Stimmen von Betroffenen und Unterstützer*innen

Hinweise für alle Menschen, die sich an uns wenden: 

Wir sind für jede Zuschrift dankbar (Mail: vertraulich AT eckiger-tisch.de). Mittlerweile bekommen wir allerdings so viele Mitteilungen von Betroffenen, dass wir diese leider nicht immer zeitnah beantworten können. (In einer aktuellen Studie der Universität Ulm wird die Zahl von etwa 114.000 Missbrauchsopfer durch katholische Priester genannt.)

Hier einige Hinweise:

1. Dokumentation
Wir sammeln und dokumentieren fortlaufend alle eingehenden Berichte, Informationen und Dokumente von Betroffenen. Ihre Angaben werden vertraulich behandelt.

2. Stimmen von Betroffenen
Falls Sie einverstanden sind, würden wir gern Auszüge aus Ihrem Schreiben anonymisiert auf unsere Website für andere zugänglich machen (siehe unten). Dies tun wir jedoch nur, wenn Sie Ihr ausdrückliches Einverständnis geben.

3. Hinweis auf die UKASK
Alle Betroffenen, die Ihre Erlebnisse aufgeschrieben haben oder dies tun möchten, empfehlen wir, Ihren Bericht an die „Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs“ der Bundesregierung zu schicken. Die Kommission ist auf Ihre Berichte angewiesen. Bitte schicken Sie Ihre Stellungnahme an die Kommission, damit Ihre Stimme und Ihre Erfahrungen dort wahrgenommen werden. Dies kann ganz formlos geschehen. Die Kontaktdaten finden Sie HIER.

4. Unterstützen Sie unsere Arbeit!
Die Arbeit bei ECKIGER TISCH wird ehrenamtlich, nebenberuflich und ohne jede Finanzierung oder Förderung geleistet. Wenn Sie unser Engagement unterstützen wollen oder Menschen kennen, die das tun möchten, so sind wir dafür sehr dankbar. Informationen zum Spenden finden Sie HIER.

Vielen Dank!

Stimmen von Betroffenen und Unterstützer*innen:

Michael S. hat  an das Bistum Paderborn geschrieben:

Sehr geehrter Herr Rehborn,

ich nehme hiermit Bezug auf unser heutiges Gespräch am Telefon. Wenn Sie als Missbrauchsbeauftragter die traumatische Notlage eines Opfers nicht erkennen können oder wollen und es nur auf die rechtliche Grundlage stellen, stelle ich Ihnen die Frage: Wo bitte soll sich ein Opfer der Kirche denn hinwenden? (Das schon anerkannt ist.)  Da sie mir nun unmissverständlich zu verstehen gegeben haben, ich wiederhole es:
    • Keine rechtliche Grundlage
    • Verjährung
    • Keine Ansprüche
    • Alles freiwillig (nur was?)
    • Meine Krankenkasse und Rentenversicherung sind rechtlich dazu verpflichtet, mir eine Trauma-Therapie zu bewilligen. Also alles auf Kosten der Allgemeinheit.
Um überhaupt bei der Kirche einen Antrag zu stellen auf Therapie, muss ich den Nachweis erbringen das meine Erkrankungen in Bezug auf den Missbrauch sind!  Um aus der Hölle zu gehen nochmal freiwillig in die Hölle.  Lieber sterbe ich als nochmals einen Antrag zu stellen.
Ich schlafe jetzt kaum noch!  Meine Träume sind kaum noch aushaltbar. Mit jeder Woche wird das Bild klarer. Mit jedem Tag stirbt auch ein Teil von mir. Und ich frage mich immer wieder und wieder wann es endlich aufhört. Es wird niemals aufhören. Jede Nacht sehe auf mein Leben und stelle mir vor wie es sich anfühlen würde ohne meine Kindheit. Ohne den Missbrauch.
Ich glaube, dass ich in meinem Leben nie den Absprung geschafft habe. Alles nach der Kindheit war nur ein ständiges weglaufen. Dann sehe ich den kleinen Micha und alles ist wieder da.
Ich kann nur noch Abends oder unter größten Ängsten vor die Tür gehen.
Von meinen anderen gesundheitlichen Problemen spreche ich schon nicht mehr. Sind ja auch nicht relevant wegen dem Missbrauch.  Ich habe ein großes Nähe-Distanz-Problem. Will mir jede Nacht die Arme aufschneiden.
Ich sitze meistens im Dunkeln und möchte nicht mehr. Dann kommen all die Bilder und Träume in der endlos Schleife.
Wissen Sie, dass ich seit meiner Kindheit keine Milch trinken kann. Da ich Milch immer nach dem Missbrauch trinken musste, um das Sperma hinunter zu spülen. Das ich keinen Alkohol trinke, weil er immer nach Alkohol gerochen hat. Sie wollen einen Nachweis. Fragen Sie Menschen aus meiner Vergangenheit. die sich immer gewundert haben, warum ich darauf so komisch reagiert habe.
Aber Sie haben mir heute die letzte Hoffnung und Glauben genommen.
Ich ziehe jetzt meinen Antrag auf Therapie bei der Kirche zurück (ist doch sinnlos und Zeitverschwendung, in Ihren Worten: keine Grundlage und Anspruch).
Ich schreibe seit Jahren über meinen Zustand und dem Zustand der Kirche. Vieles finde ich wieder in der Bischofskonferenz und bei den Maßnahmen, die es angeblich geben wird. Darum mache ich mich stark, dass man sich als Opfer nicht mehr melden soll. Wenn doch klar ist, dass man keine Hilfe bekommt und keine rechtliche Grundlage hat.
Ich lese nur: Die Opfer stehen im Mittelpunkt.  Freiwillig hat sich die Kirche noch nie gemeldet. Und wenn man anruft, passiert nichts. Ich weiß, dass ich der Kirche lästig bin, mit meiner Art und Weise. Aber genau das hat mich bis heute überleben lassen. Ich werde weiter das sagen, was ich meine und denke. Und wenn Sie darauf nicht klar kommen nennen Sie mir einen anderen Ansprechpartner. Oder eine Telefonnummer. So wie die Hotline der Kirche die es in Wirklichkeit nicht gibt aber sogar im Internet zu finden ist in Bezug auf die Bischofskonferenz. Kirche halt.
Empathie und Achtsamkeit lege ich Ihnen allen bei der Kirche mal ans Herz. (Kreuz)
Michael S.
Anmerkung: Ich stelle auf Anfrage auch alle Mails der letzten Jahre lückenlos zur Verfügung in Bezug auf die katholische Kirche.  Mein persönlicher Nachweis, dass sich die Kirche einen Dreck um die Opfer der Kirche kümmert.

Michael S. hat nochmals an das Bistum Paderborn geschrieben:

Moin Herr Wendland
Wie vereinbart schreibe ich Ihnen eine Mail, dabei geht es mir in erster Linie um den Umgang mit mir und sehen Sie es als general Beschwerde. 
Alle Mails die ich ihnen gesendet habe (Weiterleitung), auf alle habe ich keine Antwort bekommen. 
Ausser Bischof Ackermann 
An meine Nummer gehen Abteilungen nicht  mehr dran und wenn  es ist immer jemand anders zuständig. 
Sozusagen Missbrauch gibt es im Bistum Paderborn nicht. 
Siehe auch Homepage (Lingen) 
Und wenn jemand wie ich als Opfer die Arbeitsweise in Frage stelle, und den Bischof kritisiere, ist das wohl eine Todsünde. 

