Eine Geste – mehr nicht

Ein Kommentar von Matthias Katsch

Endlich haben die Bischöfe ihr Konzept vorgelegt. Im letzten Satz der langen Presseerklärung, heißt es, es solle eine Geste sein. Mehr nicht also. Was soll man dazu sagen? Schäbig? Arrogant? Auf jeden Fall von oben herab. Eine Geste – ja, warum denn keine echte Hilfe?

Und das Vorgehen zeigt wieder einmal wie sehr die reichste Kirche der Welt – und das ist die katholische Kirche in Deutschland – von der Sorge um das Geld korrumpiert ist. Es wurde nicht gefragt: „Was wäre angemessen? Was würde den Opfern eine Kompensation bieten? Was würde als Zeichen verstanden und angenommen?“  Stattdessen wird nach Gutsherren-Art verkündet, was man sich zu leisten bereit ist.

Das einzige Positive: Endlich gibt es ein Konzept der katholischen Kirche in Deutschland, wie sie sich die Entschädigung und den Umgang mit ihren Opfern vorstellt. Seit September 2010 war dies immer wieder angekündigt worden. Im benachbarten Österreich werden dagegen bereits seit Monaten Betroffene entschädigt, ebenfalls gestaffelt. Die Untergrenze liegt dort da, wo die deutschen Bischöfe aufhören wollen, die Obergrenze beträgt 25.000 Euro, mit der Möglichkeit in schweren Fällen darüber hinaus zu gehen. Grundsätzlich hat man jetzt also auch in Deutschland verstanden, dass eine Kompensation notwendig wäre. Nur die jetzt gehandelten Summen sind eine Unverschämtheit.

Ein weiteres Problem in dem heute vorgestellten Konzept: das Antragsverfahren. Die Betroffenen erwarten zurecht, dass die Abwicklung von Zahlungen ebenso wie die Beantragung von Hilfen für Therapien möglichst unabhängig von der Täter-Institution geleistet wird. Es braucht eine Clearingstelle, die das Vertrauen der Betroffenen gewinnen kann, keine Theologen-Kommission. Auch die sog. Missbrauchsbeauftragten der Institutionen können das nicht leisten, wie man gerade im Fall der Jesuiten sieht.

Das jetzt vorgestellt Konzept ist ein Vorschlag, den die Kirche dem Runden Tisch unterbreitet. Mit den Betroffenen selbst, hat noch niemand darüber gesprochen. Da gibt es noch viel zu klären. Für nicht verjährte Ansprüche wird ein Mediationsverfahren angestrebt, heißt es. Wir fordern eine Mediation für die Alt-Fälle! Jetzt liegen zwei Vorstellungen vor, also muss verhandelt und vermittelt werden.

Betroffene wie die am ECKIGEN TISCH haben eine angemessene Summe gefordert. Bei der Beurteilung der Frage, was angemessen ist, wird es Zeit, dass in Deutschland Opfer von sexuellem Missbrauch nach europäischen Standards behandelt werden. Ein fünfstelliger Betrag wie in Irland wäre angemessen. Beeinträchtigungen des Persönlichkeitsrechts durch Presseveröffentlichungen werden mit zehntausenden Euro vor Gericht geregelt, Missbrauchsopfer erhalten demgegenüber häufig nur einige tausend Euro. Hier müssen die Maßstäbe neu justiert werden.

Doch die Bischöfe haben immer noch nicht verstanden, warum sie gefordert sind: sie sollen nicht ersatzweise für die Täter leisten, wie sie das jetzt wiederum in ihrer Pressemitteilung erklären. Sie sollen für das komplizenhafte Schweigen, das jahrzehntelange Verheimlichen und Vertuschen bezahlen, mit dem die Kirche an den Opfern des sexuellen Missbrauchs in ihren Einrichtungen ein zweites Verbrechen begangen hat.

Wir werden versuchen, es ihnen zu erklären. Dazu fordern wir weiterhin, das direkte Gespräch mit den Bischöfen und werden dazu ab dem 14. März bei der Frühjahrestagung der Bischofskonferenz in Paderborn vor Ort sein. Vielleicht kommt er ja noch, der Aufstand der anständigen Katholiken, die sich schämen, für den Umgang der Kirche mit ihren Opfern, und dann stehen wir dort nicht allein.

