Nach Oscar für Spotlight: Missbrauchsbetroffene des Aloisiuskollegs fordern deutsche Medien zu mehr Mut und „Dranbleiben“ auf!

Berlin/Bonn, 29.02.2016. Anlässlich der Verleihung des Academy Awards „bester Film“ an SPOTLIGHT fordert der ECKIGE TISCH BONN – Verein Geschädigter des Aloisiuskollegs e.V. die deutschen Medien zu Mut bei der Berichterstattung und Recherche über die historischen (und aktuellen?) Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche auf.

Man habe, so die Betroffenen, in den letzten Jahren nach dem Bekanntwerden der Skandale zunehmend den Eindruck gewonnen, die Medienlandschaft habe das Thema und dessen historische Aufarbeitung in der Breite aus den Augen verloren. Hinzu käme, dass sich die Kirchen mit dem medial bislang nicht öffentlich überprüften Präventionsversprechen auch als Aufklärer in eigener Sache in Stellung gebracht hätten. Dass letzteres nicht funktioniere zeigte leuchtturmhaft die jüngste Berichterstattung rund um die Personalien im Bistum Hildesheim.

Der Jesuitenorden z.B. habe noch keine unabhängige Untersuchung der Missbrauchssystematiken und des Versagens im gesamten (deutschen) Orden vorgelegt. Omnipräsente Protagonisten fänden in den Medien statt, die Komplizen der Täter hätten sich im Orden eingerichtet und würden mittelbar und unmittelbar gedeckt – bis heute.

So wie am Aloisiuskolleg gäbe es überall vor Ort Betroffene, die „oscarreife“ Skandale und Ungeheuerlichkeiten vor, während und vor allem nach den eigentlichen Missbrauchstaten zu berichten wüssten und die noch nicht öffentlich erzählt wurden. Das sei aber wichtig, damit der systemische Aspekt und Hintergründe von Missbrauch in der Gesellschaft diskutiert werden können. Die Meinungshoheit z.B. zum Ausmaß der Aufarbeitung und Entschädigung, dürfe nicht einseitig den Kirchen überlassen werden. Das passiere aber, wenn man nur über dem Skandal (Missbrauchstaten) berichte und nicht am Thema dranbleibe.

Bei der Beschäftigung mit der 40 jährigen Missbrauchsgeschichte des Bonner Aloisiuskollegs habe man nur wenige standhafte Journalistinnen und Journalisten kennengelernt, die das Thema auch lokal und entgegen vieler Widerstände bis heute beleuchten. Das wünschen sich die Missbrauchsbetroffenen von der deutschen Presse, der sie vertrauen: Bringen Sie Licht in die deutsche Missbrauchsgeschichte. Fragen Sie die Betroffenen vor Ort, die kennen die dunklen Stellen.

http://eckiger-tisch-bonn.de/

Ein Gedanke zu „Nach Oscar für Spotlight: Missbrauchsbetroffene des Aloisiuskollegs fordern deutsche Medien zu mehr Mut und „Dranbleiben“ auf!

  1. Egal wo JournalistInnen anfangen zu graben: sie werden immer was finden. Erst recht bei den beiden großen christlichen Kirchen. Den Institutionen, die der Katholischen Kirche gleich, Missbrauchskriminalität nicht nur geduldet und vertuscht, sondern sogar aus gänzlich eigennützigen Zwecken oft auch noch gefördert haben, deren Aufklärung zu überlassen, wäre, als ob die Finanzbehörden auf die Einsicht der Steuersünder setzten, anstatt konsequent selbst zu prüfen und zu ermitteln.

    Den Maßnahmen, die bisher von der Römisch Katholischen Kirche betrieben und öffentlichkeitswirksam beworben wurden, haben was ihre Effizienz angeht, kaum Substanz. Es ist nämlich ein erster, sehr wichtiger Schritt nur ansatzweise und dann auch noch oberflächlich erfolgt: die umfassende Aufklärung dessen, was passiert ist. Sie liegt deshalb leider immer noch allein in den Händen der Opfer selbst und deren UnterstützerInnen. Zu denen in erster Linie die Medienleute gehören.

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