Meine Kritik entnehmen Sie aus den Mails und Zeitungsartikel. 
Da warte ich seit Veröffentlichung auf richtig Stellung. 
Wichtig auch, daß Sie die Texte im zeitlichen Kontext lesen. 
Vor der Studie, danach oder für die Studie. 
Nun mein offener Umgang passt den hohen Herren nicht. 
Aber genau dies hat mich immer stark gemacht. 
Aber seit Ende Januar geht es kontinuierlich mit mir bergab. 
Ich hatte so sehr gehofft eine Therapie zu bekommen ohne groß mein Umfeld, Kontakte und meine Arbeit zu verlieren. 
Ich habe nun über die Krankenkasse eine Therapie beantragt. 
Ungefähre Wartezeiten ca 3 Monate und 3 Monate Therapie. 
Das heißt nun für mich, meine Jobs kann ich vergessen, muss mir eine neue Wohnung suchen. 
Mir bleibt zum Leben ca 100 Euro im Leben nach Abzug Miete Strom Telefon WLAN Fahrkarte. 
Da ich aus dem Trauma und Depression zur Zeit nicht mehr rauskomme und weitere körperliche Beschwerden habe ist es mir nicht mehr möglich den Lebensstandard zu halten. 
Ich muss Kosten minimieren um mich einigermaßen zu ernähren und zu leben. 
Von sozialen Kontakten und weggehen kann nicht mehr die Rede sein. 
Ich passe mich der Situation an. 
Es geht nur noch ums Überleben. 
Ich strebe gerade ein Mehrbedarf an vor dem Sozialgericht und Kostenübernahme in der Zeit der Therapie. 
Dies muss ich alles machen, da es ja verjährt ist,  ich keinerlei Ansprüche habe. 
Und die Kirche sich hinter ihren hohen Mauern verkriecht und unantastbar ist. 
Aber da ein Bischof totalitär herrschen kann und immer das letzte Wort hat kann man ihm nicht widersprechen. 
Ein Herr Ackermann oder Marx auch nicht. 
Die Befugnis hört an der Grenze des Bistums auf bzw fängt an. 
Darum ist Herr Ackermann auch nur eine Majonette von der Bischofskonferenz, soll für Veränderung stehen aber ohne Macht. 
Ich frage mich, warum hat die Sekretärin von Herrn Becker selbst die Macht, mir den Telefonhörer aufzulegen. 
Nur weil ich Fragen habe. 
Vielleicht eine Unterstützung fordere. 
Bei Geld hört das Verständnis für Opfer auf. 
Oder besser warum bin ausgereizt? 
 Bis heute keine Antwort. 
Einzelschicksal. 
Ich bin im Social Media tätig. 
Aber ich musste leider meine Kamera verkaufe um durch die Krise zu kommen. 
Meine Wiedereingliederung kündigen. 
Ich bin kaum noch zu etwas imstande. 
Ich glaube selbst, dass ic Weihnachten dieses Jahr nicht mehr erleben werde. 
Natürliche Auslese in Bezug auf die Kirche. 
Ich weiß, böses Wort, aber so ist es eben. 
Ich fühle mich missbrauch 3 Klasse. 
Ich seh ja, wie andere Bistümer mit Opfern umgehen. 
Die neue Glocke im Turm hat mehr gekostet als das, was das Bistum für Opfer ausgegeben hat. 
Und hat ein größeres mediale Aufmerksamkeit. 
Und kommen sie mir nicht mit Prävention. 
Das ist doch normal, dass man sich an Kindern nicht vergreift. 
Warum lernt man nicht aus meinen und anderen Erfahrungen?
Ich weiß, warum ich nicht eingeladen werde. 
Die können mir nicht in die Augen schauen. 
Ich habe wohl zu viel Empathie und Achtsamkeit. 
Und ich stelle unangenehme Fragen. 
Worauf niemand eine Antwort hat. 
Oder Angst. 
Dafür weiter Macht ausüben.
Nun ich habe meinen Antrag zurück genommen auf Therapie, wenn ich nachweisen muß, das mein Schlaganfall / Diabetes / Borderline / 1000 mal in Arme und Beine geschnitten / Herz-Kreislauf-Erkrankungen / Depressionen / Trauma / Augenerkrankung in Bezug auf auf den Missbrauch ist und ich betteln soll und meine Klappe halten. 
Nee, so läuft das nicht mehr. 
Die Macht hat die Kirche nicht mehr. 
Ich schreibe darüber, ich muss mich nicht mehr schämen. 
Und da jeder Mensch ein Anrecht auf ein menschenwürdiges Leben hat, werde ich diese Recht einklagen, ich beabsichtige mit meinen Rechtsanwalt mehrere Klagen auf Unterstützung für Therapie, Wohnung, Mehrbedarf, Pflege, Unterstützung im sozialen Bereich mir von Staat, Stadt, Krankenkasse und Rentenversicherung zu holen und zu sichern. 
Auch lasse ich ein Gutachten machen, dass ich immer wieder traumatisiert werde und bin. Und die Verursacher nichts machen. 
Ich bin noch zu jung um zu sterben, aber irgendwann kann ich nicht mehr. 
Ich möchte nur alles versucht haben. 
Ich möchte nur leben, das was mir Spaß macht meine Bilder weitermachen entlastet sein von Schulden aus der Krise. 
Für die nächste Krise gerüstet. 
Ist das zu viel verlangt? 
Für die Kirche ja, kann ja beten. 
Aber das hilft nicht, das einzige was mir noch Genugtuung gibt, wenn es ein Leben nach dem Tod gibt, sehe ich alle wieder auf Augenhöhe. 
Im Moment steht die Kirche über mir und das lässt sie mich spüren und fühlen, aber es kommt der Tag.  Also stecke ich meine ganze Kraft und Zeit nun gegen die katholische Kirche ins besondere gegen Paderborn. 
Auch Sie werden nichts ändern, da Paderborn zu konservativ und in alten Zeiten und Strukturen denkt. 
Ein Opfer ist denen egal, das nötigste haben die gemacht. 
Aber nicht mehr und nicht weniger. 
Auf keine Mail außer in Bezug auf Therapie Rehborn wurde geantwortet. Ich hab einige hundert Mal angerufen. Mehrmals wurde mir aufgelegt. Oder nie zurück gerufen. 
Gruß aus B. 
Michael S.

Michael S. hat vom Bistum Paderborn die folgende Antwort erhalten:

From: <Thomas.Wendland@erzbistum-paderborn.de>
Date: Do., 11. Apr. 2019, 11:36
Subject:  Antwort: Michael S. / Missbrauch Paderborn
To: Michael S.

Sehr geehrter Herr S,
ich habe mittlerweile alle Ihre E-Mails gelesen. Auch wenn Sie sicher diese Aussage nicht mehr hören können – treffen mich Ihre Aussagen und Ihr ganz persönliches Schicksal.
Wie ich Ihnen bereits am Telefon mitgeteilt habe, bin ich mir nicht sicher, ob ich Ihnen angesichts der vielen Wege, die Sie bereits hier beschritten haben, überhaupt helfen kann.
Meine Stelle dient eigentlich dazu, Menschen, die sich beschweren wollen durch das Dickicht einer Verwaltung und der kirchlichen Strukturen zu führen, um den richtigen Ansprechpartner  
zu erhalten oder auch Gehör zu finden. Sie haben schon alle Ansprechpartner kontaktiert, die ich vermitteln könnte.
Dennoch habe ich Ihre Anfrage nochmals auf den Weg gebracht, um nicht auch meine Möglichkeiten ungenutzt zu lassen. Ich werde mich bei Ihnen melden, sobald ich etwas gehört habe. Herzlichen Dank für Ihre E-Mails
Mit freundlichen Grüßen
gez. Thomas Wendland
_________________________________
Erzbischöfliches Generalvikariat Paderborn
Thomas Wendland, Domplatz 3, 33098 Paderborn
Zentralabteilung Pastorales Personal
Referent für Priesterbegleitung und Qualitätssicherung
Tel.: 05251/125-1625
Mail: thomas.wendland@erzbistum-paderborn.de

Zentralabteilung Entwicklung
Leiter Beschwerde- und Konfliktmanagement
Tel.: 05251/125-1125
Mail: beschwerde-lob@erzbistum-paderborn.de

Hallo, hier schreibt M.C., Musiker, Grafiker und Kulturmanager aus Osnabrück. Auch ich bin Überlebender sexuellen Missbrauchs durch einen katholischen Priester (1969-1977, Erzbistum Paderborn). Einige Jahre habe ich versucht, dieses Thema meines Lebens abzuschließen – in den letzten Monaten spüre ich jedoch eine große Unzufriedenheit mit der Situation und eine große Wut auf die Kirche. Zu viele Fragen und Wünsche meinerseits sind damals offen geblieben. Genau wie Sie erhoffe ich mir wesentlich mehr Transparenz der Kirche und Offenlegung der Täter und Tatorte sowie wirkliche Hilfe für die Betroffenen.

