Matthias Katsch berichtet vom Missbrauchsgipfel in Rom

Freitag, 22. Februar 2019

9:00 UhrWelt N24:  Live-Interview mit Matthias Katsch auf dem Petersplatz

 

 

 

 

Ob ein anstehendes Ereignis als historisch zu bezeichnen ist, lässt sich naturgemäß immer erst im Rückblick entscheiden. Ein einschneidendes Datum wird der Missbrauchsgipfel der katholischen Bischöfe vom 21. bis 24. Februar in Rom auf jeden Fall sein − für die katholische Kirche, für die Betroffenen-Bewegung, und für mich auch ganz persönlich. 

Ich werde in dieser Woche in Rom an den verschiedenen Aktivitäten der Opfer / Überlebenden / Aktivisten aus aller Welt mitwirken und Gespräche mit Medienvertretern führen. Darüber möchte ich  täglich an dieser Stelle berichten. 

Tag 4:  Donnerstag, 21. Februar 2019

tagesschau (ARD)
mittagsmagazin (ZDF)
NDR info: „Wir fordern Änderungen des Kirchengesetzes“
heute (ZDF)
18:45 Uhr –  WDR Fernsehen (aktuelle stunde)
heute-journal
SPIEGEL ONLINE

Weitere Medien-Links in unserer Presseschau

Tag 4: Mittwoch, 20. Februar 2019

TV-Hinweis:
Kirche im Kreuzfeuer – Was tut der Papst gegen den Missbrauch?
Gäste:
– Bernd Hagenkord, „Vatican News“
– Matthias Katsch, Sprecher ECKIGER TISCH
– Doris Wagner, ehemalige Ordensfrau und Missbrauchsopfer
– Notker Wolf, Benediktiner und ehemaliger Abtprimas

Tag 3:  Dienstag, 19. Februar 2019

#NunsToo

Der Ansturm der Presse hält an, die zahlreichen Interviews kosten Energie. Unsere Beratungen am Dienstag dienten zur Vorbereitung der Pressekonferenz am heutigen Mittwoch im Saal der Auslandspresse in Rom. Eine unerwartete Einladung an einige Betroffene aus dem Kreis von ECA zu einem Gespräch mit dem Team um Bischof Scicluna, das den Krisengipfel der Bischöfe vorbereitet hat, verursachte viel Hektik.

Wir sind nicht nach Rom gekommen, um unsere persönlichen Geschichten zu erzählen, sondern haben konkrete Forderungen formuliert:  #NullToleranz gegen Täter und Vertuscher,  #TruthAndJustice für die Opfer / Überlebenden.

Diese werden wir übermitteln und zugleich darauf hinweisen, dass es ein sehr schlechter Stil ist, die gewählten Vertreter einer Organisation, mit der man sprechen will, zu ignorieren und über unklare Wege Kontakt zu einzelnen Mitgliedern aufzunehmen. Deshalb werden alle ECA-Mitglieder am Mittwoch nach unserer Pressekonferenz zu den Büros beim Vatikan gehen, in dem das Meeting stattfinden soll. Unklar blieb auch, ob wie von uns gefordert, Papst Franziskus an diesem Gespräch teilnehmen wird.

 

 

 

 

 

 

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Dazwischen gab es am Dienstagnachmittag eine eindrucksvolle Pressekonferenz von Frauen von „Voices of Faith“, darunter unser ECA Mitglied Virginia Saldanha aus Indien, die langjährige SNAP-Vorsitzende Barbara Dorris sowie Doris Reisinger (früher: Doris Wagner), die kürzlich in einem eindrucksvollen Gespräch mit dem Wiener Kardinal im BR zu sehen war. Es ging um den Kampf gegen die sexuelle Gewalt von Priestern gegen Frauen, insbesondere Nonnen. Die Darstellung der undemokratischen, männerbündischen Machtstrukturen und Mechanismen, die diese Verbrechen ermöglichen und zugleich deren Aufdeckung behindern, ähnelte sehr der Analyse von Ursachen und Gründen für den fortgesetzten Kindesmissbrauch durch Priester weltweit.

 

Tag 2:  Montag, 18. Februar 2019

Auftakt mit vielen Themen

Schwule Priester, das Doppelleben von Bischöfen und Kardinälen im Vatikan, der Missbrauch von Nonnen, die verheimlichten Kinder von Priestern – zum Auftakt dieser Woche der Wahrheit stehen viele Themen medial auf der Agenda. Dazu der Zölibat, Frauenpriestertum und Kirchenreform – die katholische Kirche und ihre verschiedenen internen Lager haben diese Woche eine Menge zu diskutieren. Die Nachricht von der Entlassung des schwulen Missbrauchstäters McCarrick, der als Bischof, Erzbischof und Kardinal seine Macht ausgenutzt hat, um Minderjährige zu missbrauchen und sich an jungen Priesteramtskandidaten zu vergehen, prägt die Berichterstattung insbesondere der US-Medien.

Alles wichtige Themen. Doch die Sorge ist da, dass dabei das eigentliche Anliegen dieses Krisengipfels zu einem Thema unter vielen werden könnte. Wir wollen versuchen, unsere zentralen Fragen im Fokus zu behalten: Wie gelingt die Aufarbeitung des tausendfachen Unrechts an Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen der Kirche und durch ihre Kleriker weltweit, wie und durch wen kann dabei die Rolle der Zentrale, des Vatikans, dabei untersucht werden, wie soll Hilfe und Unterstützung für die Opfer und Überlebenden organisiert werden und wie muss eine angemessene Entschädigungen für das institutionelle Versagen der Kirche aussehen.

