Archiv für August 2010

Neue Leitlinien zum Missbrauch: “Ein grosser Wurf” sieht anders aus

Dienstag, 31. August 2010

DBKEin großer Wurf war angekündigt, heraus kam eine Selbstverständlichkeit. Künftig sollen alle Bistümer sich daran halten, bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch die staatlichen Behörden einzuschalten, anstatt in Eigenregie Ermittlungen und Verfahren zu führen. So weit waren die bayerischen Bischöfe schon im Frühjahr.

Auch an institutionellen Konsequenzen findet sich wenig wirklich Neues  in den “verschärften” Leitlinien. Die kirchlichen Beauftragten für Missbrauch sollen nun nicht mehr der Bistumsleitung angehören. Niedrigschwellige Angebote sehen anders aus, man könnte zum Beispiel externe, unabhängige Ombudsmänner und -frauen beauftra- gen. Aber irgendwie soll die Öffentlichkeit dann doch nicht zu sehr in die Parallelgesellschaft “Katholische Kirche” rein gucken.

So wenig erhellend die Leitlinien, so enttäuschend das Statement zur Frage „Hilfe und finanzielle Genugtuung für die Opfer“. Immer noch gibt es keine eigenen Ideen und Vorschläge der Bischöfe, wie mit Hunderten von Missbrauchsopfern und ihren Angehörigen umgegan- gen werden soll. Wie stellt man sich unbürokratische Unterstützung vor? Wie sollte die finanzielle Entschädigung aussehen?

Nachdem die Ausrede mit den Sportvereinen nicht mehr so richtig zieht, schiebt man jetzt die Heimkinder vor. Weil man die ja seit Jahren im Regen stehen lässt, könne man ja jetzt nicht einfach schnell die Missbrauchsopfer an den Schulen entschädigen. Das wäre ja irgendwie ungerecht. Genau. Wie sieht’s denn mit der Verantwortung der Kirchen für die Opfer ihrer “Heimerziehung” aus? Bei dem Thema versagen die beiden großen Konfessionen ja seit Jahren in trauter ökumenischer Zweisamkeit.

Vertagen, verschieben und vertrösten – wie lange noch?

Mertes: “Genugtuung muss Täter schmerzen”

Dienstag, 31. August 2010

280110BBG114In einem ausführlichen Interview mit der Südwestpresse äußert sich Klaus Mertes zur Frage der finanziellen Genugtuung der Miss- brauchsopfer durch Kirche und Orden.

Ein Angebot der Bischöfe, “einen Master- plan” für die verschiedenen Opfergruppen, namentlich auch die Heimkinder, erwartet er eher nicht. Möglicherweise müsse man nach dem “Trial-and-Error”-Prinzip vorangehen.

“Ihr müsst nicht auf uns warten. Geht vorweg.”

Sonntag, 08. August 2010

berg-mannChristine Bergmann über Entschädigungs- zahlungen und das Warten auf den Runden Tisch: “Die Institutionen, die für den Missbrauch in ihren Reihen verantwortlich sind, könnten durchaus mit gutem Beispiel vorangehen, eigene Regeln für Entschädi- gungen aufstellen. Sie sagen, sie möchten auf den Vorschlag des runden Tisches warten. Ich antworte: Ihr müsst nicht auf uns warten. Geht vorweg.”

Das komplette Interview in der Süddeutschen Zeitung: “Was ich lese, übersteigt mein Vorstellungsvermögen”