Warum schreibe ich Ihnen?

Dafür habe ich zwei Gründe:

  1. möchte ich meiner Bewunderung Ausdruck geben für Ihre Aktivitäten hinsichtlich der Aufklärung des sexuellen Missbrauchs durch klerikale Bedienstete.
  2. da ich selbst Betroffener bin, habe ich den Entschluss gefasst, mich einzureihen in das Kollektiv der Geschändeten und dafür zu kämpfen, dass eine ehrliche und schonungslose Aufklärung möglich wird, auch noch nach so langer Zeit. Es hat sich gezeigt, dass die Aufdeckung dieses humanitären Problems nicht allein der katholischen Kirche überlassen werden darf.

Ich darf mich kurz vorstellen:

Ich bin 1946 in Heidelberg geboren und war von 1957 – 1959 im Jesuitenkolleg St. Blasien als Internatsschüler untergebracht. Es entsprach der Vorstellung meiner Eltern, die in Mannheim lebten, dass ich an dieser traditionsreichen und renommierten Schule Abitur machen sollte.  Bereits nach kurzer Zeit aber hatte ich erhebliche Probleme mit der dort abverlangten und bedingungslos erwarteten, paramilitärischen Disziplin.

1958 begannen die Missbrauchsversuche an meiner Person durch mindestens drei Präfekten/Patres der jeweiligen Abteilungen , denen ich meinem Alter entsprechend anvertraut worden war. Diese Erfahrungen, die ich natürlich in keiner Weise einzuordnen wusste, führten bei mir zunächst zu einem schleichenden, dann aber recht bald zu einem rasanten Leistungsabfall in der Schule, der dann schließlich in eine Leistungsverweigerung mündete. Ursache waren Schuldgefühle mit Konzentrationsstörungen, Phasen tiefer Traurigkeit und ein abgrundtiefes Gefühl des totalen Verlassenseins und der Verlorenheit.

Das Gefühl, das sich bei Ihnen als  Missbrauchsopfer eingestellt hat und das Sie als: „ein Leben wie hinter Glas“ treffend charakterisiert haben, ist mir nicht fremd und kann ich bestens nachvollziehen.

Da ich mich niemandem anvertrauen konnte (auch meinen Eltern nicht, die hatten ja nur das Beste gewollt), wurde ich immer renitenter und unbeugsamer. Ein Teufelskreis begann. Meine Gedanken kreisten von nun an nur noch um die eine Frage: wie komme ich hier raus?  Das wiederum triggerte das Bedürfnis der Erzieher, mich immer und immer wieder körperlich zu züchtigen (Stockhiebe auf die Hände, den nackten Po u.ä.), zunehmend kombiniert mit sexuell geprägten Handlungen, bis hin zu mehreren Penetrationsversuchen.

Es war die Hölle in einem, von außen betrachtet, geschützten Umfeld.

Das Ganze wurde von meiner Seite und in der Konsequenz dann auch von der des Klerus immer schlimmer und unerträglicher, sodass die Internats- und Schulleitung schließlich zum  Ende des Schuljahres 1959 sich keinen Rat mehr wusste und über mich das „consilium abeundi“ verhängte.

Das war zunächst für mich wie eine Erlösung. Es ist eine Ironie des Schicksals, dass mir im Abschlusszeugnis bescheinigt wurde: „ in einer Gemeinschaft nicht zu erziehen“ und dass dieses Statement mir später bei meiner Kriegsdienstverweigerung  sehr hilfreich zu Gute kam.

Allein die Enttäuschung meiner unwissenden Eltern war immens. Daraus erwuchsen innerfamiliäre Spannungen, da ich nicht in der Lage war, mit ihnen über das Erfahrene zu sprechen. Ein Verdrängungsmechanismus kam in Gang und ließ mich den Albtraum „St.Blasien“ allmählich vergessen.

Erst 2010, ich hatte zwischenzeitlich Medizin studiert, nach dem Scheitern einer ersten Ehe eine Familie gegründet und war mit meiner Chirurgischen Facharztausbildung längst fertig und Chefarzt einer Chirurgischen Klinik, las ich in der Tageszeitung „Mannheimer Morgen“ (06.02.2010) einen Artikel zum Missbrauchsskandal in den 60er in St. Blasien. Er trug die Überschrift: „Die Kirche ist für mich gestorben“. Dieser Artikel hat mich damals veranlasst, mich zu „outen“ und mit der den Jesuitenorden vertretenden RA URSULA RAUE Kontakt aufzunehmen. Ich wurde schließlich dann 07.2011 mit der „Anerkennungszahlung“ von € 5.000,-  bedacht.

Das ist also grob umrissen meine Geschichte.

Der Ablauf und vor allem das Null-Ergebnis des „Anti-Missbrauchgipfels“ vom Februar in Rom hat mir einmal mehr gezeigt, wie weit die Kirche mit der Aufarbeitung dieser Katastrophe gekommen ist. Seit meinen persönlichen Erfahrungen hat sich in 50 Jahren in puncto Aufklärung zum Problem seelenlose, häufig sexuell geprägte Erziehung, physische und psychische Züchtigung und handfester sexueller  Missbrauch kaum etwas geändert. Allein das Phänomen, dass immer mehr ans Tageslicht kommt, ist eine erfreuliche Entwicklung, dass immer mehr Gedehmütigte die Kraft aufbringen, zu berichten, welche Schmach ihnen in kirchlichen Einrichtungen angetan wurde.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass in den 50er Jahren im Jesuitenkolleg St. Blasien  körperliche und psychische Züchtigung, gerne kombiniert mit Missbrauchsversuchen, gang und gäbe waren. Ich kann die Dimension nicht beziffern. Aber es sind mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich mehr Fälle, als sie aus dem  Kolleg St. Blasien bislang ins Bewußtsein der Öffentlichkeit gelangt sind. Mir scheint, dass diese Einrichtung der Jesuiten noch niemals gebührend im Focus von Ermittlungen stand.

Prof. Dr.med. Hans- Wolfgang Menges

Aachen

„Wie Sie an der Signatur meiner Mailanschrift erkennen, bin ich Priester des Bistums Köln und arbeite im Bereich der Behinderten- und Psychiatrieseelsorge. Die Art und Weise, wie die Kirche mit Missbrauch umgeht ist verheerend und empörend. Deshalb finde ich Ihre Arbeit wichtig und möchte sie wenigsten finanziell unterstützen.

Mein Eindruck ist, dass die Systemfrage, weshalb ausgerechnet so viele Täter Priester sind und waren, unter allen Umständen vermieden werden soll. Das überkommene und überzogenen Priesterbild soll nicht angetastet werden. Hier aber liegt eine Wurzel des Übels.

Für Ihre Arbeit wünsche ich Ihnen viel Kraft, Ausdauer und Erfolg.

Mit freundlichen Grüßen
Franz-Josef Haas

Katholischer Pfarrer Seelsorge für Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen im Rhein-Kreis Neuss/Düsseldorf“

Sehr geehrte Damen und Herren,

nach 59 Jahren und reiflicher Überlegung, die sich über Jahrzehnte hinzog, werde ich in der nächsten Zeit zum Amtsgericht gehen.

Ich finde Kirche sehr wichtig als einen sinnstiftenden Ort, der christliche Regeln des Zusammenlebens, Humanität, Toleranz und gegenseitige Anerkennung jenseits der Unterschiede der Menschen fördert und fördern sollte. Markt und Kapitalismus können das nicht.

Die Wahl von Franziskus hat mich sehr gefreut! Endlich jemand, der nicht nur den Mächtigen dient, sondern der auch die Armen in den Blick nimmt und eine teilweise Abkehr von der freien Marktwirtschaft fordert, die eher die Macht der starken Gruppen ausweitet und zementiert. Ich bin aber enttäuscht von seinen Ergebnissen.

Meine Gründe für den Austritt:
1. Ich kann den Umgang mit dem Missbrauch nicht mehr mittragen. Obwohl der Papst die Diskussion wollte und für den Februar in Rom auch echte Maßnahmen versprochen hat, kam nichts dabei raus. Am Ende war es wieder  nur der Teufel.

