Am Runden Tisch: „Kein anklagender Ton gegenüber der Kirche“

ministerinnen_pressefotoDie Kirche kann erleichtert aufatmen. Beim ersten Zusammentreffen des Runden Tisches habe es „überhaupt keinen anklagenden Ton gegenüber der katholischen Kirche gegeben, ganz im Gegenteil.“ Das erklärte Bischof Ackermann gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Ackermann ist einer von drei Kirchen- vertretern unter insgesamt 61 Teilnehmern des Runden Tisches (die anderen beiden sind Jesuiten-Privinzial Dartmann sowie Karl Jüsten, der „Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe – Katholisches Büro in Berlin“).

Einige Pressestimmen:

Die Berliner Zeitung titelt Missbrauchsopfer fühlen sich ausgeschlossen.

jüsten_pressefotoJüsten wies im Münchner Kirchenradio die Kritik zurück, dass die Opfer am Runden Tisch nicht ausreichend vertreten seien, zurück. Die anwesenden Opferverbände hätten die Opfer hervorragend vertreten. Ein Tisch müsse damit leben, dass seine Teilnehmerzahl begrenzt ist.

Auf Spiegel Online kritisieren Grüne und Kinderschutzbund den Runden Tisch.

„Runder Tisch“ – ohne die Betroffenen?

runder_tischAm Freitag (23. April) tagte erstmals der Run­de Tisch der Bun­des­re­gie­rung mit dem griffigen und allumfassenden Motto „Se­xu­el­ler Kin­des­miss­brauch in Ab­hän­gig­keits- und Macht­ver­hält­nis­sen in pri­va­ten und öf­fent­li­chen Ein­rich­tun­gen und im fa­mi­liä­ren Be­reich“.

Hier die offizielle Teilnehmerliste

Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnar- renberger sagte dazu auf Deutschlandradio Kultur (16. April 2010), am Runden Tisch der Bundesregierung sollen „Vertreter von Opfern ihre Erfahrungen, ihre Kenntnisse, ihre Eindrücke mit einbringen, denn wir wollen hier nicht über die Opfer reden, sondern wir wollen da natürlich auch die Gelegenheit schaffen, gerade mit Opfern ins Gespräch zu kommen.“
Und warum sind wir dann nicht eingeladen?

ARD-Reportage „Sündenfall Missbrauch“

sündenfallZwei Tage vor dem ersten „Runden Tisch“ der Bundesregierung strahlt die ARD am 21. April um 23:30 Uhr die Dokumentation Sündenfall Missbrauch – Kirche in der Krise aus.

In dieser Gemeinschaftsproduktion von NDR, WDR und RBB kommen ausführlich zwei Missbrauchsopfer von Statt zu Wort.

Hier zwei kurze Radiobeiträge über diese Reportage: Ein Beitrag vom NDR sowie ein kurzes Interview mit der Journalistin Margarethe Steinhausen. Weitere Informationen hier

Wiederholungstermin: Phoenix, 12./13. Mai 2010, 00:00 Uhr

ZDF-Diskussion am 22. April um 22:15 Uhr

illnerAm Vorabend des Runden Tisches der Bundesregierung bringt das ZDF ein 75-minütiges Maybrit Illner spezial mit dem Thema: „Missbrauchen und vertuschen – geht der Verrat an unseren Kindern immer weiter?“

Gäste:  Bundesfamilienministerin Kristina Schröder, der Hamburger Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, der Theologen und Pädagoge Bernhard Bueb, Wolfgang Niedecken, Thomas Pfister, Rechtsanwalt und Sonderermittler im Fall Kloster Ettal, sowie Ursula Enders, Leiterin und Mitbegründerin von „Zartbitter“.

SATIRE: Plaudernachmittag mit Frau Raue und ihrem neuen Kompetenzteam

raueAm Samstag, 17. April 2010 folgten 21 Missbrauchsopfer von Statt und Riedel einer Einladung von Frau Raue, der „Missbrauchs- beauftragten“ des Jesuitenordens, nach Berlin.

Hier ein Erlebnisbericht:

Nach einer Eingangskontrolle vor dem Gebäude durch zwei junge Damen (Raue: „Das sind Freundinnen meiner Tochter„), die die Namen der ehemaligen Missbrauchsopfer kontrollierten („Bitte bringen Sie Ihren Personalausweis mit“), konnte es auch schon losgehen.

Auf dem „Podium“ präsentierte Frau Raue ihr neues Kompetenzteam: Drei bisher völlig unbekannte Personen, die Frau Raue aber beruhigenderweise schon lange kennt, nämlich Herr Dr. Nevermann („Meine Tochter ist auf dem Canisius-Kolleg„) sowie eine junge Frau mit unbekanntem Namen („Meine beiden Geschwister waren auf dem AKO„) und einen älteren Herrn (Aldo Graziani? – „Ich war neun Jahre lang in einem Landschulheim„). Es blieb jedoch auch nach einer von den überraschten Teilnehmern gewünschten Vorstellung der drei Personen völlig unklar, warum Frau Raues Freunde („Ich kenne Frau Raue schon seit den 60er Jahren„) jetzt auch mitmachen.

Frau Raue kam nicht mit leeren Händen, sondern hatte Infomaterial vorbereitet: Jeder Betroffene bekam ein fotokopiertes Blatt mit der Tagesordnung.

(wird fortgesetzt)