Archiv für Januar 2011

Spin-Doctor Klaus Mertes

Freitag, 28. Januar 2011

Im Blog des publik-forum analysiert Christoph Fleischmann unter der Überschrift Spin-Doctor Klaus Mertes: Schlechtes Angebot, gute Presse das jesuitische Angebot und die geschickte Politik der Jesuiten, die Medien zu nutzen, um ein schlechtes Angebot gut verkaufen zu können.

Das Angebot, so Fleischmann, verstößt gegen hohe theologische Ideale, die Klaus Mertes in seinem jüngsten Buch »Sein Leben hingeben« entwickelt hat; es entspricht auch nicht den Regeln des Basars des Aushandelns, die dann, so man eben der Sühneforderung der Opfer nicht nachgeben will oder kann, zur Anwendung kommen müssten.

Diesem Dilemma entziehen sich die Jesuiten durch das geschickte Auftreten ihres “Spin-Doctors” Mertes.  Aber, so die Schlussfolgerung, einen Versöhnungsprozess [...] kann man das nicht nennen.

Lesenswerter Kommentar, danke!

Presseerklärung zur Ankündigung der Jesuiten, in drei Monaten eine ‘Anerkennungszahlung’ leisten zu wollen

Donnerstag, 27. Januar 2011

Die Pressemitteilung, die der Eckige Tisch heute als Stellungnahme zu dem Schreiben von Herrn Kiechle an die Betroffenen versandt hat, steht hier zum Download bereit.

„Wie lange wollt ihr noch Schäfchen sein?“

Mittwoch, 26. Januar 2011

Matthias bilanziert im Tagesspiegel in einem klugen Essay, dass an der Diktatur des Kirchenstaats und der rigiden Sexualmoral der katholischen Kirche die öffentliche Debatte wenig geändert hat:

Hat sich die katholische Kirche in Deutschland den mit dem Missbrauchsskandal verbundenen Fragen gestellt? Werden vielleicht sogar schon Antworten gegeben? Leider sieht es bisher nicht danach aus. Es scheint, als störten die unbequemen Opfer nur. Bis heute reagieren die Bischöfe nicht auf die Bitte von Betroffenen zum direkten Dialog.

Im Kern müsste die Debatte, die man ängstlich zu vermeiden sucht, sich um drei Aspekte drehen, die innerlich zusammenhängen: die Ordnungsform der Kirche, ihre Lehren zur Sexualität und der Kitt, der alles zusammenhält: das Geld. Altmodisch gesprochen geht es also um Gehorsam, Keuschheit und Armut – und den Missbrauch an diesen Tugenden zum Zwecke des Machterhalts, den die Hierarchie andauernd betreibt.

Ein zweiter Beitrag schaut, auch hier aus der eindrücklichen persönlichen Sicht von Matthias, auf das Jahr seit Bekanntwerden der Verbrechen an den Jesuitenschulen zurück.

Und zum dritten findet sich heute – bereits zum zweiten Male – eine ‘Richtigstellung’ zu dem inzwischen zurückgezogenen Raue-Artikel von vergangener Woche im Tagesspiegel.

Was dem Jesuitenorden der Lebensschaden der Missbrauchsbetroffenen wert ist

Montag, 24. Januar 2011

Die Berliner Zeitung berichtet am 24. Januar 2011 auf der Titelseite, dass der Deutsche Jesuitenordenden den Betroffenen eine vierstellige Summe zahlen will:

“Als ersten Schritt werde man für die rund 205 namentlich bekannten Opfer aus Jesuiten- schulen das angekündigte Angebot ‘präzisieren und umsetzen, insgesamt voraussichtlich rund eine Million Euro’, sagte der Rektor des Berliner Canisius-Kollegs, Pater Klaus Mertes.”

Dasselbe Angebot hatte Provinzial Stefan Kiechle bereits im September 2010 im Vorfeld des zweiten ECKIGEN TISCHES in der Süddeutschen Zeitung verkündet und war damit bei den Betroffenen auf Ablehnung und Empörung gestoßen.

Auf Seite 3 findet sich außerdem ein ausführlicher Beitrag über die aktive Rolle der Gruppe ECKIGER TISCH bei der Bekanntmachung der Missbrauchstaten:

“Die Überlebenden”

“Pricing the priceless” oder: Was ist ist ein Mensch wert?

Sonntag, 23. Januar 2011

Jesuitenprovinzial Kiechle hat im September 2010 im Interview mit der Süddeutschen Zeitung das Angebot verbreitet, den ehemaligen Jesuiten- schülern, die Opfer von sexuellem Missbrauch durch Jesuitenpatres und im Anschluss Opfer der jahrzehnte- langen Vertuschung dieser Verbrechen geworden sind, für diesen schweren Lebens- schaden eine Entschädigungszahlung in der Kategorie eines Monatsgehaltes zu zahlen.

Diese Entschädigungszahlungen wollen sich die Jesuiten durch “Einschränkung ihres Lebensstils” (Zitat Provinzial Dartmann) quasi vom Munde absparen.

Die Betroffenen, in deren Psyche und Persönlichkeit massive, fortdauernde Schäden angerichtet wurden, haben eine andere Vorstellung vom Wert ihres Lebens und von einer angemessenen Genugtuung für diese Schäden und die daraus resultierenden Konsequenzen, die sie seit Jahrzehnten ertragen haben und mit denen sie wohl auch für den Rest ihres Lebens werden leben müssen.