31 Gedanken zu „Eine Geste – mehr nicht

  1. Mir sind die anständigen Katholiken auch ein bisschen zu still.

    Und die Betroffenen werden dadurch, dass sie weder beim Runden Tisch. noch bei den Jesuiten-Vorschlägen auch nur minimal eingebunden werden, in die Rolle unmündiger Kinder gedrängt. Sie können sich wahlweise wie brave Kinder, wie schmollende Kinder oder wie rebellisch fordernde Kinder verhalten, aber nie auf Augenhöhe.

  2. Es mag zwar nicht genug sein, aber kann denn überhaupt eine Summe genug sein?
    Hätten die Opfer vor Eintreten der Verjährung der Ansprüche um Schadenersatz geklagt, hätten auch etwa diese Höhe erwarten können.
    Es handelt sich um eine freiwillige Leistung der Kirche, rechtlich gesehen. Es ist nicht so, dass der “Täter” bestimme, wie viel er zu leisten bereit sei, sondern so, dass sich die Höhe an den üblichen Sätzen orientiert. Es mag unzufrieden zurücklassen, dass wir keine angelsächsischen Verhältnisse haben, aber so ist die Rechtslage.
    Ein Rechtsanspruch außerdem ja gar nicht. Faktisch ist es also ein “Geschenk” der Kirche, wobei sie leistet, wenn der Täter nicht mehr lebt oder sich weigert zu zahlen.
    Außerdem nimmt sie eine Vorreiterrolle ein, der Staat ist offenbar nicht in der Lage, ähnliches für die Opfer in seinen Institutionen zu leisten.

  3. Liebe(r) her,

    hätten die Betroffenen vor der Verjährung geklagt und hätte es dann eine wache Staatsanwaltschaft und halbwegs transparente jesuitische Organisation gegeben, wäre es in manchen Fällen nicht allein um Schadensersatzansprüche gegangen: Menschen hätten im Knast gesessen. Hunderte, vermutlich Tausende von Übergriffen wären verhindert worden.

    Sie merken, ich muss viele Konjunktive benutzen. Das liegt an einem mittlerweile halbwegs dokumentierten Wegsehen und Vertuschen innerhalb des Jesuitenordens, dass Sie offenbar immer noch nicht ganz zur Kenntnis genommen haben. Und fangen Sie jetzt bitte nicht mit den Familien und den Sportvereinen an, dies ist hier ein Blog für Missbrauchsgeschädigte an deutschen Jesuiten-Einrichtungen.

    Ich denke schon, dass eine Summe genug sein kann. Ich glaube sogar, dass eine Summe nicht das Wichtigste ist. Betroffenen zuhören, sie ernst nehmen, sie einbinden: Das hätte eine heilsame Wirkung haben können. Aber viele Jesuiten sind womöglich selbst zu beschädigt; unreflektierte Missbrauchsopfer, die ihre eigenen Verletzungen hinter Verhärtung und Arroganz zu schützen suchen. Der Dialog ist da von vorneherein vergiftet.

    Woher haben Sie eigentlich die „üblichen Sätze“ für Missbrauchsfälle? Können Sie mir da eine Quelle nennen? Damit meine ich nicht Bischof Ackermann.

  4. Nachtrag: einige Klagen vor Verjährung wurden ja auch verschleppt. Die Bonner Staatsanwaltschaft hat sich da nicht mit Ruhm bekleckert.

  5. Michael Lehmann: Wozu sollte man sich denn dieses Buch von Hessel kaufen?

    Ratlose Grüße,

    Anselm

  6. Sehr veehrter Anselm Neft. Ganz allgemein, zB zum ersten wegen des schönen Titels..

    @ her, diese abgedroschene Phrase, ´keine Summe ist genug´, das ist Quatsch! Die Missbrauchsopfer selbst haben ja bereits die Summe genannt, die ihnen ´genügen´ würde. Und zwar relativ gleichlautend sowohl Jesuitenopfer als auch ehemalige Heimkinder..

    Nichts für ungut.

  7. Schon, aber warum sollen Jesuitenopfer ca. 10x mehr als alle anderen Opfer sexuellen Missbrauchs bekommen, die bei zivilen Gerichten klagen? (Ich suche die Quelle noch raus.)