Meiner Meinung nach ist es notwendig, dass alle Archive geöffnet werden und jeder Täter der Strafverfolgung übergeben wird. Wie kann man die Fortsetzung der Verbrechen noch weiter tolerieren und die Strukturen erhalten, die die Taten nicht verhindern bzw. nicht bestrafen? Wer spielt Gott, indem die Täter beschützt und die Opfer  nicht entschädigt werden? Ich möchte nicht mehr Teil dieser Bewegung sein.

2. Das gleiche gilt für den Missbrauch von Novizinnen, hier verweise ich auf eine arte-Sendung vom Februar, die das Thema in Südamerika beleuchtet hat:  https://www.arte.tv/de/videos/078749-000-A/gottes-missbrauchte-dienerinnen/

3. Ich kann die starre Hierarchie nicht mehr unterstützen. Dass nur einer das Sagen hat, ist nicht mehr zeitgemäß. Dass dieser eine weiß, was Gott will, glaube ich nicht. Wir sind alle verantwortlich dafür, dass die Welt eine gute wird und dies können wir nicht einem Menschen  überlassen.

 

St. Xaver in Bad Driburg

Zu Beginn der 50-er Jahre war mein Vater Schüler in einem Gymnasium namens St. Xaver in Bad Driburg, welches zum Erzbistum Paderborn gehört. Damals war es ein altsprachliches Gymnasium. Er hat dort die gesamte Gymnasialzeit ab April 1948 verbracht und mit Abitur abgeschlossen. Ziel der schulischen Ausbildung war damals, daß er und seine Mitschüler nach Abschluss der Schulausbildung als sogenannte „Heidenmissionare“ eingesetzt werden.

Leider ist mein Vater im Dezember 2018 verstorben, und in den letzten Jahren war er bei Fragen in Bezug auf die meisten Passagen seiner Vergangenheit sehr verschlossen.  Generell hat er fast nie über seine Schulzeit gesprochen.

Wir als Familie haben uns oft gefragt, woran es lag, daß er nie über seine Schulzeit sprach. In Licht der aktuellen Missbrauchsdiskussion stellen wir uns nun die Frage, ob eventuell auch in St. Xaver solche Fälle aufgetreten sind.

Wir haben allerdings nie eine solche Information erhalten und auch keinen konkreten Verdacht – es geht uns eher um die generellen Informationen, die Ihnen eventuell bzgl. der Geschichte von St. Xaver vorliegen.

Es würde uns sehr freuen, wenn Sie uns den aktuellen Sachstand mitteilen könnten, und es würde uns natürlich sehr erleichtern, wenn in St. Xaver keine Fälle aufgetreten sind.

„Ich verfolge gerade die Tagung in Rom und frage mich ob sich denn tatsächlich was ändert?
Möchte man überhaupt, dass sich was grundlegendes ändert?Ich habe mich vor einigen Jahren gemeldet und bin sehr enttäuscht worden. Es war sehr schwer mich das zu trauen.

Jetzt hoffe ich das ich ernst genommen werde.
Ich bin mir nicht sicher ob sie von mir überhaupt wissen.
Man hat mich vom Salesianer-Orden mit 5000, – € ruhig gestellt.
Man wollte mich weiter über den Verlauf meines Täters Pater Reiner K. informieren.
Auf keine meiner @mails hat man geantwortet.
Telefonisch konnte man mir nicht weiterhelfen.

Seit vier Jahren arbeite ich nur noch 80 %, da ich durch den sexuellen Missbrauch krank und kaputt bin. Schlafstörungen bis hin zur Schlaflosigkeit sind nur ein Beispiel.
Man hat mir nie Unterstützung zugesagt.
Ich lebe mit meinem Leid alleine und muss damit Leben. Der Täter… gehört eigentlich ins Gefängnis.
Warum wird man nicht erst genommen und bekommt keine Unterstützung?
Ich würde gerne mehr arbeiten aber ich schaffe das nicht mehr.
Ich muss auf so viele Dinge im Leben verzichten obwohl ich nichts dafür kann.“

Johannes 1966/1967 im Interant mehrmals vergewaltigt und sexuell belästigt

Inzwischen bin ich über 60 Jahre alt und war damals 11, als mich meine Eltern ins Kapuziner Heim St. Konrad nach Würzburg, Nikolausstr 10 „gesteckt“ haben. Dort besuchte ich das Wirsberg-Gynasium an der Löwenbrücke. Das Internat wurde ausschließlich von Patres in braunen Kutten geleitet. Alle Fenster waren vergittert – wie im Gefängnis. Ich hatte damals 34 Kilo und war unterernährt. Was ich da erlebt habe, kann man nicht vergessen:

Von Kopfnüssen, Ohren rudrehen, betatschen, nachts unters Bett grabschen (Schlafsaal mit 24 Zimmern), beim Duschen zuschauen, Glatze wurde mir geschnitten, ins Brennnesselfeld geschubst, Genitalien betascht, alle Spielsachen etc. abgenommen – ich kann hier nicht alles schreiben.

Hab über 50 Jahre geschwiegen und seit 1994 bin ich aus der kath. Kirche ausgetreten – war 11 Jahre Ministrant — das ist auch noch eine Geschichte…

Ich erwarte eine Entschuldigung von der Kirche und dass man das Leid und die seelischen und körperlichen Grausamkeiten ernst nimmt – ein Kapuziner und ein ehemaliger Staatsanwalt haben meine Erfahrungen in Frage gestellt, ob ich sogar ein Lügner wäre … unglaublich. Ich leide heute noch in meinem Sexualleben darunter, Schlafstörungen, Albträume, habe oft geweint und mein Partner wußte nicht warum. Man erduldet das Unfassbare aber irgendwann muß es raus…

Ich hoffe mir wird geholfen und erwarte eine Entschädigung nach so vielen Jahren!

„Nach jahrzehntenlangem Schweigen habe ich mich entschlossen, mein Schweigen über den Missbrauch eines Pastors in meiner Gemeinde mir gegenüber anzuzeigen. Sie sind meine erste Anlaufstelle und ich bitte Sie um entsprechende Diskretion.

Meine Fragen lauten:
Wo zeige ich es am besten an?
Sollte ich Kontakt zum Bistum aufnehmen?
Bekomme ich Beistand durch einen Rechtsanwalt?
Wie kann man es Beweisen nach so langer Zeit (ca. 1970 bis 1975),
ich weiß noch nicht mal ob diese Person noch lebt??“


Danke, dass Sie sich im Namen vieler tausender Menschen einsetzen!
„Zum Plan der katholischen Kirche, einen „Gedenktag“ für Betroffene sexuellen Missbrauchs einzurichten:
Ah ja, das ist ja mal eine Wahnsinns-Idee der Bischöfe.
Wir gedenken den Opfern, erteilen in unseren Gebeten vielleicht auch Absolution.
Was soll der Hohn? Was steckt hinter dieser Idee?
Und, wie wird mit den „Opfern“ umgegangen?
Es wird vertuscht, es wird auf Zeit gespielt oder noch schlimmer, es wird nicht reagiert.
Ich denke, wir Betroffenen brauchen keinen Gedenktag, denn wir denken oft an das, was uns angetan wurde. Es gibt genug Trigger-Situationen, die alles wieder „lebendig“ erscheinen lässt.
Anstatt zu „Gedenken“ sollten die Bischöfe zuallererst über Wiedergutmachungen nachdenken.“

Do-Bo-Berlin.de

***************************

„Hiermit möchte ich allen Betroffenen meine Solidarität ausdrücken. Ich hoffe, dass sowohl der Staat als auch die verschiedenen Religionsgemeinschaften ihre Strukturen modernisieren, um Missbrauch vorzubeugen.

