Archiv für September 2011

Stellungnahme zum Treffen des Papstes mit fünf Missbrauchsopfern

Samstag, 24. September 2011

Wir versuchen seit 18 Monaten, in einen Dialog mit den Verantwortlichen der Kirche zu treten − leider ohne wirklichen Erfolg. Nun heißt es, Papst Benedikt XVI. hat sich mit einigen Betroffenen von sexuellem Missbrauch getroffen. Das ist hoffentlich eine gute Nachricht für diese Betroffenen und wir freuen uns, wenn Ihnen dieses Zusammentreffen hilft.  Wir sind auch froh, dass bei dieser Gelegenheit das Engagement von Menschen gewürdigt wurde, die mit Betroffenen sexueller Gewalt in der Kirche professionell umgehen.

Wir bedauern, dass unsere Bitte zu einem Dialog über die systemischen Ursachen sexueller Gewalt in der Kirche nicht gehört wurde und ein Gespräch mit dem Papst nicht möglich war. Erneut erleben wir die Kirche als „vermachtete“ Institution, an der wir abprallen wie von einer Wand.

Es heißt, der Papst sei von dem Treffen tief bewegt gewesen. Dies glauben wir gern. Wir sind gespannt, ob Benedikt XVI. sich auf sein „hörendes Herz“ verlässt und sich daraufhin in den nächsten Tagen zu seiner institutionellen Verantwortung für das Leid von Kindern und Jugendlichen in seiner Kirche äußern wird. Es geht nicht bloß um „Unkraut“, dass gejätet werden muss, wie er sich im Olympiastadion ausdrückte. Es geht um gewalttätige Strukturen in der Kirche, die Missbrauch begünstigt und das zweite Verbrechen, das der Vertuschung, ermöglicht haben.

Für uns ist auf unserem Weg der Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit auch eine Etappe zu Ende gegangen. Wir müssen anerkennen, dass die römisch-katholische Kirche in unserer Gesellschaft eine solche Machtposition aufgebaut hat, dass sie auch weitgehend ohne Dialog mit ihren Opfern auskommt – und wie es scheint, auch mit immer weniger Dialog mit ihren engagiertesten Mitgliedern. Doch dies müssen diese für sich klären.

Wir werden nicht weiter den Unwilligen hinterherlaufen und unsere Kräfte dabei verschleißen, Anerkennung von denen zu erreichen, die fest entschlossen sind, unsere drängenden Fragen zu überhören. Vielmehr werden wir uns darauf konzentrieren, Zukunft zu bauen für uns und für andere. Wir haben die Opferrolle abgelegt und wollen stattdessen selbstbewusst, aufrecht und mit unseren Beschädigungen im Gepäck  voranzugehen – ohne zornigen Blick zurück, auch wenn es schwer fällt.

Matthias Katsch

Sprecher ECKIGER TISCH

23. September 2011

 

ECKIGER TISCH in den Medien

Samstag, 24. September 2011

ARD (22.09.2011): Matthias Katsch live aus dem Deutschen Bundestag kurz vor der Rede des Papstes

ZDF (23.09.2011): Matthias Katsch im ZDF-Morgenmagazin live aus Erfurt

ZDF (23.09.2011): Matthias Katsch live aus Erfurt im Interview mit ZDF-Chefredakteur Peter Frey

ZDF / Frontal 21 (20.09.2011): “Proteste und Begeisterung – Der Papst kommt”

DEUTSCHE WELLE (22.09.2011): “Die Kirche und der Missbrauchsskandal”

FRANCE 24 (22.09.2011): “Sex abuse scandals cast shadow over Pope’s visit”

SPIEGEL-Redakteur Peter Wensierski in der ARD-Live-Übertragung von der Abreise des Papstes (25.09.2011)

ECKIGER TISCH zum Papstbesuch

Donnerstag, 22. September 2011

Verantwortung statt Entschuldigung!

Entschädigung statt „symbolischer Gesten“!

Buße allein genügt nicht!

Wir wünschen uns vom Papst bei seinem Auftritt in Berlin keine bloßen Entschuldi­gungserklärungen, sondern ein klares Bekenntnis zur Verantwortung. Gerne würden wir dabei einen Satz hören, den wir so bitter vermissen und den wir in den vergangenen Monaten von keinem verantwortlichen Kirchenmann hier in Deutschland gehört haben: „Ich übernehme Verantwortung“!

Denn es geht um die Verantwortung seiner Institution Kirche für das, was in ihr und durch sie geschehen ist: Für das Nicht-Verhindern von Wiederholungs­taten, für das Nicht-Kümmern um die Opfer und für das weltweite Schützen der Täter. Dafür reicht Bedauern nicht aus. „Buße allein genügt nicht“ haben wir in Pader­born versucht den deutschen Bischöfen zu sagen, ohne angehört zu werden. Jetzt haben wir vergeblich auf ein Dialogangebot durch das Kirchenoberhaupt gehofft.

Verantwortung zu übernehmen heißt aus unserer Sicht auch, den Betroffenen tatsächlich eine angemessene Entschädigung anzubieten. Die angebotene „symbolische Zah­lung von maximal 5.000 Euro“ anstelle einer Entschädigung ist für die Betroffenen nicht angemessen. Der Umgang der katholischen Kirche mit den Betroffenen ist für viele ein weiterer Schlag ins Gesicht. Aus diesem Grund sind sehr viele Betroffene aus Enttäuschung und Wut in ein verzweifeltes Schweigen verfallen, nur wenige Betroffene haben das „Angebot“ der Kirche, „einen Antrag zu stellen“, angenommen.

Darüber hätten wir gern mit Benedikt XIV. gesprochen.

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Entschädigung in Ettal

Donnerstag, 08. September 2011

Das Kloster Ettal hat eine Erkärung über Entschädigungssummen veröffentlicht. Die Höhe der Entschädigungen wurde vom Verein Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer e.V. begrüßt.

Am 15. September erscheint bei KiWi das Buch “Bruder, was hast du getan?” der beiden SZ-Journalisten Bastian Obermayer und Rainer Stadler.