine angemessene finanzielle Entschädigung meinen.

Bei der Aufklärung haben wir einiges erreicht. Wirkliche Prävention muss aber die Vergangenheit aufhellen und organisatorisches Versagen von Leitungen und Strukturen deutlich aufzeigen. Diese Aufarbeitung ist dringend notwendig. Da stehen wir jedoch vielfach erst am Anfang. Immer noch wird zu schnell auf die Verantwortung der einzelnen Täter verwiesen.

Auch bei der Hilfe sind wir nur ein Stück vorangekommen. Über den Missbrauchsbeauftragten des Jesuiten-Ordens und auch direkt beim Orden sind Anträge auf Hilfen möglich, die nicht von den sozialen und medizinischen Regelsystemen (z. B. die Krankenkassen) abgedeckt werden. Außerdem gibt es die Möglichkeit, sich mit Anträgen an das sogenannte ergänzende Hilfesystem FSM-EHS zu wenden (www.fonds-missbrauch.de). Hier erfolgt die Antragsbearbeitung durch eine mit Experten besetzte Clearingstelle. In allen Fällen werden nur Sachleistungen übernommen.

Die sogenannte „Anerkennungszahlung“ des Ordens von 5.000 Euro halten wir für willkürlich festgesetzt. Sie entspricht in keiner Weise dem, was von Betroffenen als angemessene Wiedergutmachung empfunden wird. Natürlich kann keine Geldzahlung die Beschädigungen in einem Leben wiedergutmachen, sondern nur versuchen die Folgen zu lindern und darüber hinaus ein Gefühl der Genugtuung vermitteln, wie sie sonst etwa durch eine strafrechtliche Aufarbeitung einer Tat erreicht werden soll. Dies ist in unseren Fällen nicht mehr möglich, wofür im wesentlichen der Orden die Verantwortung trägt. Wir verlangen nachwievor eine angemessene Entschädigung vom Orden und der Kirche: nicht für das erste Verbrechen, dass der Täter begangen hat. Sondern für das zweite Verbrechen des Verheimlichen, Verschweigens und Vertuschens, dass uns überhaupt zu Opfern hat werden lassen und uns später die Chance genommen hat, rechtzeitig in unserem Leben sich mit der Tat auseinanderzusetzen. Diese Frage bleibt für uns offen.

Der erste ECKIGE TISCH als Veranstaltungsformat fand am 29. Mai 2010 statt. Dabei saßen sich Betroffene und Vertreter des Jesuitenordens gegenüber. An einer dritten Seite hatte die Moderation Platz genommen. An der vierten Seite versammelten sich mit-betroffene Angehörige, Unterstützer und Gäste.

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