Ich biete Traumatherapie in Wuppertal an, die Kosten werden im Regelfall problemlos von den Krankenkassen übernommen.
Weitere Traumatherapeuten finden Betroffene z.B. über EMDRIA e.V. (www.emdria.de)

Frank Goebel, Ärztlicher Psychotherapeut

Kontakt:  Praxis-Frank-Goebel [ÄT] t-online.de“

Petition von Christophe Didillon (bei www.change.org):

„Herren Ratsvorsitzender Bedford-Strohm / Kardinal Marx: Beenden Sie die Not von Missbrauchsopfern der Kirche

Befreien Sie alle von der Kirche geschädigten Kinder aus der unverschuldeten Sozialhilfefalle. Übernehmen Sie gemeinsam christliche Verantwortung, und gewähren Sie jedem unverschuldet in seiner Gesundheit ruinierten Opfer der Kirche eine dauerhaft von Sozialamt und Steuerzahler befreiende Entschädigung! Entlasten Sie die unschuldigen Opfer der Kirche von den Zwängen des Sozialamtes, und entlasten Sie den Steuerzahler von den Leistungen für die Opfer. Geben Sie den Opfern ihre Würde zurück!“

(Hier finden Sie  den vollständigen Text und Sie können sich der Petition anschließen.)

***************************

„Von 2008 bis etwa 2011 wurde ich öfters von einem indischen Priester in XYstadt missbraucht und vergewaltigt. Zu Beginn war ich 13 Jahre alt. Vor 4 Jahren habe ich einen Brief an den Papst geschrieben und um sein Segen gebeten, da es mir sehr schlecht ging. Eine Antwort habe ich keine bekommen dafür hat die Kirche gegen meinen ausdrücklichen Willen ein Strafverfahren eingeleitet. Das hat mein Leben zerstört.

Der Täter ist seitdem zurück nach Indien ihm ist bisher nichts passiert. Ich habe von der Kirche  40.000 € Schmerzensgeld bekommen plus die 5.000 € Anerkennung des Leids.

Die Kirche hat mir mit ihrer Vorgehensweise sehr geschadet und ich würde mich gern dagegen wehren. Außerdem hatte ich nie das Gefühl das es jemandem leid getan hat was passiert ist.“

***************************

Oh nicht noch weitere Verdrängung seitens der Kirche.
Es reicht, denn es macht wütend.

***************************

„Benötige Hilfe und Infos auch zu Mitopfern bezüglich Missbrauch im bischöflichen Jungeninternat Albertinum in Gerolstein, in der Zeit ab 1977. Bin Opfer dieses Internats.“

***************************

„Email an das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz:

Sehr geehrter Herr Minister,

in meiner Familie hat es einen jahrelangen Missbrauch durch einen katholischen Priester gegeben. Als Ärztin ist mir das Ausmass der daraus folgenden psychischen Störungen weitgehend bekannt. Finanzielle Entschädigungen können nur ein Tröpfchen auf den heissen Stein bedeuten.

Es gibt 2 Gründe meines Schreibens an Sie:

Wer erhebt KLAGE gegen die vertuschenden , noch lebenden Bischöfe wegen fehlender VEREITELUNG einer STRAFTAT?

Gibt es ZAHLUNGEN an die KRANKENKASSEN für THERAPIEKOSTEN, die nicht zu Lasten der Allgemeinheit gehen dürfen?“

***************************

„Ich wollte euch nur mal mitteilen, nun stellt sich das Erzbistum Paderborn in einer Pressemitteilung, voll mit Empathie und Achtsamkeit dar.

Die haben sich bis heute nicht gemeldet, siehe alle Mails.

Es macht mich so wütend und ich bin so enttäuscht.

2 Jahre wird man ständig auf die stufe eines bittsteller gestellt.

Selbst letzte Woche keine Hilfestellung.

Der Bericht von Paderborn tut mir mehr weh als der gestrige Bericht.

Ich nehme den jetzt persönlich und werde meine Wut in den nächsten Tagen persönlich nach Paderborn bringen.“

***************************

„Niemals wird die Kirche zu Ihren Fehlern stehen ,ich bin auch ein Opfer der Kirche Mißbrauch und Mißhandlung , in den 70er Jahren .
Es hört nie auf wen der Staat nicht hingeht und dem einen Riegel vorschiebt !
Der Staat steht genauso in der Verantwortung, seine Kinder zu schützen .
Meine Seele leidet muß das jetzt auch anderen Kindern so gehen ?
Das muß eine Ende haben !!!!!“

***************************

„Im herkömmlichen Sinne sind wir keine Betroffenen. Obwohl wir ab 1952/1970 in Salzkotten-Verne,, Kreis Paderborn, aufwuchsen. Betroffen fühlen wir uns sehr in dem Sinne, dass uns die Erlebnisse und das Nichthandeln des Staates erschüttern. Von der kath. Kirche halten wir so wenig, dass wir von denen nichts erwarten. Wohl aber die Strafverfolger des Landes müssen spätestens nach der MHG-Studie tätig werden. Jede Rücksicht auf die Institution Kirche muss aufhören! Sämtliche Täter müssen laisiert werden, um ihnen die Gelegenheit weiterer Taten zu erschweren. Falls ihre Straftaten noch nicht verjährt sind, müssen sie vor Gericht gestellt und bestraft werden. Der Sinn von Gefängnisstrafen liegt nicht nur in der Bestrafung. Unsere Kinder werden für den Strafzeitraum vor neuen Taten geschützt. Aufgrund von Strafurteilen lassen sich ggf. auch zivilrechtliche Entschädigungen leichter und angemessener durchsetzen. Die mediale Betrachtung der letzten Woche hat uns nicht gut gefallen. Der Fokus lag viel zu sehr auf der Kirche. Wer Herrn Ackermann bei Maischberger gesehen hat, weiß, dass vonseiten der kath. Kirche nichts zu erwarten ist.“

***************************

„Don-Bosco-Heim in Wannsee (Berlin)

Das ganze triggert mich ganz schön und ich nahm es zum Anlass, den folgenden Text an den Orden zu schicken:  Sehr geehrte Damen und Herren, mit diesem Schreiben möchte ich mich wieder in Erinnerung bringen. Sie fragen sich vielleicht sich, wieso jetzt und warum? Falls Sie wirklich sich diese Frage stellen, kann ich damit antworten, das mit der Veröffentlichung der MHG-Studie bei der Bischofskonferenz und dessen mediale Verbreitung, sowie die thematischen Talkshows, in mir verborgene Bilder und Emotionen an die Oberfläche triggerten. Kurz zur Studie: Ein richtiger Schritt, jedoch kommt in mir der Verdacht auf, das Aufgrund des untersuchten Zeitraumes und der Betroffenenzahl, etwas nicht stimmen kann. Es wurde ja benannt, dass sich einige Orden nicht beteiligt haben, Akten verschwunden sind, gefälscht wurden. Diese Studie dann unter dem Titel einer Aufarbeitung zu stellen, erscheint mir dann doch fragwürdig. Bei der Talkshow „Maischberger“ fiel ein Satz in der Runde, die alle mit Wohlwollen quotierten: „Das ganze Leben ist entgleist durch den Missbrauch. Warum ist die Kirche nicht in der Lage, eine großzügige Entschädigung anzubieten?“Mein Antrag auf Leistungen in Anerkennung des Leids (vom März 2011) wurde von Ihrer Seite mit einer freiwilligen Leistung von 5000 Euro entsprochen.  Meine Welt bestand aus Flipper, Lassie, Emil und die Detektive, als ich 1974, kurz vor dem 10 Lebensjahr stehend, in das ehem. Don-Bosco-Heim, Berlin Wannsee, kam.Der dreimalige Missbrauch durch einen Pater (der Name ist Ihnen bekannt) zerbrach mein Urvertrauen, der anschließende weitere Missbrauch durch einen älteren Jungen, in der Gruppe, war die Konsequenz, die durch den Missbrauch des Paters geschehen konnte, da ich stark traumatisiert war. Wie ich schon damals schrieb, „Ich kam in das Heim als ein Kind, welches verträumt und noch voller Vertrauen und Erwartungen auf die Welt war. Heraus kam, vier Jahre später, ein gebrochener und depressiver Teenager, der nur noch sterben wollte“.Die Geschehnisse warfen Schatten auf mein Leben und begleiten mich bis heute, durch Depressionen, Flashbacks (PTBS), der Unfähigkeit Beziehungen einzugehen und einer nicht konstanten beruflichen Biografie, die 2014 mit einer Erwerbsunfähigkeit endete.Rückblickend kann ich konstatieren, dass mein Leben durch die Ereignisse, die meine Persönlichkeit immens beeinflussten, entgleiste. Um dies auch zu verdeutlichen habe ich Ihnen einen therapeutischen Bericht angehängt. Die ehem. Institution (Don-Bosco-Heim) gehörte zu Ihrem Orden, zu Ihrer Zuständigkeit. Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen, war das Leitbild Don Boscos. Es wäre schön, wenn dieses Leitbild nichts von seiner Aussage verloren hätte und Sie in der Debatte vorangehen würden und sich gegenüber „wirklichen“ Entschädigungszahlungen aussprechen würden.

