Jetzt auch in Chile „komplexe Zeiten“

Auch in Chile sind in der vergangenen Woche Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester ans Licht gekommen. Ermutigt durch die weltweite Diskussion melden sich immer mehr Opfer. Einige Betroffene wählten den Umweg über die New York Times, um endlich Gehör zu finden.

Der Kardinal von Santiago sprach in einer Erklärung von „komplexen Zeiten“ für die Kirche. Komplex wird es vor allem für den Kardinal selbst. Denn schon 2003 wurden die Taten beim Kardinal angezeigt, ohne Reaktion. Darauf weist ausgerechnet ein Jesuit hin. Und der Vatikan wurde auch informiert, die geheimen internen Ermittlungen aber eingestellt.

Der beschuldigte Priester Fernando Kardima war lange Jahre in der Ausbildung des Priesternachwuchs in Chile tätig, darunter auch von fünf Bischöfen.  Wegen der Vertuschung der Vorwürfe wird in der Presse jetzt der Rücktritt des Erzbischofs von Santiago gefordert.

Stunden nachdem fünf der Opfer von Kardima in einer Sondersendung im staatlichen Fernsehen ihre Erlebnisse geschildert hatten und die Zuschauer nach Meinung der Presse damit schockierten, explodierte in einer Kirche im Süden des Landes eine Bombe, ohne größeren Schaden anzurichten. Inzwischen hat sich die Zahl der Betroffenen von Karadima, die sich beim Staatsanwalt gemeldet haben, auf 15 erhöht. Der Beschuldigte selbst wird derweil nicht nur von Gemeindemitgliedern öffentlich unterstützt, sondern auch von einigen Bischöfen, die die Taten in Zweifel zogen.

Vielleicht fällt dort jetzt auch noch jemandem auf, dass die beiden Haupttäter vom Berliner Canisius-Kolleg sich nach Chile absetzten, als ihnen der Boden Deutschland zu heiß wurde…

Den Bericht über den Eckigen Tisch mit den Forderungen und Erwartungen  haben wir hier schon mal ins Spanische übersetzt: http://www.eckiger-tisch.de/emocion-y-perspectiva-–-el-encuentro-de-la-mesa-con-esquinas-en-el-dia-del-29-de-mayo-2010-en-berlin

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