  8. Hallo,

    ich bin auch ein Missbrauchsopfer, es passierte im Alter zwischen 6-9 Jahren auf einem öffentlichen Spielplatz durch einen fremden Mann. Am selben Tag zur Polizei, Verhör, Wäsche abgegen und später „Täter“ identifzieren, danach passiert nix mehr. Meine Eltern haben gut 30 Jahre das Thema erfolgreich tabuisiert, ich wurde schwer psychisch krank. Durfch Eigeninitiative wurde meine Hörbehinderung entdeckt und ich hatte spät eine berufliche Zukunft, meine Seele spielte ab dem 20. Lebensjahr verrückt, bzw. zeigte mir, dass es unerträglich ist. Erst nach der Umschulung wurde meine psychische Krankheit diagnostiziert. Danach nahm ich das als Lehrauftrag und habe mich durch viel Mist – Familiengeschichte etc. durchgearbeitet.
    Ich erlebte erst kleine Retraumatisierungen, durch eine Mitarbeiterin, dann später durch einen Hörakkustiker, der technische Anlagen einrichtete (körperlich bei einer Feier). Dann nach gut 5 Jahren arbeiten, wurde ich von meinem Vorgesetzten retraumatisiert, während der Arbeit, auch körperlich. Dazu kam eine postraumatische Belastungsstörung. Der Chef entschuldigte sich nicht, wurde von einigen gedeckt, nicht mal meine Therapeutin konnte was erreichen, eine Ombudsfrau stellte sich auf die Seite des Vorgesetzen, es war in einer Behindertenwerkstätte…
    Danach stand ich auf, denn ein halbes Jahr erfuhr ich erst von meinen Eltern, dass meine starken inneren Bilder wahr sind, dass der Missbrauch wirklich geschehen ist!
    Ich liess mir nix mehr gefallen, kämpfte darum, dass der Vorgesetzte zur Verantwortung gezogen wird! Es war ein Kampf, auch um mein psychisches und körperliches Ueberleben. Mein Körper zeigte diverse starke Symptome, dazu kamen Flashbacks und Alpträume über Monate. Bei einem Ombudsgespräch „verhöhnte“ der Chef meine Wahrnehmung, liess nur seine gelten!
    In der Zeit organisierte ich auch eine Traumatherapie (ambulant), die Sozialarbeiterin schoss auch Böcke, nahm meine Hörbehinderung nicht ernst, dementsprechend war die Kommunikation…
    Die Ambulante Traumatherapie (LOM) war ein Spaziergang durch die Hölle, die Therapeutin war super, achtungsvoll und half mir meine Würde und Achtung wieder zu finden! Ich hielt durch, knapp 2 Jahre, mein Körper und meine Seele zeigten wieder diverse sehr starke Prozesse und Krankheiten, es war wie ein Ausleiten von 30 Jahren Leid!
    Dabei machte ich die Erfahrung zu erkennen, dass Institutionen so ticken, dass nur die Macht und Stellung der Vorgesetzten gilt, es GEHT denen gar nicht wirklich um den Menschen, dass sie nachhaltige Fehler machen, ist denen gar nicht bewusst, schon gar nicht die Folgen für das Gegenüber für Leib und SEELE! Sie reden Belangloses, wie mit einem Kind mit einem, da ich das erste Mal hartnäckig rüberkam und nicht mehr nachgab wurde aber klar, dass nun Respekt her muss, sonst hat es wirklich Konsequenzen für den Chef. Der Chef musste zum Psychiater um zu lernen, wie Traumatisierte ticken, da er dafür nicht ausgebildet war! Die Traumatherapeutin half mir auf mein Gefühl, meine Intuition wieder zu vertrauen und nicht mehr zum Spielball von Mächtigen zu werden, das behalte ich NUN bei. Viele versuchen noch mich in die Opferrolle zu bringen, das gelingt denen aber nicht mehr.
    All das ist mit viel Zeit und Geduld verbunden, noch immer lerne ich, mein Ziel ein normaleres Leben wenn auch sehr spät, ab ca. 40 Jahren… ich arbeite daran ein menschenwürdiges, glückliches und stabiles Leben zu erarbeiten.
    Das hat vorher meine Eltern und die Gesellschaft verhindert.

    Ich schreibe das, weil die katholische Kirche sich nun genauso verhält wie die Herrschaften dieser Behindertenwerkstätte. In Institutionen scheinen die Menschen, Vorgesetzten, Priester etc. geschützt zu sein,so dass sie sich alles erlauben können und sie sich dem bewusst sind, nicht aber dem, was sie anderen antun!
    Es ist immer dasselbe Muster! Eine ständige Wiederholung, die Systeme müssen sich verändern, das bringt wirklichen Schutz, der Rest ist nur Schönheitskosmetik und im Innern gärt es weiter…