40 Betroffene aus allen Teilen der Welt treffen sich in einem römischen Hotel nahe der Vatikanstadt, um in den kommenden Tagen zu beraten, wie sie den Druck auf die Kirchenführung aufrechterhalten können und den Opfern in Weltregionen helfen können, in denen es bislang schwer ist, sexuelle Gewalt aufzudecken. Die Teilnehmer kommen unter anderem aus den USA, Jamaika, Ecuador, Peru, Chile, Mexiko, England, Irland, Deutschland, Italien, Polen, Belgien, Schweiz, Spanien, dem Kongo und Indien. Einige haben es nicht nach Rom geschafft, Janet aus Uganda etwa erhielt kein Visum.

Nach zwei Stunden steht ein erster gemeinsamer Auftritt vor den Medien auf dem Programm. Gemeinsam gehen wir zu dem wenige hundert Meter entfernten Pressezentrum des Vatikans am Ende der Via della Conciliazione gleich neben dem Petersplatz. Wir spüren die deutlich erhöhten Sicherheitsmaßnahmen, sind sogleich umringt von einer Gruppe von zivilen Sicherheitsbeamten, die aus der Menge der Touristen auftauchen. Unsere mitgebrachten Banner und Plakate werden unter die Lupe genommen, fotografiert. Nach längerer Diskussion dürfen wir sie behalten.

Doch der Deal ist klar: Wir dürften sie nicht auf dem Petersplatz enthüllen, sonst werden sie beschlagnahmt. Da wir noch eine Menge vorhaben diese Woche, akzeptieren wir und lassen uns von den aufmerksam gewordenen Pressefotografen ablichten, während wir auf das Ende der Pressekonferenz warten. Drinnen im überfüllten Pressezentrum stellt die Vorbereitungsgruppe des Vatikan-Gipfels den Ablauf der Beratungen der Bischöfe dar, und die thematischen Oberbegriffe für die drei Tage werden vorgestellt: responsibility, accountability und Transparenz. Am Samstag wird der deutsche Kardinal Marx dazu einen Impulsvortrag halten. Da bin ich mal gespannt.

Als die Journalisten schließlich aus dem Saal strömen, stellen wir uns zu einem gemeinsamen Statement auf, Peter Isely, Pete Saunders und ich, hinter uns die Gruppe. Es wird ein großes Gedränge, aber wir können unsere Botschaft vermitteln: Null-Toleranz gegen Täter und Vertuscher heißt Entlassung aus dem Priesterstand auch für die verantwortlichen Bischöfe, Transparenz bedeutet Öffnung der Archive für unabhängige Untersuchungen. Wahrheit und Gerechtigkeit für die Opfer. Die Betroffenen, die nach Rom gereist sind, sind bereit, dem Papst und den Bischöfen ihre Expertise zur Verfügung zu stellen, wenn man sie denn anhören will.

Danach gibt es noch zahlreiche Folgeinterviews. Francesco Zanardi, der italienischer Betroffenenvertreter von der Rete l’abuso kommentiert für die italienischen Medien, der peruanische Journalist und ECA-Aktivisten Pedro Salinas, selbst Opfer der katholischen Missbrauchssekte „Sodalicio de Vida Cristiana“, spricht zu den Spanisch sprechenden Journalisten über den Prozess, der vom Ortsbischof gegen ihn angestrengt wurde, weil er die Machenschaften des Kultes aufgedeckt hatte. Ihm drohen drei Jahre Haft. Juan, ein junger Mann aus Ecuador, der von Mitgliedern des „Sodalicio“ missbraucht wurde, spricht darüber, wie er als einziger von etwa 100 Opfern bereit war, seinen Peiniger anzuzeigen und die Anzeige auch auf Druck nicht zurückziehen will. Ich selbst spreche noch mit der ARD und dem Schweizer Fernsehen.

Erschöpft kehren wir zu unserem Hauptquartier zurück, einem kleinen Versammlungsraum in einem nahegelegten Hotel, um bis in den Abend über eine Satzung, Ziele und Formen der vernetzen Zusammenarbeit zu diskutieren. Wir sind stolz an diesem Tag. Dieser Gipfel verdankt sich dem jahrelangen Engagement von Betroffenen weltweit. Wie ernst die Verantwortlichen, die Herausforderung der kommenden Tage nehmen, zeigt sich an der ungewöhnlich guten medialen Vorbereitung durch die vatikanischen Veranstalter. Sie haben eine eigene Webseite eingerichtet (www.pbc2019.org) und den Hashtag #pbc2019 vorgestellt.

Am morgigen Dienstag geht es weiter mit Pressearbeit und mit unseren Beratungen. Jetzt gilt es, die Pressekonferenz für den Mittwoch vorzubereiten. Der Vatikan hat informell Mitglieder von ECA für ein Treffen mit dem Vorbereitungskomitee angefragt, ebenfalls am Mittwoch früh. Damit müssen wir erst einmal umgehen.

 

Tag 1:  Sonntag, 17. Februar 2019

Der lange Weg nach Rom

Endlich ist das Thema da, wo es hingehört: In der Zentrale der Weltkirche, die mit ihren organisatorischen Strukturen und ihren Lehren insbesondere zur menschlichen Sexualität eine „Kultur des Missbrauchs und der Vertuschung“ von sexueller Gewalt gegen Kinder, Jugendliche und vulnerable Erwachsene geschaffen hat, so Franziskus in einem Brief an die Bischöfe in Chile im letzten Jahr.

