Stellungnahme von Geschädigten zu den Be- richten über mögliche Entschädigungszahlungen durch die katholische Kirche

Als Geschädigte erwarten wir von einer Institution wie dem Jesuitenorden bzw. der Katholischen Kirche, dass sie sich Gedanken macht, wie sie von sich aus in tätiger Buße auf die Opfer zu gehen kann. Wir erwarten, dass wir nicht gezwungen sein werden, individuell auf dem Rechtsweg Ansprüche zu erheben und durchzusetzen.

Deshalb begrüßen wir die jetzt bekannt gewordenen Überlegungen zu einem Angebot über eine finanzielle Genugtuung als Schritt in die richtige Richtung.

Unbürokratische Lösungen sind notwendig und gut, doch es kommt auf das Kleingedruckte an:
An welche Bedingungen werden die Leistungen geknüpft?
Welche Wege müssen von den Geschädigten eingeschlagen werden?
Wer verwaltet den Fonds, wie hängen Aufklärung und finanzielle Genugtuung zusammen?

Ent-schädigung oder Wiedergutmachung wäre der falsche Ausdruck: Was zerstört wurde kann nicht wieder gut gemacht werden. Der Schaden ist angerichtet und die Betroffenen haben gelernt, damit zu leben. Eine finanzielle Genugtuung würde aber die Schuld der Täter anerkennen und den Geschädigten damit eine Last abnehmen.

Daneben geht es aber auch um unbürokratische Angebote zur Unterstützung in praktischen Fragen: Manche Geschädigte haben große Schwierigkeiten gehabt, beruflich Fuß zu fassen, weil sie ihre Lebensenergie jahrelang in die Bewältigung der Folgen des Missbrauchs gesteckt haben. Nach der Aufdeckung möchten sie jetzt einen neuen Anfang wagen. Bei manchen sind Kosten für Therapien entstanden. Andere wiederum begeben sich nun in Therapie, nachdem der Schleier von den verdrängten Erfahrungen weggezogen wurde. Sie erleben sich in diesen Wochen als erneut traumatisiert. Deshalb braucht es schnelle und unkomplizierte Hilfsangebote.

Für beides − die Hilfen und die finanzielle Genugtuung − muss aber gelten: Es sollten Angebote sein, die für die Geschädigten annehmbar sind, ohne erneut vor den Kopf gestoßen zu werden, etwa durch langwierige und undurchschaubare Antragsverfahren und Kriterien. Die Verwaltung und Auszahlung von Leistungen sollte nicht von den Vertretern der Täter selbst organisiert und verantwortet werden, da viele Geschädigte keinen Kontakt mit der Täterseite mehr ertragen.

Verhaltene Reaktion des Ordens auf den Zwischenbericht zum Aloisiuskolleg

Folgt man dem Bonner Generalanzeiger vom 18.3., so drängt sich der Verdacht auf, dass der Orden die am Aloisiuskolleg begonnene Aufarbeitung ausbremsen will und die Vorschläge der Arbeitsgruppe, die unter anderem auch die Einsetzung einer externen Stelle zur weiteren Aufklärung beinhalten, nicht umsetzen möchte:

“ Der Arbeitsstab hatte vorgeschlagen, Ehemalige aus den 50er und 60er Jahren und weitere Betroffene zu Gesprächen zu ermutigen und unabhängige Ombudsleute von außen als Gesprächspartner zu benennen.

„Es wurden bereits Überlegungen angestellt, wie die Rolle einer Ombudsperson gestaltet werden könnte“, kommt als Antwort aus München. Aber grundsätzlich sei schon die Tätigkeit von Ursula Raue so konzipiert, dass sie dem Profil einer externen Stelle entspreche, fügt Busch hinzu. “ Quelle

Eine Arbeitsgruppe hatte in der vergangenen Woche einen Zwischenbericht zu den Missbrauchsvorwürfen am Bonner Aloisiuskolleg vorgelegt:

„Am Bonner Jesuitengymnasium sollen zwischen 1946 und 2005 sechs Jesuitenpatres Schüler sexuell missbraucht haben. Das teilte der kommissarische Rektor, Pater Ulrich Rabe, am Dienstag in Bonn mit.

Rabe bezieht sich auf einen Zwischenbericht, der am Montag dem Kollegium, Elternvertretern und der Missbrauchs-Beauftragten der Jesuiten, Ursula Raue, vorgelegt worden war. Den Zwischenbericht erstellt hatte eine Arbeitsgruppe mit Repräsentanten von Eltern, Lehrern, Schul- und Internatsleitung und Mitgliedern der Jesuiten. „
So berichtete der Kölner Stadtanzeiger.

Der Generalanzeiger traf bei der Gelegenheit auch Frau Raue.

Medien Spanien / Frankreich

Am Wochenende hat auch das spanische Fensehen Beiträge über die Missbrauchsfälle gebracht. Wolfgang Statt hatte mehrere Reisen mit deutschen und spanischen Jugendlichen in das Baskenland organisiert.

Testimonio de una de las víctimas sexuales de un cura alemán


Ein Teilnehmer berichtet über seine schlimmen Erlebnisse dort.

Weitere Nachrichtenbeiträge im spanischen Fernsehen vom Wochenende:
Telediario 1: 15 Uhr bei Minute 39:09
Telediario 2, 21 Uhr bei Minute 34:28

Sonntag, 14.3.2010
Telediario 1: 15 Uhr bei Minute 14:52
Telediario 2, 21 Uhr bei Minute 14:42
Die Beiträge wurden dann von weiteren spanischen Medien aufgegriffen, aber auch vom Tagsspiegel

France 24 berichtete in der Sendung Focus
französische Version
Englische Version

RADIO FRANCE INTERNATIONAL strahlt in
“ACCENTS d’EUROPE” am 19.3.2010 von 20.35 – 21.00 einen Beitrag aus
In Berlin ist das auf UKW 106 zu empfangen
Das soll u.a. auch in Polen gesendet werden.