    Die 5000€ zeigen, dass die Kirche den Wert von Traumatisierten missachten, als Colaterall Schaden ansehen, den man schnell beheben muss, damit sie weitermachen können.
    Für mich hat die katholische Kirche dermassen an Glaubwürdigkeit verloren und sie arbeiten erfolgreich daran, bis ich austrete.
    Wer erwachsene Traumatisierte Menschen wie Kinder behandelt, hat NIX gelernt, ausser dass sie Macht und Machtgehabe als Menschlichkeit und Religion und von Christus aus befürwortet ansehen, was aber menschengemacht ist.
    Die Kirche steckt im Opfermodus, bemitleidet sich selber und kann darum sich nicht auf die Eben des Gegenübers, der Traumatisierten stellen, es würde denen ja wehtun, davon rennen sie davon, als wenn es die Pest ist…. Opfer dürfen das „lebenslang“ aushalten, weil sie KEINE wahrliche Hilfe erfahren, ausser sie erkämpfen es sich und stehen so dem Tode immer näher wie dem Leben.

    Geehrt werden Traumatisierte für Ihren Einsatz für Ihren Lebenswillen nicht, aber Krebskranke habe eine Lobby, Traumatisierte nicht! Schon mal aufgefallen??!

    Nun setze ich mich dafür ein, noch mehr die Augen zu öffnen, damit sie schneller zu Hilfe kommen und nicht so eine intensive Hölle erleben muss, wie ich durchgegangen bin.

    Das Bewusstsein muss sich ändern, sonst ändert sich nix.

    Herzliche Grüsse

    Jacqueline

  9. @her, es geht ja gar nicht um die Höhe, sondern um den übertragenen Wert der Summe. Also, wie sehr schmerzt es die Täterorganisation? Wird es sie in Zukunft veranlassen, Missbrauch zu verhindern? Mit anderen Worten, wird in Zukunft ein Internat einen effizienten und ´unersätzlichen´Internatsleiter, wie ´Pater Georg´, der dem AKO vermutlich Millionen eingebracht hat, bei Verdacht anzeigen, wenn im schlimmsten Fall die Zahlung von 5.000 Euro droht? Kann ein Missbrauchsopfer duerhaft seinen Lebensstandart oder seine Lebensfreude mit 5.000 Euro anheben? Muss nicht in Deutschland endlich Missbrauch mehr kosten als ein Schleudertrauma? Und immer wieder die Frage: WAs würdest du, würden Sie, verlangen oder erwarten, wenn es um ihr Kind ginge, das missbraucht wurde? 5.000, danke liebe Kirche?
    Was den Neid der anderen Missbrauchsopfer angeht, falls mal ein anderes vernünftig entschädigt wird, so scheint ir das ein typisches Opferverhalten zu sein, dass den Institutionen nur in die Karten spielt.
    Alle Missbrauchsbetroffenen müssten sich jetzt eigentlich solidarisieren und die Kirche zu höchstmöglichen Zahlungen zwingen. Dann können auch die anderen nicht mehr mit Kleingeld kommen. Dann könnten sogar ander Betroffenen ihre Akte wieder öffnen, wenn erst einmal eine anständige Kultur diesbezüglich in Deutschland geschaffen würde. Das 82.000 wenigstens die Messlatte für alle sind. Hier könnte die Kirche wirklich Vorbid sein und zu einer Gesellschaftlichen Veränderung wesentlich beitragen.
    Und ja, wir können sie zwingen, denn solange es nicht die Schlagzeile gibt: ´Kirche einigt sich mit Missbrauchsopfern!´ werden sie wieter Jahr für Jahr hunderte Millionen verlieren. Im letzten Jahr bereits 200 Millionen ausgefallene Kirchensteuer.
    Deshalb, solidarisiert euch mit den Opfern innerhalb Orden und Kirche!

  10. @Michael Lehrmann

    Solche Argumentation bringt es nicht weiter.

    Denn, bei verjährten Schleudertrauma bekommt man in Deutschland schadensersatzmäßig 0 Euro. Und bei frischen Missbrauchsfällen hat man als Betroffene auch schon jetzt mehr Möglichkeiten, von den Tätern Schadensersatz zu verlangen – das geht dann nicht über Entschädigungsfond sondern über ganz normale zivilrechtliche Wege wie beim Schleudertrauma auch.

    Und ist es schlimm, wenn die Kirche weitere Mitglieder verliert? Zugegebenermaßne wäre es schade, wenn dann die konfessionnellen Krankenhäuser geschlossen werden müssten – die gehen mit Patienten besser um als die kommerziellen Häuser. Aber ansonten?