 

Viele fragen, was von einem solchen Treffen zu erwarten ist. Die Erwartungen der Öffentlichkeit an den Krisengipfel werden vom Vatikan bereits heruntergespielt. Die Tatsache, dass diese Versammlung überhaupt stattfindet, ist bereits eine kleine Sensation. 34 Jahre nach dem Beginn der öffentlichen Aufmerksamkeit für diese Art von Verbrechen (1985 hatte sich ein Priester in Louisiana vor Gericht schuldig bekannt, elf Jungen sexuell belästigt zu haben), nach Boston und vielen anderen Orten in den USA, nach unzähligen Skandalen in Irland, Australien, Kanada, Deutschland und ganz Mitteleuropa, schließlich Chile und weiterer Staaten Lateinamerikas, nach dem Bekanntwerden vieler weiteren Fälle in fast allen Ländern dieser Erde, in denen die katholische Kirche präsent ist, wird sexueller Kindesmissbrauch nunmehr zum Thema eines Versammlung der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen der Welt gemacht. Endlich, möchte man sagen.

Eine solche Zusammenkunft gab es noch nie. Allenfalls ein Konzil, also eine Vollversammlung aller Bischöfe, hätte mehr Aufmerksamkeit erregen können. Es wird damit vor den Augen der Weltöffentlichkeit klar gemacht, dass die Kirche in einer weltweiten Krise ist. Sexueller Kindesmissbrauch durch Kleriker ist kein Problem einiger Länder im Norden und Westen des Globus ist, sondern ein generelles Phänomen in der Kirche.

Aber jenseits der Symbolik, die in dem Ereignis selbst liegt, muss es auch darum gehen, einen Anfang zu setzen und sich mit den dringenden Fragen, die nicht nur die Betroffenen an die Kirche haben, auseinanderzusetzen.

Untersuchungs- und Forschungsberichte weltweit − in Australien wie in Pennsylvania oder in Deutschland − haben immer wieder dieselben Risikofaktoren oder Themenbereiche identifiziert, die zu einer geradezu endemischen Verbreitung von sexuellen Übergriffen durch Priester auf ihnen anvertrauten Kinder und Jugendliche beiträgt, diese Verbrechen begünstigt sowie ihre Aufdeckung behindert:
– Die Frage der Macht der Priesterschaft in der Kirche,
– die Einstellung und Lehre zur menschlichen Sexualität − insbesondere das vormoderne Verständnis der Homosexualität −,
– der Zölibat als zwangsweise Lebensform der Priester und schließlich
– die Frage der Beichte und des Beichtgeheimnisses.

Die Einzelbeichte ist ein besonderer Risikoort, vor allem wenn dort aufgrund des antik anmutenden Sündenverständnisses der Kirche bereits mit vorpubertären Kindern über Sexualität („das Sechste Gebot“ im Jargon der Kirche) gesprochen wird. Die mangelnde Zusammenarbeit mit weltlichen Behörden bei der Verfolgung von Missbrauchstätern im Klerus wurde immer wieder mit der Geheimhaltung von dem Beichtvater bekannt gewordenen Sünden − besser: Verbrechen − als besonderem Merkmal des Sakraments der Beichte begründet. Auch wenn diese Argumentation auch theologisch auf wackligen Füssen steht: Unbestritten ist, dass es in der Kirche in Bezug auf Verfehlungen der Kleriker eine besondere Kultur der Intransparenz und Geheimhaltung gab und immer noch gibt. Das Stichwort ist hier das berüchtigte „päpstliche Geheimnis“.

Allein eine Aufzählung dieser zentralen Problemfelder zeigt, dass eine solche Versammlung in vier Tagen keine vernünftigen Ergebnisse erzielen kann. Dennoch sind diese auch innerkirchlich heftig umstrittenen Themen vermutlich nicht einmal die schwersten Brocken, die vor den Bischöfen und dem Papst liegen. Denn es geht dabei ja um die Zukunft, um die Frage, wie die Kirche ein sicherer Ort für Kinder und Jugendliche werden kann. Die Zehntausenden von Opfern und Überlebenden dieser Verbrechen in aller Welt erwarten eine Antwort auf ihre Forderungen nach Aufklärung der Verantwortlichkeiten, nach Hilfe und Unterstützung und schließlich nach einer angemessenen Entschädigung für das institutionelles Versagen der Kirche.

Wie soll eine Aufarbeitung dieser Verbrechen in zahllosen Bistümern und Ordensgemeinschaften geschehen? Wie wird dabei die Zentrale der Kirche einbezogen? Schließlich lagern Tausende von Akten aus aller Welt im Vatikan.

Die Opfer / Überlebenden / Aktivisten von Ending Clergy Abuse (ECA), die sich zu einem Alternativen Gipfel in dieser Woche in Rom versammeln, fordern für das Treffen Fortschritte bei zwei konkreten Themen: Null-Toleranz und Schluss mit der Vertuschung. Dazu sollten konkrete Änderungen im Kirchenrecht vorgenommen werden. Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen sollte endlich als Verbrechen an diesen selbst und nicht länger nur als Verstoß des Klerikers gegen seine Pflichten definiert werden. Und es sollte klargestellt werden: Wer als Priester Kinder missbraucht, kann nicht länger Priester sein, und wer das als Bischof oder Ordensvorgesetzter vertuscht hat, disqualifiziert sich für Führungsämter in der Kirche.

