Toscanawanderung

AloisiuskollegRobert Knickenburg hat bereits 1999 seine Erinnerungen an die Missbrauchsvorfälle am AKO in den 50er Jahren niedergeschrieben. Diesen Text hat er uns hier zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt, was wir gerne tun. In einem zweiten Text setzt er sich mit Reaktionen auseinander, die er auf sein HR-Interview hin erfahren hat.

Beides – und natürlich die titelgebende Toscana-Anekdote – findet sich unter http://www.eckiger-tisch.de/erinnerungenako/

Jetzt auch in Chile „komplexe Zeiten“

Auch in Chile sind in der vergangenen Woche Fälle von sexuellem Missbrauch durch Priester ans Licht gekommen. Ermutigt durch die weltweite Diskussion melden sich immer mehr Opfer. Einige Betroffene wählten den Umweg über die New York Times, um endlich Gehör zu finden.

Der Kardinal von Santiago sprach in einer Erklärung von „komplexen Zeiten“ für die Kirche. Komplex wird es vor allem für den Kardinal selbst. Denn schon 2003 wurden die Taten beim Kardinal angezeigt, ohne Reaktion. Darauf weist ausgerechnet ein Jesuit hin. Und der Vatikan wurde auch informiert, die geheimen internen Ermittlungen aber eingestellt.

Der beschuldigte Priester Fernando Kardima war lange Jahre in der Ausbildung des Priesternachwuchs in Chile tätig, darunter auch von fünf Bischöfen.  Wegen der Vertuschung der Vorwürfe wird in der Presse jetzt der Rücktritt des Erzbischofs von Santiago gefordert.

Stunden nachdem fünf der Opfer von Kardima in einer Sondersendung im staatlichen Fernsehen ihre Erlebnisse geschildert hatten und die Zuschauer nach Meinung der Presse damit schockierten, explodierte in einer Kirche im Süden des Landes eine Bombe, ohne größeren Schaden anzurichten. Inzwischen hat sich die Zahl der Betroffenen von Karadima, die sich beim Staatsanwalt gemeldet haben, auf 15 erhöht. Der Beschuldigte selbst wird derweil nicht nur von Gemeindemitgliedern öffentlich unterstützt, sondern auch von einigen Bischöfen, die die Taten in Zweifel zogen.

Vielleicht fällt dort jetzt auch noch jemandem auf, dass die beiden Haupttäter vom Berliner Canisius-Kolleg sich nach Chile absetzten, als ihnen der Boden Deutschland zu heiß wurde…

Den Bericht über den Eckigen Tisch mit den Forderungen und Erwartungen  haben wir hier schon mal ins Spanische übersetzt: http://www.eckiger-tisch.de/emocion-y-perspectiva-–-el-encuentro-de-la-mesa-con-esquinas-en-el-dia-del-29-de-mayo-2010-en-berlin

Hinweis: Hier können sich Missbrauchsopfer zu Wort melden

Seit Anfang Juni ist die „Unabhängige Beauftragte der Bundes- regierung zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs“ telefonisch erreichbar. Unter der kostenfreien Nummer 0800–2255 530 haben Missbrauchsbetroffene, aber auch Angehörige die Möglichkeit, ihre Wünsche, Forderungen, Empfehlungen und Vorschläge an die Politik zu formulieren.

„Ihre Anliegen und Botschaften zu kennen, ist für die Aufarbeitung und meine Empfehlungen von zentraler Bedeutung.“ sagt Christine Bergmann auf ihrer Webseite.

weiter

Treffen Bonner Eckiger Tisch und SNAP

Vertreter vom Eckigen Tisch Bonn treffen sich am Dienstagabend und Mittwochmorgen mit einer Abordnung des Opferverbands SNAP. SNAP ist eine weltweit agierende Unterstützungsgruppe von Menschen, die von religiösen Autoritätspersonen (Priestern, Bischöfen, Diakonen, Nonnen und anderen) verletzt wurden. Am Dienstag soll ein informeller Austausch stattfinden, am Mittwoch ist eine gemeinsame Mahnwache vor dem Bonner AKO geplant.

Kontakt: mschroedertoyka@yahoo.com

Entschuldigung des Papstes: Notwendig aber nicht ausreichend

urn:newsml:dpa.com:20090101:100314-11-10781Er hat es also getan. Die Entschuldigung des Papstes bei den von Missbrauchsopfern war notwendig. Die Geste des Papstes ist erfreulich, und hebt sich ab von jenen, die vom „Geschwätz des Augenblicks“ sprachen. Aber diese Geste kann keinen Schlusspunkt darstellen. Diese Entschuldigung ist nicht ausreichend.

Die Fragen nach der Verantwortung der Kirche für den Missbrauch selbst und für die anschließende Vertuschung hat Benedikt gar nicht gestellt und auch keine Antworten dazu gegeben. Es fehlt immernoch eine klare Stellungnahme zur Übernahme von Verantwortung für das, was geschehen ist und die Einsicht, dass Entschuldigung und Entschädigung zusammengehören. Vielmehr flüchtet er sich in Selbstverständlichkeiten, wenn er sagt, dass alles getan werden muss, um die Kinder zukünftig zu schützen.

Die Opfer der Vergangenheit stehen daneben und warten immer noch auf  Hilfe und Genugtuung.