Archiv für April 2010

Mail an Frau Fischer

Donnerstag, 29. April 2010

AndreaFischerLiebe Frau Fischer,

von Frau Raue wurde ich heute informiert, dass Sie in irgendeiner Art als Ansprech- partnerin für durch Missbrauch durch Jesuiten Betroffene fungieren.

Ich wende mich an Sie in dieser Funktion, vor allem aber an Sie als Repräsentantin einer Partei, die bereits in ihrem Namen die Verbindung mit der DDR-Bürgerrechts- bewegung, deren herausragender Erfolg unabhängige Aufklärung mit und durch Betroffene (und nicht durch von “Täterorganisationen” Beauftragte) war, dokumentiert. Zudem erfahre ich just heute, dass die österreichische Schwester von Bündnis 90 / Die Grünen gegenüber der österreichischen Kirche die selbe Forderung erhoben hat* wie ich und andere sie schon seit drei Monaten – leider ohne Verständnis oder gar Annäherung zu erfahren – an die Jesuiten richten.

Ich bin nämlich der festen Überzeugung, dass all dies, was im Januar 2010 angestoßen wurde, nur dann gelingen – und das bedeutet zu einem letztlich für die Betroffenen befreienden Ende führen kann, wenn dieser Prozess durch Betroffene und durch unabhängige, d. h. von Betroffenen akzeptierten Vertretern, vollzogen wird. Dazu gehört an vorderster Stelle die Aufklärung der damaligen Vorgänge und das Offenlegen der Strukturen und das Erkennen des institutionellen Versagens, das diese Vorfälle über einen Jahrzehnte währenden Zeitraum ermöglicht, begünstigt und vertuscht hat. Und eben dies gelingt nur im unabhängigen Zugang zu den Archiven. Sie haben in Ihrer Partei sehr viel Kompetenz und Erfahrung wie so etwas geschehen kann – ohne dass notwendig zu schützende Interessen einzelner (Opfer wie Täter und Beteiligter) verletzt werden. Vielleicht können wir und die Jesuiten diese Kompetenz brauchen.

Bisher aber wird ein unabhängiger Zugang zu den Archiven verweigert.

Bitte setzen Sie sich dafür ein, dass wir, bzw. eine von uns akzeptierte/r unabhängige/r Vertreter oder Kommission, bald – ja bald, denn der lange Zeitraum, in dem wir hier alleine gelassen werden, quält sehr – diesen Zugang erhalten.

Vielen Dank und mit herzlichen Grüßen Ihr
Thomas Weiner

PS: weil das eben so sehr drängt, veröffentliche ich diese Mail zugleich auf http://www.eckiger-tisch.de. Bitte gestatten Sie mir Ihre Antwort dort ebenfalls zu veröffentlichen.

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* http://www.eckiger-tisch.de/2010/04/29/kommentar-raue-friends-reloaded/#comments

Raue & friends reloaded

Donnerstag, 29. April 2010

Nachdem die Teilnehmer der Versammlung vom 17. April 2010 mehrheitlich die Ablösung von Frau Raue als “Missbrauchsbeaufragte des Jesuitenordens” eingefordert hatten, hat der Jesuitenorden jetzt mit einer ungewöhnlichen Massnahme reagiert:

Die inkompetente Missbrauchsbeauftragte, die seit Monaten die Briefe und Emails der Betroffenen unbearbeitet in ihrer Privat- wohnung hortet, bleibt überraschenderweise im Amt.

jesuitAnstatt ein kompetentes und fachlich versiertes Team mit der zügigen Aufbereitung der vorliegenden Fakten zu beauftragen und den Betroffenen endlich ein akzeptables Angebot zur Genugtuung zu unterbreiten, sollen die Betroffenen sich jetzt mit irgendwelchen Jesuiten (!)  unterhalten.

Wem müssen die Betroffenen eigentlich noch ihre Geschichte erzählen, bevor der Orden sich seiner Verantwortung stellt und angemessen handelt?