Diese simplen Festlegungen würden der seit langem immer wieder lautstark verkündeten Null-Toleranz-Politik des Papstes endlich Taten folgen lassen. Als oberster Gesetzgeber der Kirche könnte Franziskus diese Änderungen aus eigener Macht jederzeit einleiten. Er hat es bislang nicht getan. Der Missbrauchsgipfel gibt ihm nunmehr die Gelegenheit, zu zeigen, dass er nicht nur gut im Ankündigen ist.

Schließlich ein Ausblick auf den kommenden Samstag, wenn das Treffen der Bischöfe in den Endspurt geht: Da versammeln wir uns ab 11:00 Uhr in den Gärten bei der Engelsburg, um durch die römische Innenstadt zum Vatikan zu ziehen.

An alle, die am 23. Februar in Rom sind, ob als Besucher oder beruflich oder als BewohnerInnen: Bitte kommt alle und unterstützt die Betroffenen aus aller Welt bei ihrem #MarchToZero. Die zentralen Forderungen lauten:

#ZeroTolerance    

#ZeroCoverup     

#TruthAndJustice.

Bitte verbreitet den Aufruf. Wir werden versuchen, die Demonstration auch in den sozialen Medien zu streamen und somit für alle zugänglich zu machen, die diese Reise nach Rom nicht antreten konnten, weil ihnen Zeit und Geld dafür fehlen.

Und damit verbunden die Bitte: Ich nehme mir die Zeit, aber Geld kostet die Reise und der Aufenthalt natürlich auch. Wer die Arbeit von ECKIGER TISCH unterstützen möchte, hier wäre ein guter Anlass dazu.

Morgen berichte ich über den Auftakt der Betroffenenversammlung, die Erwartungen der Betroffenen und über die Stimmung in der Stadt vor dem „Missbrauchsgipfel“.

Matthias Katsch (Rom)

Kontakt: info@eckiger-tisch.de

ECKIGER TISCH beim „Missbrauchsgipfel“ in Rom

Für Ende Februar (21. bis 23.2.) hat der Papst die Vorsitzenden der nationalen Bischofskonferenzen weltweit (insgesamt ungefähr 180 Bischöfe und Kardinäle) zu einem „Missbrauchsgipfel“ in den Vatikan eingeladen.

Die Betroffenen hat er nicht eingeladen. Sie kommen aber trotzdem.

Parallel zu der Veranstaltung im Vatikan treffen sich Betroffene aus einer Vielzahl von Ländern auf Einladung der im letzen Jahr gegründeten Interessengemeinschaft ENDING CLERGY ABUSE – the global Justice Project (ECA). Zu den Gründern gehört auch der Sprecher der deutschen Betroffeneninitiative ECKIGER TISCH, Matthias Katsch. Er ist außerdem zur Zeit einer der fünf Direktoren von ECA.

Matthias Katsch wird in der Woche vom 18.-24.2 in Rom sein und ist für Presseanfragen erreichbar. Allerdings nimmt er an den verschiedenen von ECA organisierten Veranstaltungen teil. Zu dem von ECA organisierten Alternativen Missbrauchsgipfel der Betroffenen werden etwa 50 Teilnehmer aus etwa 20 Ländern erwartet. Außerdem wird eine unbekannte Zahl von Betroffenen auf eigene Faust nach Rom kommen.

Aus deutscher Sicht ist uns besonders wichtig,

1. den Aufarbeitungsprozess konkret zu machen: Namen, Daten, Fakten,unabhängige Ermittlerteams und Kommissionen, Einblick in die Akten auch des Vatikans;

2. großzügige Hilfsangebote für die Opfer, bei der die Kirche aber bereit sein muss, die Kontrolle abzugeben und mit Betroffeneninitativen, Beratungsstellen und dem Staat zusammenarbeiten. Viele Opfer wollen keinen direkten Kontakt mehr zur Täterorganisation, brauchen aber dennoch Hilfe.

3. Zur Gerechtigkeit gehört eine angemessene Entschädigung. Darüber muss endlich gesprochen werden, wenn wie in vielen Fällen in Deutschland und weltweit, die staatliche Justiz nicht oder nicht mehr für einen solchen Ausgleich für den Missbrauch und die Folgen sorgen kann.

Das Programm in Rom wird wie folgt aussehen:

Wednesday, February 20
11:00 a.m.
Press Conference — Countdown to Zero Tolerance.
Foreign Press Room – via dell’Umiltà, 83, 00187 Roma

Thursday, February 21
5:00-6:30 p.m.
Global Twilight Vigil for Justice.
Giardini di Castel Sant’Angelo

Friday, February 22
11:00 a.m.
International Religious Orders and the Abuse Crisis.
Outside the International Headquarters of the Benedictine Order,
Sant’Anselmo all’Aventino Church, Piazza dei Cavalieri di Malta, 5, 00153 Roma

3:00 p.m.
Survivors Stories and Testimony.
Piazza delle Vaschette, 13, 00193 Roma.
Event is open to the press

Saturday, February 23
Global “March for Zero” Tolerance.
March begins at Giardini Castel Sant’Angelo at 11:00 a.m. and will end at St. Peter’s Square

Sunday, February 24
Final Press event — What’s Next for Survivors, the Catholic Church and theAbuse Crisis.
Location and time to be announced.