Kontakt:  www.do-bo-berlin.de

***************************

„Könnte man die Bischöfe nicht wegen UNTERLASSENER HILFELEISTUNG Anklagen?“

***************************

„Ich kämpfe seit Jahren gegen das Erzbistum Paderborn.

Ich bin anerkannt seit drei Jahren.

Am Montag hat Herr Bischof Ackermann mit mir persönlich gesprochen.

Ich habe ihm meine Erfahrungen mitgeteilt, bzw. ich wurde gebeten dies zu tun, eine Unterstützung durch Paderborn blieb mir verwehrt.

Trotzdem habe ich meine Erfahrungen Herrn Bischof Ackermann geschrieben.

Warum ich ihnen schreibe

Einige Opfer wie ich, fühlen uns halt Missbrauch 3 Klasse.

Können sie wirklich für uns sprechen ?

Sie haben nicht den täglichen Kampf, ums Überleben, sie sind super eingebunden ins soziale Netzwerk.

Ihnen hört man zu.

Denken Sie auch an die vielen anderen.“

***************************

„Mit Entsetzen und Wut verfolge ich die Berichte über das Verbrechen katholischer Kirchenvertreter. Gibt es nicht noch mehr Möglichkeiten, seinen Protest auszudrücken, wie es z.B. die MeToo – Bewegung oder der Aufschrei gezeigt haben, um Druck auf die Verantwortlichen in Staat und Kirche auszuüben? Ich wäre dabei!“

***************************

„Sehr aufmerksam verfolge ich seit Jahren die Diskussion um sexuellen Mißbrauch in der katholischen Kirche. Ich bin erst heute aus der Presse auf Ihre Initiative gestossen. Auch ich wurde als Kind mißbraucht und habe bisher geschwiegen, weil ich auch nicht weiß wie und wo ich mich artikulieren kann. Ich bin nach wie vor in der katholischen Kirche als eher passives Mitglied dabei und denke schon seit Jahren nach wie ich dem Unrecht, das mir angetan wurde gerecht werden soll. Als die Welle vor Jahren an die Öffentlichkeit geschwemmt wurde, wollte ich nicht auf den fahrenden Zug aufspringen, vor allem weil es mir nach mittlerweile 40 – 45 Jahren nach wie vor peinlich ist was mit mir geschehen ist, außerdem will ich nicht als „Abkassierer“ da stehen, der nur eine Entschädigung einheimsen möhcte. Darum geht es mir nicht. Mir geht es darum Ruhe zu finden von den Vorfällen die sich vor so langer Zeit ereignet haben und an die ich immer noch fast täglich denken muss.
Mehr möchte ich hier nicht schreiben. Vielleicht können Sie mir helfen. Vor allem möchte ich nicht in die Öffentlichkeit gezerrt werden, da mir die Tatsache an und für sich schon peinlich genug ist.“

***************************

„Man steht nun traumatisiert alleine.

Antworten ?

Mehr Fragen !!!!!

Nicht ein Beschluss, für opfer.

Bischof Becker hat für die Opfer gebetet,

Gut zu machen ist es nicht mehr.

Also weiter im Tagesgeschäft.

Ich habe mich heute bedankt fürs Gebet, mir geht es schon viel besser.

Ironischerweise

Mir wurde der Hörer aufgelegt, Kritik an Bischof oder kirche ist nicht zu gelassen

Wie viele jahre soll das noch gehen“

***************************

„Offene Nachricht an Herrn Kardinal Marx

Sehr geehrter Herr Kardinal Marx,

gestern sah ich im Fernsehen („Frontal 21“ und Nachrichten) den Bericht mit Ihnen in Sachen Ergebnisse der Missbrauchsstudie. Mir wurde richtig schlecht nach allem, was ich leibhaftig von Seiten der Kirche erleben musste. Sie wollen endlich was für die Opfer tun, wie Sie versprechen. Das klingt alles gut und schön, doch meinen Sie es wirklich ernst damit? Ich habe in meinem eigenen Verfahren so viel Hartherzigkeit, Unbarmherzigkeit, Herablassung, nicht eingehaltene Versprechungen und offene Lügen durch Ihre Vertreter und Kollegen in der Kirche erlebt, dass es mir schwer fällt, Ihnen gegenüber jetzt nicht anmaßend zu werden und Sie nicht der Heuchelei zu bezichtigen. Vielleicht meinen Sie es ja wirklich ernst. Doch wie kann ich Ihnen glauben? Anbei finden Sie drei Schreiben des Erzbistums Köln. Beantworten Sie mir doch mal folgende Fragen:

finden Sie das Verhalten Ihrer „Kollegen“ oder Glaubensbrüder richtig so? Was glauben Sie, hält wohl Jesus davon?

Nehmen Sie zum Beispiel das Schreiben des Generalvikars des Erzbistums Köln vom Juli 2015: „Aus unserer Sicht abschließend geklärt“ – wie unbarmherzig, unchristlich und unvermögend in Fragen menschlicher Einfühlsamkeit muss so ein Mensch sein, so etwas einem Opfer zu schreiben. Für mich ist nichts abschließend geklärt, denn ich bekam „lebenslänglich“, wie so viele andere (tausende und abertausende) Opfer auch. Ich fühle mich ein Stück weit um mein Leben betrogen, um das bißchen Normalität, auf gefestigtem wirtschaftlichem Boden eine Frau finden zu können und eine Familie gründen zu können. Ist das Gründen einer Familie nicht eine christliche Tugend, die niemand behindern sollte? Ich kämpfe bis heute um gesellschaftliche wie berufliche Teilhabe und darum, endlich meine unverschuldete Abhängigkeit von Sozialamt und Steuerzahler beenden zu können. Seit Jahren ringe ich mit dem Staat um das bißchen Entschädigungsrente, und der Staat versucht alles, seine Kosten zu minimieren. Ich (und wiederum unzählige andere) werden in ihren Verfahren routiniert gedemütigt und erleben Dinge, die unfassbar sind. Wie ich erst vor einiger Zeit erfuhr, hat ein Sozialbeamter des Landes Niedersachsen offen darüber berichtet, dass das Land regelmäßig ein festes Team von externen Ärzten und Gutachtern beauftragt, die stets die „zu teuren“ Ansprüche abschmettern und ihre Gutachten sogar ungeniert voneinander kopieren, um auf diese Weise gleichzeitig noch mehr Fälle abschmettern zu können. Hinter jedem Fall steht ein menschliches Schicksal, aber das interessiert keinen. Das Ganze vollzieht sich einfach so, aber die Kirche schweigt – und fällt ihren Opfern damit ein weiteres Mal in den Rücken…

So viele einflussreiche Personen habe ich um Hilfe gebeten, darunter Persönlichkeiten wie Frau Hannelore Kraft, Ministerpräsidenten Malu Dreyer, und alle ließen mir mitteilen, dass ich mich an Sie bzw. die Kirche wenden soll. Sie rieten mir, nicht zu verzweifeln, sondern weiterhin und standhaft für meine Entschädigung zu kämpfen.

Wie sehen Sie das eigentlich: sollte die Kirche nicht generell Barmherzigkeit zeigen und den Opfern ihrer Vertreter eine sichere und sozialversicherungspflichtige Arbeitsstelle zur Verfügung stellen, diese nötigenfalls sogar eigens einrichten? Wieso muss eigentlich der Steuerzahler die Grundsicherung der Opfer bezahlen, und wieso werden die Opfer damit obendrein Zeit ihres Lebens diskriminiert, indem sie nichts besitzen und keinerlei Vermögen aufbauen dürfen (siehe Voraussetzungen für den Bezug von Grundsicherung)???

die Kirche (katholische wie evangelische) sollte endlich ernsthafte Verantwortung auch für frühere Kinder und heutige Erwachsene übernehmen: die Kirchen bekommen so viele Steuergelder zur Verfügung, lassen sich sogar ihre Mitarbeiter vom Steuerzahler bezahlen, doch die Entschädigungen sind erbärmlich im Vergleich zu dem Leid der Opfer. Diejenigen, deren Gesundheit ruiniert wurde und die nicht mehr arbeiten können, sollten eine richtige und vor allem aufrichtige Entschädigung erhalten, welche sie frei von ihrer unverschuldeten Abhängigkeit vom Sozialamt und Steuerzahler macht. Das wäre eine echte „Anerkennung des erlittenen Leids“!