Hier die Email von Frau Raue im Wortlaut:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wegen des großen Bedarfs an persönlichen Gesprächen, den einige der von Missbrauch durch die ehemaligen Patres Riedel und Statt betroffenen ehemaligen Schüler an Schulen und Einrichtungen des Jesuiten Ordens signalisiert haben, werden im Einvernehmen mit dem Provinzial Pater Dartmann im Rahmen meiner Aufgabe als Beauftragte des Ordens für Fälle von sexuellem Missbrauch ab sofort weitere Personen für Gespräche zur Verfügung stehen.

Das sind:

Frau Andrea Fischer – Bundesministerin für Gesundheit a.D. und Diözesanleiterin der Malteser – Telefon  – e-mail

Pater Christian Herwartz – Telefon  – e-mail

Pater Thomas Hollweck – Telefon  – e-mail

Pater Vitus Seibel – Telefon Telefon  – e-mail

Pater Hermann Kügler – Telefon  – e-mail

Pater Josef Singer -  Telefon  – e-mail

Mit freundlichem Gruß  –   Ursula Raue

Frau Raue meldet sich!

Dienstag, 27. April 2010

raueNach langem Schweigen meldete die Missbrauchsbeauftragte des Jesuitenordnes sich dieser Tage bei den Menschen, die ihr in den vergangenen Monaten ihre Geschichte anvertraut hatten, mit der Bitte, ihre Wün- sche und Anliegen in einem Fragebogen darzulegen. Nebenbei verteidigt sie sich in dem Anschreiben unter anderem gegen Vor- würfe, nicht genug Zeit auf die Kommunika- tion mit den Betroffenen verwandt zu haben.

Bei mir haben sich in den vergangenen 11 Wochen nicht nur 180 Männer und Frauen gemeldet, die von Mitgliedern des Jesuitenordens missbraucht wurden, sondern darüber hinaus weitere 60 Personen, denen Unrecht in anderen kirchlichen Einrichtungen widerfahren ist. Jeder Einzelne, der mich telefonisch erreicht hat, benötigt seine Zeit, über Verletzungen, die ihm angetan wurden, zu berichten. Das war niemals unter einer halben Stunde möglich und so mussten Briefe und E-Mails teilweise auf Antwort warten.

Das haben Betroffene anders erlebt. Hier die Erinnerung eines Opfers aus St. Blasien, die leider keine Satire ist:

“N.N.: (Begruessung), bin von Pater Siebner an Sie verwiesen worden, da ich 1987 am Kolleg St. Blasien leider auch unter Pater Statt gelitten habe, weiss nicht inwiefern Sie wussten, dass Pater Statt auch Heimaturlaub…(werde unterbrochen)

Raue: Ja, habe schon von den Vorfaellen Ende der 80er gehoert, Sie sind nicht der einizige. Auch geschlagen worden?

N.N.: Ja..(werde unterbrochen)

Raue: Mmhh, ist mir bekannt..Werde es zu den Akten nehmen, aber muss Sie daraufhinweisen, dass alles verjährt ist.

N.N.: …. (verdattertes schweigen)

Raue: Kann ich Ihnen sonst noch weiterhelfen? Habe ja Ihre Email und werde Sie auf dem Laufenden halten.”

Warum der runde Tisch eine gute Sache ist, aber nicht weiterhilft − und wie er stattdessen aus- sehen müßte

Montag, 26. April 2010

RunderTischDrei Monate nach dem Ende des Schweigens über die Missbräuche an katholischen Schulen in Deutschland tagte am vergange- nen Freitag erstmals der Runde Tisch der Bundesregierung.

Das ist gut. Leider hilft er den Hunderten von missbrauchten Jungen und ihren Angehö- rigen nicht wirklich weiter.

Dafür gibt es vier gute Gründe:
1. Die Besetzung, 2. das Thema, 3. die Form und 4. der Zeithorizont dieses Runden Tisches.