Die ganze Woche über wird die ECA-Versammlung zusammenarbeiten und versuchen, Antworten zu geben:
– Wie schaffen wir Gerechtigkeit für die Opfer?
– Wie helfen wir gerade auch Betroffenen in Ländern, in denen die Öffentlichkeit bisher nicht unterstützend ist sondern eher opferfeindlich?
– Wie schützen wir Kinder und Jugendliche im Einzugsbereich der Kirche besser?

Dazu haben wir der Kirche und der Öffentlichkeit einiges zu sagen. Wenn die Kirche, die Bischöfe und der Papst denn zuhören würden.

Pressekontakt:  presse@eckiger-tisch.de

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Möchten Sie die Aktivitäten von ECKIGER TISCH in Rom mit einer Spende unterstützen? Weitere Informationen finden Sie HIER.

 

Erklärung zum 9. Jahrestag am 28. Januar 2019

Seit neun Jahren fordern wir nun schon Aufklärung, Hilfe und Genugtuung vom Jesuitenorden und der katholischen Kirche. Wir fordern

– Aufarbeitung der Ursachen,

– Hilfe und Unterstützung bei der Bewältigung der Folgen, und schließlich

– eine angemessene finanzielle Entschädigung für das im Raum der Kirche durch Priester erlittene Unrecht und die anschließende Vertuschung durch die Institution.

Auch für die bis heute andauernde quälend langsame Auseinandersetzung mit den Vertretern der Kirche ist eigentlich eine Entschädigung fällig. Nicht wenige Menschen sind durch das Verhalten der Kirchenvertreter und ihre Abwehr von Verantwortung erneut verletzt worden.

Seit der Vorstellung der MHG-Studie im letzten Herbst ist eine unabhängige Aufarbeitung wahrscheinlicher geworden. Umso wichtiger wäre es, ein wirkliches Opfergenesungswerk für die Menschen ins Leben zu rufen, die unter den Folgen des in der katholischen Kirche erlittenen sexuellen Gewalt leiden und auch in Zukunft noch auf Hilfe angewiesen sein werden. Diese Verantwortung darf nicht einfach auf die staatliche Gemeinschaft abgewälzt werden.

Nachdem auch die Deutsche Bischofskonferenz anerkannt hat, dass wir es nicht mit einer Vielzahl von Einzelfällen, sondern einem Systemversagen zu tun haben, steht auch der Jesuitenorden nun in der Verantwortung, daraus die Konsequenzen zu ziehen.

Wir fordern auch weiterhin eine angemessene finanzielle Entschädigung. Gespräche mit den Betroffenen über Höhe und Modalitäten sollten umgehend beginnen und von staatlicher Seite moderiert werden.

 

SPENDEN-AUFRUF

Anfang 2010 haben ehemalige Schüler des Canisius-Kollegs in Berlin die öffentliche Debatte über die Missbrauchsfälle durch katholische Priester angestoßen und die Betroffeneninitiative ECKIGER TISCH gegründet. Seitdem kümmert sich ECKIGER TISCH um die Interessen der sehr zahlreichen Betroffenen.

Nach neun Jahren privater Finanzierung aus unseren privaten Geldmitteln sind wir an unser Limit gestoßen. Wir leisten unter anderem Beratung und Vernetzung sowie intensive Presse- und Lobbyarbeit für die Betroffenen des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche. Das ist mittlerweile quasi ein Fulltimejob geworden. Fast täglich wenden sich Betroffene aus ganz Deutschland an uns.

Unser Jahresbericht 2018 vermittelt einen Eindruck unserer Aktivitäten. Leider erhält der ECKIGE TISCH keinerlei finanzielle Unterstützung, weder von der katholischen Kirche noch von staatlicher Seite. Daher bitten wir jetzt um Spenden. Unser Verein ist gemeinnützig und stellt steuerabzugsfähige Spendenquittungen aus:

ECKIGER TISCH e.V.
IBAN: DE34100205000001271700
Bank für Sozialwirtschaft
BIC: BFSWDE33BER

Erklärung zur heutigen Mitteilung, dass in dem Verfahren gegen den Ex-Jesuiten Peter Riedel ein Urteil des Kirchengerichts Berlin ergangen ist

Dies ist eine wichtige Nachricht für die vielen Opfer dieses Mannes: In Berlin, im Bistum Hildesheim, in Südamerika. Als Sprecher der Betroffeneninitiative ECKIGER TISCH, als Betroffener und als Kläger bin ich persönlich erleichtert, dass dieses Verfahren nach acht Jahren nun endlich abgeschlossen ist.

Bitter ist jedoch die Erkenntnis, dass es nicht zu einem weltlichen Urteil kommen wird. Das hätte ganz andere Auswirkungen gehabt. Auch wenn das Strafmaß noch nicht öffentlich bekannt ist, so ist dieses Ergebnis wohl das Beste, was im Rahmen eines kirchliches Verfahren überhaupt erreicht werden konnte. Insofern haben sich die enormen Anstrengungen der Betroffenen, die an dem Verfahren mitgewirkt haben, gelohnt. Zugleich sind wir traurig, weil nicht alle Opfer dieses Serientäters diesen Tag mehr erleben können.

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ECKIGER TISCH begrüßt Ermittlungen und fordert Gerechtigkeits- und Wahrheitskommission, Anzeige aller bekannten Täter sowie Entschädigung der Betroffenen

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Wir begrüßen, dass Staatsanwaltschaften in Deutschland Ermittlungen wegen sexu­ellen Kindesmissbrauchs aufgenommen haben, nachdem eine Gruppe von Straf­rechtlern im Gebiet aller 27 deutschen Diözesen Anzeige gegen Unbekannt erstattet hat.