Sie fordern eine finanzielle Entschädigung, mit der jeder Betroffene für sich persönlich kompensatorisch etwas Sinnvolles anfangen kann, und haben eine Summe von 82.373 Euro für jeden Betroffenen gefordert. Sie beziehen sich dabei auf eine wissenschaftliche Veröffentlichung der Universität Innsbruck.

WissenschaftlerInnen  haben sich hier seit Jahren mit der Frage beschäftigt, wieviel ein Menschenleben wert ist und wie man einen Schaden, der einem Menschen zugefügt wird, bewerten kann.

Sie haben dazu im Jahr 2010 einen bemerkenswerten Artikel veröffentlicht, den wir hier zur Diskussion stellen:

“Der ‚Wert’ des Menschen“

von Andrea M. Leiter, Magdalena Thöni und Hannes Winner

Im August 2010 veröffentlichten sie den Beitrag international mit aktualisiertem Zahlenmaterial:

“Evaluating Human Life Using Court Decisions on Damages for Pain and Suffering”

Deutsche und österreichische Medien haben darüber berichtet („Was ist ein Mensch wert?“):

DIE ZEIT

FORMAT

“Worte sind zu wenig”

Freitag, 21. Januar 2011

In der  Wochenzeitung Die Zeit, genauer in der Beilage Christ und Welt für die Abonnenten des ehemaligen  Rheinischen Merkur, ist am 20. Januar 2011 nicht nur ein Artikel von Jesuiten-Provinzial Stefan Kiechle über die Schlussfolgerungen für die Kirche aus dem so genannten Missbrauchsskandal erschienen, sondern auch eine Bilanz der vergangenen 12 Monate aus Sicht der Betroffenen.

Diese Beilage ist am Kiosk erhältlich und online derzeit nicht verfügbar.

Wir dokumentieren hier den Beitrag von Matthias Katsch:
Worte sind zu wenig

“Unheilige Nähe der Missbrauchsbeauftragten”

Mittwoch, 19. Januar 2011

Der Tagesspiegel berichtet am 20. Januar 2011 darüber, dass Ursula Raue bis Dezember 2010 unter dem Dach der Rechtsanwaltskanzlei Redeker Sellner Dahs logierte, die den Jesuitenorden gegen die Opfer vertritt:

“Ursula Raue war bereits seit 2007 die Missbrauchsbeauftragte des Jesuitenordens. Pater Mertes gab vor einem Jahr an, er habe sie dem Orden empfohlen aufgrund ihrer guten Arbeit für den Verein Innocence in Danger.” Dass Raues Tochter bei am Canisius-Kolleg Abitur gemacht hatte, verschwieg er. “Auch zu Redeker Sellner Dahs hatte das Canisius-Kolleg schon vor 2010 Kontakt, die Kanzlei hatte das Gymnasium auch in den Jahren zuvor immer wieder beraten, sagt Thomas Busch, Sprecher des Jesuitenordens.”

Der Artikel ist auf tagesspiegel.de nicht mehr zugänglich,

kann aber hier gelesen werden.

Ein Jahr ist schnell vorüber

Dienstag, 18. Januar 2011

Am 14. Januar jährte sich das Gespräch von drei Betroffenen mit P. Mertes, das diesen veranlasste, am 19. Januar 2010 den Brief an die potentiell betroffenen Ehemaligen  der 1970er und 1980er Jahrgänge zu schicken.

Am 28. Januar 2010 begann mit der Veröffentlichung in der Berliner Morgenpost eine beispiellose Welle der Offenbarungen an allen Jesuitenschulen, zahlreichen anderen katholischen Schulen und Einrichtungen bis hin zur Odenwaldschule.

Das Thema sexuelle Gewalt gegen Jungen war auf einmal im Fokus der Öffentlichkeit wie nie zuvor.

Zahlreiche Medien erinnern in diesen Tagen daran und fragen: Was hat es gebracht?  Das fragen wir uns manchmal auch.

Hier zwei Hinweise für Mittwoch, 19. Jauar 2011:

Deutschlandfunk (“Tag für Tag”)  ab 9.34 Uhr
(“Umbruch positiv aufgreifen – Bischof Ackermann von Trier zum Umgang mit den Mißbrauch”)

rbb-Inforadio / “Nahaufnahme” um 10.45 Uhr

Außerdem der Hinweis auf Sonntag, 23. Januar 2011:

“Geschockt – getrieben – gelähmt – Die katholische Kirche und der Missbrauch”

rbb kulturradio (in Berlin auf 92,4 khz),   9.04  – 9.30 Uhr

more to come….

Kommentar: Alter Besen wechsle dich!

Mittwoch, 12. Januar 2011

Zur jesuitischen Personalrochade erreichte uns ein Kommentar, den wir hier gerne publizieren:

Alter Besen, wechsle Dich!

Personelle Veränderungen an den Kollegs

Mittwoch, 12. Januar 2011

Die Jesuiten melden heute, dass Klaus Mertes zum 1. September neuer Direktor in St. Blasien werden soll.

Nachfolger als Rektor am Canisius-Kolleg wird schon im Mai Tobias Zimmermann, der dort bereits als Schulseelsorger arbeitet.

Johannes Siebner wechselt im Juli an das Ako.