    Dass die anderen dann mit Kleingeldern nicht kommen können, das glaube ich nicht. Denn bei dem Staat geht es um Steuergelder – und bekanntlich will in Deutschland keiner mehr Steuer zahlen, auch für Missbrauchsopfer nicht. In der Kirche wird wenigstens gestanden, dass es Missbrauch gab, bei den anderen Institutionen werden die Täter häufig immer noch gedeckt.

    Und Missbrauch ist auch nicht gleich Missbrauch. Es ist utopisch, dass ein Mädchen, welches im Ferienlager einmal vom Jugendleiter beim Fussballspielen am Busen angefasst wurde, deswegen 82.000 Euro bekommt. (Zumal sowas auch tagtäglich in der Bahn passiert). Bei jahrelangen Vergewaltigungen im Internet sieht es anders aus.

  11. Was ich mir persönlich wünschen würde, ist ja ziemlich irrelevant hier, glücklicherweise steht es für mich nicht an, in den Staaten würde man mehr bekommen, dort bekommt man aber auch für einen zwei Grad zu heißen Kaffee Hunderttausende (was ich absurd finde). Dort kann man als Anwalt mit Klagen gegen die Kirche auch mehr als 60 Mio $ verdienen.

    Die Aufgabe der Veränderung des Rechtssystem liegt wohl kaum bei der kath. Kirche, sondern bei der Bundesministerin der Justiz.

  12. Hallo zusammen,

    merkt Ihr, dass Ihr Euch wegen den Geldzahlungen in die Haare kriegt? Das wäre wieder innere Unterstützung der Täter – Muster – .

    Ich bin auch dafür, dass man das sorgfältig machen soll, um eventuellen Betrügern keinen Raum zu geben, aber leider wird das so verfahren, dass die Opfer dann in den gleichen Topf geworfen werden und das ist das Verwerfliche.

    Klare Kommunikation mit den Opfern, wo sie mal Stopp sagen können, Dinge für sich klären können und dann sich dem Anragsprozess stellen können, das nehme ich nicht wahr. Sondern nur Infos – dann Hilfe und Geld, ob der /die Betroffene(r) soweit ist, wird nicht angeschaut, nicht ernst genommen und bringt so wieder Schaden.

    Würde und Achtung wieder herstellen ist, wenn sich die Institionen an selber auferlegten Verhaltenskodex halten, bei dem sie respektvoll, klar und vor allem menschlich mit den Betroffenen umgehen und wäre schon ein kleines Zeichen, dass sie den Umgang mit den Menschen ändern möchten.

    Die Achtung und Würde erarbeitet man sich selber, weil man mit sich selber in Frieden kommt, durch Traumatherapie, andere Therapien, WO man alles anschaut, den Missbrauch, Familie etc. und WAS das alles mit einem gemacht hat und dann folgt ein Loslassprozess über die Seele und Körper, wo man wieder eine Einheit mit Körper und Seele und Geist bekommt.
    Und der nächste Schritt, in der Kindheit war man den Tätern und dem schlechten Umgang (vielleicht) das Umfeldes ausgeliefert. Nun ist man erwachsen und selber verantwortlich, seine Grenzen zu wahren und sich dafür einzusetzen. Und auch nötigenfalls zu verteidigen.

    Und Ja es stimmt, Institutionen müssen es über hohe Geldsummen lernen, sich gut für die Opfer einzusetzen und an der Prävention dran zu bleiben, weil da meist keine ANDERE Sprache verstanden wird, oder die Institutionen wieder in ihr altes Verhalten Schema kommen und weiter machen – das muss gestoppt werden!

    Als Betroffener, der sich mit all dem was zum Thema Missbrauch auseinandersetzt, bei mir war es so, gehört auch:

    Täter sprechen eine eigene Sprache – wenn man auf deren Ebene agiert – ohne so zu werden – merken die, dass man am besten ernst genommen wird.
    Dasselbe bei Kirche und Institutionen, die sprechen auch eine eigene Sprache und am besten in dem Modus agieren, ohne sich zu verlieren, dann kommt man auch weiter – oder mit Vermittlern, die dann vermitteln und übersetzen können.

    Dieses Wissen haben die Kirche und die Institutionen nicht, da macht man am besten eine Schulung zum….. dann kann man mitreden, das ist zuviel verlangt, vor allem wenn man in anstrengenden Prozessen hängt.

    Ich wünsche mir mehr miteinander, ein Lernen voneinander – vom Weg, den man gegangen ist.