Gerechtigkeits- und Wahrheitskommission

Viele Fälle aus der Vergangenheit entziehen sich jedoch einer staats­anwaltlichen Ermitt­lung, etwa wenn nach Vorermittlungen feststeht, dass der Täter ver­storben oder die Tat bereits verjährt ist. Das dürfte für die Mehrzahl der in der MHG-Studie der Deutschen Bischofskonferenz erwähnten 3.677 Fälle gelten.

Deshalb erneuern wir unsere Forderung zur Einrichtung einer Gerechtigkeits- und Wahrheitskommission. Diese Kommission muss unabhängig sein, in staatlichem Auftrag ermitteln, Zeugen anhören und alle relevanten Archive und Akten aus­wer­ten. Eine un­abhängige Aufarbeitung muss Namen, Fakten, Orte etc. konkret benennen, um Täter­strategien, Netzwerke, Muster aufzeigen zu können und Täter zu stoppen.

Anzeige aller bekannten Täter

Weiterhin fordern wir, dass alle 27 Bistümer und die zahlreichen Ordensgemeinschaften alle ihnen bekannten Missbrauchsfälle, bei denen die Täter noch leben, bei der Staats­anwaltschaft anzeigen. Es ist Aufgabe der Staatsanwaltschaft, eine Verjährung bzw. ei­nen weiteren Ermittlungsbedarf festzustellen, nicht aber die Aufgabe der Institution, bei der der Täter angestellt ist. Wie das aktuelle Beispiel zeigt [1], kann ein Täter, der in der Vergangenheit wegen Taten beschuldigt wird, die bereits verjährt sind, in der Folge durchaus nicht verjährte Taten begangen haben.

Entschädigung der Betroffenen

Außerdem fordern wir Gespräche darüber, wie eine angemessene Entschädigung für die Betroffenen sexuellen Missbrauchs durch katholische Geistliche aussehen kann.

Zu der von der katholischen Kirche angekündigten Einführung eines „Gedenktages“ für Betroffene sexuellen Missbrauchs verweisen wir auf die oben genannten Forderungen nach Aufarbeitung, Hilfe und Entschädigung.

Gedenken, Entschuldigungen oder „Buße“ allein genügen nicht. Wenn die Kirche mit der Unterstützung des vom Europarat ins Leben gerufenen Aktionstages (18. November) ihre eigenen Bemühungen um Prä­ven­tion inten­sivieren will, dann begrüßen wir dies. Es ist jedoch nicht angemessen, des Miss­brauchs in der katholischen Kirche rückblickend wie eines historischen Ereig­nisses zu gedenken. Auch heute sind Kinder in Gefahr. Und die Opfer der Vergan­genheit warten immer noch auf Wahrheit und Gerechtigkeit. Dazu gehört auch eine angemessene Entschädigung.

[1]  ARD-Reportage „Meine Täter, die Priester“ vom 15.10.2018 (www.youtube.com/watch?v=X9Mz04dQKdw) über den Priester Peter Riedel, der 2010 im Mittelpunkt des Missbrauchsskandals am Berliner Canisius-Kolleg stand und in den folgenden Jahrzehn­ten bis in die jüngste Vergangenheit weiterer Übergriffe be­schuldigt wird.

 

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ECKIGER TISCH fordert Gerechtigkeits- und Wahrheitskommission

Seit der Veröffentlichung der Reportage „Meine Täter, die Priester“ von Eva Müller in der ARD und im Internet haben wir eine große Zahl von positiven Reaktionen auf den Beitrag und auf die Recherche unseres Sprechers Matthias Katsch erhalten. Dafür sind wir und insbesondere Herr Katsch zutiefst dankbar.

Bei der Reise nach Chile ging es jedoch nicht um seine persönliche Aufarbeitung. Nicht nur die durch den deutschen Priester Peter R. missbrauchten chilenischen Frauen warten seit Jahren darauf, dass man ihre Fälle aufarbeitet, und ihnen Hilfe und angemessene Entschädigung zukommen lässt. Auch in Deutschland gibt es viele Tausend Betroffene, die in den vergangenen Jahrzehnten sexuellen Missbrauchs durch katholische Priester ausge­setzt waren und seit Jahren vergeblich darauf hoffen, dass in ihren Fällen konkret ermittelt wird.

Betroffene haben ein Recht darauf, zu erfahren,

  • unter welchen konkreten Umstän­den sie als Kinder oder Jugendliche zu Opfern von Miss­brauchstätern wurden,
  • ob es möglicherweise in ihrem Umfeld noch andere Betroffene gab, die dasselbe Schicksal erleiden mussten,
  • wer die Verantwortung dafür trägt, dass die Taten über Jahre hinweg vertuscht, die Täter geschützt und den Opfer keine Hilfe angeboten wurde,
  • wo sich die Täter heute befinden und ob möglicherweise noch heute eine Gefahr von ihnen ausgeht.

Auch die Angehörigen (hier insbesondere die Eltern) der Betroffenen haben − ebenso wie das Umfeld, in dem die Taten geschahen (Pfarrei, Schule etc.) − ein Recht darauf zu erfahren, wie es möglich war, dass so viele Kinder und Jugendliche in den Strukturen der katholischen Kirche Opfer von sexuellem Missbrauch wurden.