Ich bin nur einer von vielen, der sein Erlebnis mit der Kirche hat und seit Jahren hingehalten wird. Mittlerweile bin ich unendlich wütend über das unchristliche und unehrliche Gebaren der Kirchenoberen. Aufgrund meiner ganzen Erlebnisse in der Kindheit bin ich schwerbehindert und an einer PTBS erkrankt. Ich beziehe volle Erwerbsminderungsrente und möchte doch nichts anderes als arbeiten- Inklusion erfahren auf Augenhöhe mit gesunden Menschen. Doch die Kirche zeigt sich unbarmherzig und unchristlich. Was ich Ihnen jetzt schreibe, verbittert mich dabei zutiefst:

der heutige Erzbischof von Hamburg, Dr. Stefan Heße, hatte in seiner früheren Funktion als Generalvikar des Erzbistums Köln dem damaligen Präses und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche, Herrn Nikolaus Schneider, kurz vor dessen Ruhestand vor wenigen Jahren persönlich zugesichert, mir konkret vor Ort in meiner Heimatstadt bei der Eingliederung zu helfen (den Schriftverkehr habe ich sorgfältig archiviert). Der oberste Vertreter der Evangelischen Kirche hatte sich zuvor für mich eingesetzt, wie im Übrigen auch Frau Käßmann und andere bedeutende Persönlichkeiten. Doch von Seiten der Katholischen Kirche gab es nur leere Versprechungen, und in Wirklichkeit geschah nichts: ich warte schon so lange auf die zugesicherte und versprochene Hilfe der Katholischen Kirche. Ich möchte so gerne in das Erwerbsleben zurück und nicht mehr länger vom Steuerzahler abhängig sein.
Was wäre eigentlich falsch daran, wenn die Kirche grundsätzlich für Personen, die durch ihre Vertreter geschädigt wurden, soziale Verantwortung übernähme, und sei es durch berufliche Integration?
Aber die Kirche will offenbar nicht wirklich helfen, sondern nur ihre Macht ausbauen und die Menschen mit Allgemeinfloskeln einlullen, sie „berauschen“.

Heuchelei und vornehm versnobtes Schweigen, wo immer man hinschaut. Es ist erbärmlich! Ich befürchte, dass es immer so weiter gehen wird, denn die Führungspersonen decken einander und erteilen sich gegenseitig gegen uns Menschen an der Basis ihre Absolution…

Offen gefragt: wäre es nicht ein Akt christlicher Fairneß, wenn die Kirche den einstigen Kindern, die im Bereich der Kirche so Schlimmes erleben mussten, dass diese nachhaltig in ihrer gesundheitlichen wie beruflichen Gestaltungsfähigkeit eingeschränkt wurden, in aufrichtiger Anerkennung ihres erlittenen Leids eine berufliche Perspektive zur Eingliederung ermöglichen würde?

Für die Kirche wäre das lediglich eine Belastung, die sie spielend aus ihrer Portokasse leisten könnte. Wievielen Kindern von einst könnte man aufrichtig ihre Würde zurückgeben, wenn man sie von der Last des Sozialamtes (und umgekehrt) befreien würde und sie als wahrhafte „Anerkennung des erlittenen Leids“ beruflich integrieren würde? Das wäre doch echt christlich, oder nicht? Wahre christliche Barmherzigkeit bemisst sich an den Taten, weniger an leeren Worten, ist meine persönliche Überzeugung… Wie sehen Sie das?

Schauen Sie sich gerne auch mal die beiden beigefügten E-Mails von 2014/2015 (Büro des EKD-Ratsvorsitzenden und Schreiben des Persönlichen Referenten des Bischofs von Osnabrück) an und fragen sich, wie diese zusammenpassen. Sie sind doch ein gläubiger Christ, oder nicht? Was meinen Sie: sieht Jesus uns nicht genau an, jeden Einzelnen von uns, und wird er uns mehr an unseren Taten messen oder an unseren Worten???“

***************************

„Sehr geehrte Damen und Herren,

nun, da mal wieder der Missbrauch durch Kirchenvertreter in den Medien ist,

habe ich mich hingesetzt und meine Geschichte und“ Erfahrungen “ mit einem Kirchenmann aufgeschrieben.

Ich dachte immer, ich könne die Geschichte ruhen lassen, aber da immer wieder Geschehnisse an die Öffentlichkeit gelangen, werde ich dadurch auch immer wieder an meine eigenen Erlebnisse erinnert.

Nein, ich tauche nicht in der Statistik auf, da ich mich bis jetzt noch nicht getraut hatte meine Geschichte zu erzählen.“

***************************

„Bitte sehen Sie sich meinen Fall an. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie für mich etwas tun könnten. Mein Fall ist möglicherweise der Schlimmste.

Ich wurde als 11jähriger von einem kath Priester brutal missbraucht und lebensgefährlich verletzt. Nur durch dreimalige Operation habe ich zunächst überlebt.

Die Folgen: keine Frau, keine Familie, keine Kinder, zeugungsunfähig, keine Partner, allein lebend, körperliche Nähe unerträglich bis heute.

Es gab eine Akte, die jedoch verschwunden ist, nachdem die Kirchen-Oberen die grausame Tat erkannt haben. Meine sehr gläubigen Elter wurden eingeschüchtert. Es gab keine Anzeige, auch die Klinik musste schweigen.

Als der Missbrauchsskandal im Jahr 2010 in der Öffentlichkeit bekannt wurde, habe ich alle damit befassten Stellen um Hilfe gebeten. Es folgten unglaubliche Ausreden, unter anderem, ich soll den Bischöfen glauben und vertrauen, die werden das aufarbeiten.

Ich habe viele Unterlagen, auch einen persönlichen Brief von Bischof Marks, in dem er mein Schicksal bedauert, mehr nicht.

Ich bin 72 Jahre alt, schwerbehindert 100%, Artrose, Herz, und div., auf Rollstuhl angewiesen, kann meinen Alltag nur durch ehrenamtliche Betreuung bewältigen.

Auch bin ich finanziell in großer Not, 480.– Rente, 378.– Sozialhilfe.

Bitte helfen Sie mir.“

***************************

„Die Deutsche Bischofskonferenz verpflichtet sich, konsequenter als bisher auf Opfer von sexualisierter Gewalt zuzugehen. Für das Landeskomitee der Bayerischen Katholiken ist das alles „nicht zukunftsweisend“. Der Ernst der Stunde wird erst erkannt werden, wenn schuldige Bischöfe und Kardinäle den ersten Schritt in ein Gefängnis gehen, nicht mit Priesterkragen und Brustkreuz, sondern mit Handschellen und Fußfesseln.