    Jeder hat da andere Erfahrungen.

    Bei krassen Verfehlungen der Stellen, müssen dann am besten alle zusammenhalten, damit das geändert werden kann….

    Auch finde ich es schade, dass man Bewertungen macht, über die Uebergriffe – bzw. sexuellen Missbrauch.
    Da es bei jeden eine individuelle Grenze gibt und so kann in der Kindheit schon ein einziges Mal zu einem lebenslangen Schaden führen, vor allem, wenn das Umfeld das Opfer im Stich lässt – mehrmalige Uebergriffe sind genauso krass.
    ES sollte gar nicht passieren! Das ist wichtig, weil jedes MAL ist einmal zuviel!
    Bitte da kein Ab-und aufwerten, das steht niemandem zu, es ist schon schlimm genug, wenn sowas passiert ist.

    Vieles finde ich so Kleinigkeiten, lieber auf die Solidarität achten, das ist wichtiger, weil jeder findet seinen Weg subjektiv am schlimmsten, aber schlussendlich sitzen wir im selben Boot, weil der grosse Rest gar keine Erfahrung damit hat.

    Ebenso steht das keiner Kirche oder Institution zu, be-oder abzuwerten, weil die was nicht verstehen können.

    Das sind mal meine Gedanken.

    Ich schreibe hier, um zu vermitteln, und zu zeigen, dass es Dinge gibt, wo es nicht gut ist, dem Strom mitzuschwimmen und andere, da ist es wichtig zu lernen – um wieder in ein normaleres Leben zurückzufinden. Schlussendlich ist das ein Lebenslanger Prozess….

    Es sollte von der Kirche und den Institutionen Kodexe geben, zum Umgang mit den Betroffenen, diese sollten aber auch von den Betroffenen verfasst werden.

    Herzliche Grüsse

    Jacqueline

  13. Für mich sind die Kleinigkeiten das Entscheidende.

    Und ja, ich möchte schon differenzieren in dem Schwergrad des Missbrauchs. Sonst kommen meine Vergewaltiger und sagen, dass was sie gemacht haben ja nicht schlimmer ist als das „Rock-Hochziehen“, wie es nun mal auf jeder Grundschule gibt, oder das Busengrabschen in der U-Bahn (ich kenne keine Frau, die sowas noch nie erlebt hat). Beziehungsweise arbeiten die Ämter (z..B. Versorgungsamt beim OEG-Verfahren) ja schon so, dass sie sagen, dass alles ja so schlimme Folgen haben können wie eine Vergewaltigung, also müsste sie bei einer Vergewaltigung auch nicht zahlen, weil die Schädigungen von was anderes gekommen sein können.

    Von einer Kirche erwarte ich persönlich nicht, dass sie als Institution mit Würde und Achtung mit Menschen umgehen – das war schon immer so, seit Jahrhunderten. Kirche war eine Machtinstitution, welche ihre Untertarnen ausgenutzt hat und Menschen anderer Glauben vernichtet hat. Was gut ist, sind die einzelnen Menschen in dieser Institution, welche an die chritlichen Werten glaube. Es gibt solche und solche.

    Und diese guten Menschen sollten unterstützt werden, statt dass man immer die Bösen bekämpft.

    Die hohen Summen – nun, ich meine, dass die Höhe nicht davon abhängig gemacht werden sollte, ob das die Institution schmerzt. Wenn ein Opfer in einem 2-Mann-Betrieb missbraucht wurde, dann hat es weniger Anspruch als in einem 1000-Mann-Betrieb? Weil da schon 1000 Euro Zahlung schmerzhaft für den kleinen Betrieb ist? Ist der Missbrauch dann weniger wert?

    Und wenn man sagt, dass man Geldzahlung fordert, weil die Institution keine andere Sprache versteht – das stimmt wohl auch. Aber dann spricht man auch wieder die Sprache des Täters.

    Ich meine, da muss man die Geldzahlung und die Würde trennen. Geld ist nur Geld. Würde muss man sich selbst erarbeiten.

  14. @Jacqueline

    „Würde und Achtung wieder herstellen ist, wenn sich die Institionen an selber auferlegten Verhaltenskodex halten, bei dem sie respektvoll, klar und vor allem menschlich mit den Betroffenen umgehen und wäre schon ein kleines Zeichen, dass sie den Umgang mit den Menschen ändern möchten.“

    Solche Kommunikation hatte ich mehrmals versucht, zwar nicht wegen Missbrauch/Vergewaltigung, sondern wegen anderen Grenzüberschreitungen und Problemen.