Die Beantwortung dieser und anderer Fragen sowie die Erfahrung von Gerechtigkeit und ernsthaftem Aufklärungswillen sind grundlegende Voraussetzungen für die individuelle Bewäl­tigung der traumatisierenden Missbrauchserfahrungen. Viele Betroffene haben lebens­lange und teilweise irreparable Schäden erlitten.

Individuelle Aufarbeitung bildet auch die Grundlage für eine gesellschaftliche Auseinan­dersetzung und ermöglicht so wirksame Prävention. Aufarbeitung kann nicht durch eine quantitative wissenschaftliche Untersuchung ersetzt werden, bei der − wie im Falle der kürzlich veröffentlichten MHG-Studie − Zahlengerüste ermittelt werden. Darüber hinaus hat sexuelle Gewalt in Einrichtungen der katholischen Kirche nach unserer Überzeugung eine völlig andere Dimension, als die kürzlich veröffentlichten Zahlen annehmen lassen.

Aufarbeitung muss konkret sein. Die katholische Kirche selbst kann das nicht leisten, wie einige ihrer Vertreter inzwischen selbst einräumen. Deshalb ist jetzt der Staat gefordert. Es braucht eine unabhängige Untersuchung durch eine Kommission von Ermittler*innen, die Betroffene sowie Zeitzeug*innen anhört und Akten auswertet. Die Kirche muss den Zugang zu ihren Unter­lagen gewähren. Dafür gibt es Vorbilder (Irland, Australien, Pennsylvania).

Es geht auch um Gerechtigkeit. Die Opfer von einst haben heute ein Recht auf Aufklärung, auf Hilfe und auf Entschädigung.

Es braucht jetzt eine Gerechtigkeits- und Wahrheitskommission.

 

 

 

„Meine Täter, die Priester“ – Eine ARD-Dokumentation mit Matthias Katsch

 

In ihrer ARD-Dokumentation „Richter Gottes“ hatte die WDR-Journalistin Eva Müller im Herbst 2015 einen aktuellen, nicht verjährten Missbrauchsfall durch Peter Riedel im Bistum Hildesheim recherchiert und aufgedeckt (Video). Im Januar 2016 sendete der WDR den zweiten Teil der Dokumentation (Richter Gottes 2).

Für ihren neuen Film „Meine Täter, die Priester“ hat sie Matthias Katsch nach Chile begleitet, wo er sich auf Spurensuche nach den beiden Haupttätern vom Canisius-Kolleg (Peter Riedel und Wolfgang Statt) begeben hat. Wolfgang Statt lebt bis heute in Chile, Peter Riedel lebt in Berlin. In Chile finden sie weitere Missbrauchsopfer von Peter Riedel.

Pressetext:  Dass der Umgang der Kirche mit Missbrauch auch aktuell noch problematisch ist, zeigt nun einer der prominentesten Opfervertreter in Deutschland – Matthias Katsch – in einer exklusiven ARD/WDR Recherche auf. Der ehemalige Canisius-Schüler und Sprecher der Betroffeneninitiative „Eckiger Tisch“ hat 2010 den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche in Deutschland ausgelöst. Über dreißig Jahre blieben die Verbrechen seiner Täter, der Jesuitenpriester Peter R. und Wolfgang S. im Verborgenen. Erst 2010 werden ihre Taten am Canisius-Kolleg durch Matthias Katsch und seine Mitschüler öffentlich. Und dann? Nur so viel ist bislang bekannt: Beide Täter wurden nach 2010 in Chile gesehen.

Weil die Aufklärung nicht voran geht, hat Matthias Katsch die Dinge nun selbst in die Hand genommen. Er ist nach Chile gereist und hat dort nach den Spuren seiner Täter und weiteren Opfern gesucht – und sie gefunden. Story-Autorin Eva Müller hat ihn dabei mit der Kamera begleitet. Die Recherche zeigt: Der zweite Haupttäter am Canisius-Kolleg, Wolfgang S., wohnt bis heute in Chile und hat dort einen Sportverein für Jugendliche gegründet. Er hat seinem ehemaligen Kollegen Peter R. von dort aus Jugendliche zum „Stipendium“ nach Deutschland vermittelt. Während dieser Aufenthalte werden die Jugendlichen von Peter R. missbraucht.

Eine Rolle spielt auch das größte Sozialwerk Südamerikas: Christo Vive. Auch von hier aus brachen Jugendliche zu Priester Peter R. nach Deutschland auf, um bis zu einem Jahr bei ihm zu leben. Die Betroffenen sprechen in der ARD zum ersten Mal über Ihren Missbrauch durch Peter R. in Hildesheim, Berlin und Hannover.

Wiederholungstermine auf tagesschau24:

  • Freitag, 19. Oktober 2018, 21:17 Uhr
  • Samstag, 20. Oktober 2018, 13:15 Uhr
  • Donnerstag, 25. Oktober 2018, 19:15 Uhr
  • Sonntag, 28. Oktober 2018, 09:15 Uhr

Einen kleinen Überblick zu Peter Riedel und Wolfgang Statt kann man hier nachlesen. Die aktuellen Reaktionen auf die Reportage kann man hier verfolgen.