XXX YYY, Pfarrer i.R.“

***************************

„Warum die ELTERN ihre Kinder vor Missbrauch in der christlichen Kirche schützen müssen (da die Kirchen es nicht können und die im Staat dafür Verantwortlichen nichts tun)

„Sexuelle Gewalt in kirchlichen Einrichtungen dürften in Deutschland aktuell etwa 200 000 Personen erlitten haben.“ … Von Wissenschaftlern des Kompetenzzentrums Kinderschutz in Ulm „wird für beide Kirchen mit jeweils etwa 100 000 Opfern gerechnet.“ (FAZ vom 24. 9. 2018, S. 1)
Soweit zum Tatbestand. Doch während alle von „der Kirche“ reden – und durchaus zu Unrecht damit v. a. die katholische Kirche meinen – und die Täter bitten, doch endlich abzulassen von ihrem bösen Tun, gibt es einen besseren, einen v. a. sichereren und verantwortlicheren Weg, den Tätern in den Arm zu fallen, statt sich zu verhalten wie das Kaninchen vor der Schlange.
Denn Eltern, die immer noch darauf warten, dass die Kirchen den Missbrauch von Kindern durch ihre Glaubensvertreter „in den Griff bekommen“, handeln inzwischen grob fahrlässig und müssen sich daher eine Mitverantwortung an der Gewalt gegen ihre Kinder durch Vertreter der Kirche zurechnen lassen, wenn es „dazu“ gekommen ist. Und bei geschätzten jeweils 100.000 Opfern durch Vertreter jeder der beiden christlichen Konfessionen in Deutschland (s. o.) ist die Wahrscheinlichkeit ja nicht besonders klein, dass es „dazu kommt“.
Also, Eltern, vertraut den Kirchen Eure Kinder (auch und gerade die Jungen!) nicht mehr an – sei es als Ministranten, sei es als Chormitglieder, als Teilnehmer an einer Wochenendfreizeit, einem Jugendlager oder oder oder …. !
Das heißt, schicken Sie Ihre Kinder ab sofort bitte konsequent nicht mehr in eine Einrichtung einer der christlichen Kirchen – denn diese Entscheidungsmöglichkeit haben Sie, und Sie haben sie jetzt und Sie sollten sie jetzt wahrnehmen – lange bevor der deutsche Staat vielleicht irgendwann in Jahrzehnten sein Abhängigkeitsverhältnis von den christlichen Kirchen ein bisschen abzubauen beginnt (wie es der irische Staat jetzt schon tut).
Natürlich wird den Kirchen damit nicht ein Gran ihrer Eigenverantwortung abgesprochen, geschweige denn werden sie im Geringsten exkulpiert für das, was sie in den letzten Jahrzehnten und inzwischen sehenden Auges zugelassen und zumindest indirekt gefördert haben – doch selbst wenn die Kirchen ernsthaft willens wären, ab jetzt mit allen Kräften gegen den Missbrauch von Kindern aus ihren Reihen vorzugehen: sie könnten es faktisch gar nicht, denn dazu müssten sie sich selbst zuwiderhandeln. (Wobei das gerade den „höheren“ Kirchenvertretern natürlich zumindest unterbewusst auch klar ist, sodass ihre Entsetzensbekundungen etc. letztlich lediglich opportunistische Lippenbekenntnisse darstellen und im besten Fall ihre tiefe Ratlosigkeit widerspiegeln. Eine Aufhebung des Zölibats jedenfalls ist keine Lösung – denn von Vertretern der protestantischen Kirche wird ja genauso missbraucht wie von katholischen Kirchenvertretern.)
Die Kirchen könnten es gar nicht, habe ich behauptet, und jetzt kommt kein „starker Tobak“, sondern ein nüchterner Blick auf die Fakten: denn anders als die beiden anderen monotheistischen Religionen, das Judentum und der Islam, sind die christlichen Kirchen ja von Hause aus grundsätzlich pädo-/homoerotisch inzestuös organisiert („inzestuös“ im psychoanalytischen Sinn verstanden) – und damit strukturell gar nicht reformierbar, oder sie müssten ihre eigenen Grundlagen widerrufen und sich damit selbst abschaffen.
Wenn ich mich nicht irre, lässt sich weder in der Thora noch im Koran ein Spruch finden wie das „Lasset die Kindlein zu mir kommen“ in der christlichen Bibel, und 12 Jünger (wenn man genau hinschaut, ist das ja eine recht umfangreiche Homo-Schar, die die Polygamie bzw. mögliche Promiskuität der anderen Religionsstifter weit hinter sich lässt) gibt es auch nur in der christlichen Familiengeschichte.
Apropos Familiengeschichte, und dazu, wie stark die christliche Kirche von einer strukturell inzestuösen Konstellation geprägt ist (während sie zugleich, und nicht im Widerspruch dazu, ihre Gläubigen in einer viel tieferen Infantilität fixiert als das in den anderen Weltreligionen der Fall ist):
Denn sowohl die Dreifaltigkeit (Vater/Sohn/Heiliger Geist) als auch die Familie Christi (Maria / Josef / Sohn) spiegelt, wieder ganz anders als in Judentum und Islam, schon im Gründungsmythos des Christentums die Familiensituation wider, wobei die hysterische Marienverehrung in der katholischen Kirche sich andererseits ganz wunderbar zur Abwehr der ins Christentum eingeschriebenen und zugleich verteufelten Homosexualität eignet.
Ja, und wenn man sich Gottvater (sic) und seinen Sohn anschaut, die entscheidende Spezialität im Christentum, fällt wohl auch dem ahnungslosesten Betrachter recht schnell die Gewalttätigkeit Gottes seinem „Sohn“ gegenüber ins Auge. Dieselbe Gewalt, auf deren Hintergrund in den nachfolgenden Jahrtausenden seine selbst ernannten Vertreter auf Erden ihre ja sehr menschliche Natur ausleben, die ihnen ausgelieferten Schwächeren beherrschen zu wollen. Eben das, was sich in sexueller Gewalt an Kindern manifestiert.
Und nicht zufällig wird der Papst in der katholischen Kirche als der Stellvertreter Christi auf Erden ja der „Heilige Vater“ geheißen, also Väter all überall. Und die Kardinäle, Bischöfe, Priester usw., die ganze Hierarchie also von oben (Gott) bis unten (der Religionslehrer z. B.), sie alle treten als Gottes Stellvertreter und mit göttlichem Nimbus auf. (Wobei beim Umgang der Priester mit Ministranten, mit Kindern im Konfirmationsunterricht usw. in der christlichen Kirche unbewusst womöglich noch Vorstellungen über die homoerotisch geprägte Knabenerziehung im alten Griechenland mit herumspuken, wenn die Herren Priester zufassen oder sich von den Jungen sexuell bedienen lassen – es sind ja weit überwiegend Jungen, die von Kirchenmännern missbraucht werden.)
So weit, so schlecht, und das ist ja nun alles nichts Neues – doch wie sollten Kinder das durchschauen können, wenn ihre Eltern sie den Kirchenmännern „vertrauensvoll“ überlassen haben?!
Also, nochmal meine Bitte: Eltern, liefert Eure Kinder nicht mehr der Kirche aus ! Macht es wie die Iren – die kein Vertrauen mehr in eine Kirche haben, deren Gewalt im 20. Jahrhundert Zehntausende von Opfern in ihrem kleinen Land gefordert hat, und die aus diesen bitteren Erfahrungen bewundernswert schnell die richtigen Konsequenzen gezogen und sich von dieser Kirche abgewendet haben.
Denn kein Kind kann so unglücklich dadurch werden, dass es nicht Ministrant sein oder nicht mit auf eine Ferienfreizeit fahren soll, wie es sein Leben lang unglücklich und tief verstört sein wird, nachdem ein Mann Gottes es missbraucht hat. Und das nicht geschehen zu lassen, ist zuallererst die Aufgabe ihrer Eltern – denn von der Kirche und vom Staat können Ihre Kinder diesen Schutz in Deutschland leider nicht erwarten. Diesen Schutz mit allem Nachdruck einzufordern, ist das Eine – doch Ihre Kinder jetzt tatsächlich vor einem Missbrauch in der Kirche zu bewahren, diese Möglichkeit haben nur Sie, ihre Eltern.“

Thomas Reinke  (September 2018)

***************************

„Niemals wird die Kirche zu Ihren Fehlern stehen ,ich bin auch ein Opfer der Kirche Mißbrauch und Mißhandlung , in den 70ziger Jahren . Es hört nie auf wen der Staat nicht hingeht und dem einen Riegel vorschiebt ! Der Staat steht genauso in der Verantwortung, seine Kinder zu schützen . Meine Seele leidet muß das jetzt auch anderen Kindern so gehen ? Das muß eine Ende haben !!!!!“

***************************

Was ich vermisst habe ist die Frage, warum die Opfer nicht ein echte Klage bei Gericht gegen die betr. Geistlichen einreichen? Es kann ja wohl nicht sein, daß Geistliche der Justiz schlichtweg entzogen werden??

***************************

Kontakt:  info [ät] eckiger-tisch.de

Hinweis: Wir veröffentlichen Ihre / Eure Stimmen hier grundsätzlich anonymisiert, es sei denn, es wird ausdrücklich gewünscht, dass der Name genannt wird.