    Nach meiner Erfahrung sind es zu respektvollen und konstruktiven Gesprächen immer erst dann bekommen, nachdem ich klar gemacht hatte, dass es mir nicht um Anzeigen oder Klagen geht, sondern dass ich es unter 4 Augen klären will.

    Solange die Leute Angst haben mussten, dass sie belangt werden könnten, waren sie in der Verteidigungsposition. Und Angriff ist ja bekanntlich die beste Verteidigung.

    Schon alleine deswegen wäre ich dafür gewesen, dass – wenn überhaupt eine Entschädigung – die Institutionen einfach eine gewisse Summe in einen Topf einzahlen (z.B. beim Runden Tische), und die Verteilung des Geldes nicht selbst vornehmen. Die Verteilung des Geldes wäre dann zwar auch nicht gerechter, aber so hat man nicht wieder die Konstellation „Täterinstitution vs. Opfer“.

    Und die Gespräche wären dann offener und frei von Fragen der Schuld, Entschädigung usw..

  15. Mich stört an dem Konzept vor allem, dass dieses Konzept nur für verjährte Fälle gelten soll.

    Doch, wie ist es mit den nicht-verjährten Fällen? Zahlt die Kirche da diese Entschätdigungssumme seitens der Kirche freiwillig dazu, oder sagt die Kirche, dass die Betroffenen das Geld direkt vom Täter holen müssen (notfalls per Klage), und sagt dann die Kirche, dass sie ja jetzt den Täter nicht mehr decken, also brauche die Kirche als Institution nicht mehr zahlen?

    Und was ist, wenn die Beweise nicht ausreichen für eine Verurteilung des Täters, und das Opfer dann auch folglich keinen Schadensersatz beim Täter geltend machen kann? Oder wenn man eine Person wegen Missbrauch anzeigt, diese aber dann letztendlich wegen milderen Delikte verurteilt wird?

    Und Fakt ist auch, dass ein Täter in einer erfolgreichen Zivilklage beim Missbrauch in Deutschland vom Gericht auch nicht zu einer sehr hohen Zahlung verdonnert wird. (Und dann wollen die Krankenkassen usw. ihrerseits auch Schadensersatz wegen Behandlungskosten geltend machen – d.h. ein Täter wird diese Schadensersatzzahlung an das Opfer meist ohnehin nicht zahlen können.)

    Wie die Kirchen damit umgehen – daran würde ich die Ernsthaftigkeit der kirchlichen Bemühungen messen.

    Und ich finde, dass man die deutsche Verhältnisse nicht unbedingt mit irischen Verhältnissen gleich setzen können. Mit der Entschädigungszahlung war alle Ansprüche der Betroffenen abgegolten, und die Betroffenen mussten sich auch verpflichten, die Namen ihrer Täter geheim zu halten. In Deutschland hat man immer noch die Möglichkeit (auch und insbeondere bei verjährten Taten), OEG zu beantragen. Unabhängig von der Zahlung der Kirche – denn die kirchliche Zahlung ist ja eine Geste. Die irischen Kirchen haben ihre Anteile der Leistung größtenteils nicht durch Geldzahlung erbracht, sondern durch Überschreibungen. Und Irland ist nun bekanntlich „pleite“ und kann sich nur überm Wasser halten durch Hilfen u.a. von Deutschland…….

  16. Vergewaltigungsopfer ist es nicht egoistisch zu unterstellen, nur du hast wirklich gelitten, aber allen anderen hat man nur ´den Rock gehoben´ oder ´den Busen gegrapscht´?
    Woher kommen bei dir diese Bilder?
    Was soll ausserdem diese Bagatellisiserung?
    Die Länge und Vielfalt deine Beiträge ergeben ausserdem nicht automatisch dass du recht hast.

  17. Weil ich – und alle Frauen, die ich kenne – sowas schon mal erlebt habe: Rock hochziehen, Busengrapschen, Exhibitionisten. Das waren lästig, aber auch nicht mehr. Außerdem – wenn man dafür 80.000 Euro Entschädigung bekommen sollte, dann wären alle Bürger in Deutschland um 80.000 Euro reicher.

    Die Vergewaltigungen waren doch eine ganz andere Nummer. Und wer die Vergewaltigungen mit Rock hochziehen gleich setzt, der bagatellisiert die Schwere der Straftat.