ECKIGER TISCH  fordert Unterstützung durch die Politik für eine unabhängige Aufarbeitung sowie angemessene Entschädigung

Da die katholische Kirche nach ihren kurzen Scham- und Entschuldigungs­bekun­dun­gen auch acht Jahre nach Beginn der öffentlichen Debatte keinerlei konkrete Schritte vorlegt − wie die die Offenlegung ihrer Archive und eine angemessene Entschädigung − fordern wir angesichts der vielen Tausend Betroffenen sexuellen Missbrauchs durch katho­lische Priester:

  1. Politik und Strafverfolgungsbehörden müssen den Schutz der Betroffenen gewährleisten und tätig werden

Wir fordern die Politik auf, den Schutz der Betroffenen zu gewährleisten und sie nicht der Willkür der Kirche zu überlassen. Der Staat kann nicht länger zulassen, dass die Verbrechen durch katholische Priester von der Kirche intern geregelt und vertuscht wer­den. Angesichts des institutionellen Versagens der Kirche bedeutet ein Gewähren­lassen gleichzeitig auch ein Staatsversagen.

Wir fordern daher die Strafverfolgungsbehörden in Deutschland auf, tätig zu werden. Während Staatsanwaltschaften − beispielsweise beim Anfangsverdacht der Vertuschung von Abgasmanipulationen von Kraftfahrzeugen − konsequent ermitteln und etwaiges Beweis­material sicherstellen, ist dies bei Missbrauchsfällen durch Priester im Bereich der katholischen Kirche bislang konsequent unterblieben. Bei Straftaten wie dem sexuellen Missbrauch von Kindern muss die Staatsanwaltschaft tätig werden. Da die katholische Kirche weiterhin keine konkrete Bereitschaft zeigt, Täter zu benennen, fordern wir die Strafverfolgungsbehörden auf, den bekannten Anfangsverdachtsfällen jetzt ent­schlos­sen nachzugehen und endlich zu ermitteln.

Im MHG-Untersuchungsbericht wird die Zahl von 1.670 Tätern genannt. Das sind 1.670 kon­krete Anfangsverdachtsfälle, denen nachgegangen werden muss: Welche Täter leben noch, welche sind weiterhin aktiv, wie heißen diese Täter, wo fand (oder findet) der Miss­brauch statt, welche Fälle sind noch nicht verjährt? Das alles wissen wir nicht, weil die Kirche es nicht wissen will. Die Staatsanwaltschaften, die in den vergangenen acht Jah­ren in Deutschland untätig geblieben sind, müssen daher jetzt endlich handeln, damit Kinder heute nicht länger einem Risiko durch die noch lebenden und aktiven Täter aus­ge­setzt sind.

Fälle, die nach dem Dafürhalten der Staatsanwaltschaften offensichtlich verjährt sind, müssen künftig durch eine von der Regierung einzurichtende unabhängige Unter­suchungs­kommission aufgeklärt werden.

Betroffenen muss ein Einsichtsrecht in die ihren Fall betreffenden Unterlagen bei den Bistümern und Ordensgemeinschaften gewährt werden. Die Opfer haben ein Recht dar­auf, etwas über die Tatumstände und das Handeln der verantwortlichen Vorgesetzten zu erfahren. Auch die Gesellschaft sollte wissen, was aus den Tätern wurde.

  1. Wir fordern zu Entschädigungszahlungen auf, die der Schwere des Schadens gerecht werden

Die Menschen, die in ihrer Kindheit von katholischen Priestern missbraucht worden sind, sind häufig massiv geschädigt worden. Sie müssen lebenslang mit den zerstörerischen Auswirkungen des Missbrauchs weiterleben. Viele Lebensbereiche können von weitrei­chenden Beeinträchtigungen betroffen sein:

  • Viele Betroffene haben in ihrem weiteren Leben erhebliche Probleme bei zwischen­menschlichen Beziehungen, Bindungen und Partnerschaften.
  • Oft wurde die Beziehung zum eigenen Körper beschädigt, Intimität und Sexualität sind daher für viele Betroffene problembelastet.
  • Viele Betroffene konnten und können sich nicht beruflich und erwerbsmäßig ent­
  • Viele Betroffene leiden über die gesamte Lebensspanne verschiedenen psychischen Problemen wie Depressionen, andere psychische Erkrankungen oder Suchterkran­
  • Manche Betroffene, die nicht die Kraft hatten, mit dem Erlittenen weiterzuleben, haben ihr Leben beendet.

Eine Wiedergutmachung dieser Schäden ist nicht möglich. Die Taten und die Schäden können nicht rückgängig gemacht werden. Eine Entschädigung kann aber dazu beitragen, dass betroffene Menschen besser mit diesem Leben klarkommen und mit den Beeinträch­tigungen weiterleben können.

Wenn die Kirche die bisher angebotenen ‚Anerkennungsleistung‘ von bis zu 5.000 Euro mit dem Faktor 100 multipliziert, dann wäre dies ein Betrag, der sich für Betroffene tatsäch­lich wie der Versuch einer Entschädigung anfühlen und damit dem Ausmaß des per­sön­lichen Schadens ansatzweise gerecht werden würde.

Matthias Katsch / Sprecher ECKIGER TISCH

 

Download der Pressemitteilung vom 28. September 2018

„Diese dürftigen Ankündigungen lassen uns fassungslos zurück.“

27. September 2018 – Matthias Katsch, Sprecher der Betroffenenvereinigung ECKIGER TISCH, erklärte nach der Pressekonferenz der Bischöfe: „Wir haben zwar nicht erwartet, dass die katholischen Bischöfe in den Fragen der Aufarbeitung und der Entschädigung jetzt zu schnellen Ergebnissen kommen, aber diese dürftigen Ankündigungen lassen uns fassungslos zurück.

 

Hinweis:  Den „Sieben-Punkte-Plan“ der Deutschen Bischofskonferenz (Pressemitteilung vom 27. September 2018)kann man hier nachlesen.

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