  18. Hallo Vergewaltungsopfer,

    ich ziehe mich nun zurück. Ich spüre in Deinen Zeilen viel Wut, zuviel unschöne Gedanken und lese provozierendes, was ich mir so nicht antun möchte, ebenso das bewerten, welche Opfer, Opfer sind und welche nicht, das geht zuweit!
    Du springst herum von einem Thema zum anderen, findest ständig neue Täter – Tätergurppen – kämpfst so gegen jeden – schlussendlich nur mit Dir selbst.
    Ich wollte mich austauschen, mitteilen, solidarisieren.
    Einen Kampf gegen Windmühen habe ich nicht angestrebt.
    Verglichen zu werden etc. hat nix mit Achtung zu tun, weder einem selber noch vor dem Gegenüber.
    Das ist keine Ebene, verletzend. Ich spüre Deine Wut, kümmer Dich gut um Dich und schau, was da bei Dir nicht mehr stimmig ist.

    Es war schön, ich las einige schöne Posts.

    Herzliche Grüsse

    Jacqueline

  19. Deswegen habe ich gesagt: Geld hat nichts mit Achtung zu tun. Und in dem Augenblick, wo es ums Geld geht, wird verglichen, und das ist auch notwendig, auch wenn es verletzend ist. Geld ist Ersatz.

    Und wer sich das antun will, der muss auch zu der Kehrseite stehen.

    Was man selbst als schlimm empfunden hat, kann man natürlich für sich selbst entscheiden. Das ist aber eine andere Ebene.

    Und diese Ebenen muss man trennen können. Sonst würde man – so wie es Dir und Michael Lehrmann geht – provoziert und verletzt. Dass das für Opfer sehr sehr schwierig ist, weiß ich aus eigener Erfahrung (auch deswegen entscheiden sich ja viele Opfer gegen Anzeigen und Täterkonfrontation).

    Und ja, ich will nicht sagen, dass nur die Kirchen die bösen Täter sind. Täter gibt es überall. (Sowie es auch überlal gute Menschen gibt).

    Alles andere sind nur Wunschgedanken der Opfer, was nicht zum Ziel führt.

  20. @Vergewaltigungsopfer, ich gehe nicht mehr auf dich ein, da kannst du provozieren so viel du willst.

  21. @Michael Lehmann

    Das ist Deine Entscheidung. Es wird auch andere Leute geben, die mich verstehen werden.

    Interessant finde ich dennoch, dass Du diesen Weg mit mir wählst aber nicht mit den Tätern.

    Warum sagst Du bei den Tätern und bei Institutionen nicht, „ich gehe nicht mehr auf Sie ein, Sie können provozieren, soviel Sie wollen“? Und die Entschädigung boykottieren, weil man sich nicht geachtet fühlt? Sondern da kämpft man weiter und sagt „wir wollen gehört werden“ und will mehr Geld.

  22. ..@Vergewaltigungsopfer, ich gehe nicht mehr auf dich ein, da kannst du provozieren so viel du willst.

  23. Nur zur Klarstellung zu den angeblich „üblichen“ Sätzen: zwar sprachen deutsche Gerichte bisher tatsächlich sehr wenig Entschädigung in Fällen sexuellen Missbrauchs vor, allerdings auch nicht weniger als 10000 Euro bei leichteren Fällen, das ging bis zu 100000 Euro im Einzelfall. Einmalige Vergewaltigung eines Sechsjährigen schlug immerhin mit 40000 Euro zu Buche. 5000 Euro maximal liegen also bereits deutlich unter den angeblich „üblichen“ Sätzen. Aber was erwartet man von einer bekanntermaßen heuchlerischen Organisation, die seit Jahrhunderten Gelder und Vermögenswerte (teils auf dem Sterbebette durch Versprechen mit „Himmel“ oder Drohungen mit „Hölle“) erpresste, der Millionen unschuldige Menschen als „Ketzer“ oder „Hexen“ grauenvollerweise zum Opfer fielen? Die Völker in Religionskriege trieb, in denen zig Millionen buchstäblich abgeschlachtet wurden? (vgl. Karlheinz Descher: Kriminalgeschichte des Christentums Bde 1-10; Rowohlt). Mein Vorschlag: Halten wir es mit Voltaire – „Ecrazez l’infame!“

    http://www.kinderschreie-rechtliches.de/fragen/8.htm

  24. ui, ui, ui, franz stephan. das ist aber auch sehr dogmatisch. jedem das seine. auch in der religion. katholizismus ist keine staatsreligion.

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