Das analysiert dieser Kommentar eines Betroffenen.

TV: Leutheusser-Schnarrenberger und Ackermann bei “beckmann”

Montag, 26. April 2010

beck-mannJustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), Bischof Stephan Ackermann und Margarita Kaufmann, Direktorin der Odenwaldschule und andere Gäste diskutierten am Montag, 26. April in der ARD-Talksendung beckmann über das “Tabuthema Missbrauch: Die Mauer des Schweigens bricht” (ARD-Mediathek).

Eine normale biologische Reaktion?” Reinhard Mohr kommentiert die zeitweilig kaum erträgliche Diskussion im Spiegel: “Verloren in der Verharmlosung”

Wie sich die Jesuiten mit dem Offenen Brief auseinandersetzen

Samstag, 24. April 2010

ich war ein täterDIE ZEIT berichtet in ihrer aktuellen Ausgabe (22. April 2010) unter der Überschrift »Ich war ein Täter!« darüber, wie die Jesuiten auf ihrer Klausurtagung nach Ostern über den Offenen Brief (»An die Jesuiten in Deutschland«) beraten haben:

»Wir müssen aufpassen, dass wir nicht als Jesuiten wieder die tollen Hechte sein wollen«, mahnt Pater Bernd, »jetzt eben als die Musterschüler des Missbrauchs.«

“und so vergebe ich mir deine sünden – Amen”

Samstag, 24. April 2010

2010-04-24_SZ_Janosch-Zeichnung_quadratischDie Süddeutsche Zeitung veröffentlichte eine Zeichnung des Jesuiten-Schülers Janosch (24. April 2010).

Danke Janosch!

Am Runden Tisch: „Kein anklagender Ton gegenüber der Kirche“

Freitag, 23. April 2010

ministerinnen_pressefotoDie Kirche kann erleichtert aufatmen. Beim ersten Zusammentreffen des Runden Tisches habe es „überhaupt keinen anklagenden Ton gegenüber der katholischen Kirche gegeben, ganz im Gegenteil.“ Das erklärte Bischof Ackermann gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

Ackermann ist einer von drei Kirchen- vertretern unter insgesamt 61 Teilnehmern des Runden Tisches (die anderen beiden sind Jesuiten-Privinzial Dartmann sowie Karl Jüsten, der “Leiter des Kommissariats der deutschen Bischöfe – Katholisches Büro in Berlin”).

Einige Pressestimmen:

Die Berliner Zeitung titelt Missbrauchsopfer fühlen sich ausgeschlossen.

jüsten_pressefotoJüsten wies im Münchner Kirchenradio die Kritik zurück, dass die Opfer am Runden Tisch nicht ausreichend vertreten seien, zurück. Die anwesenden Opferverbände hätten die Opfer hervorragend vertreten. Ein Tisch müsse damit leben, dass seine Teilnehmerzahl begrenzt ist.

Auf Spiegel Online kritisieren Grüne und Kinderschutzbund den Runden Tisch.

“Runder Tisch” – ohne die Betroffenen?

Donnerstag, 22. April 2010

runder_tischAm Freitag (23. April) tagte erstmals der Run­de Tisch der Bun­des­re­gie­rung mit dem griffigen und allumfassenden Motto “Se­xu­el­ler Kin­des­miss­brauch in Ab­hän­gig­keits- und Macht­ver­hält­nis­sen in pri­va­ten und öf­fent­li­chen Ein­rich­tun­gen und im fa­mi­liä­ren Be­reich”.

Hier die offizielle Teilnehmerliste

Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnar- renberger sagte dazu auf Deutschlandradio Kultur (16. April 2010), am Runden Tisch der Bundesregierung sollen “Vertreter von Opfern ihre Erfahrungen, ihre Kenntnisse, ihre Eindrücke mit einbringen, denn wir wollen hier nicht über die Opfer reden, sondern wir wollen da natürlich auch die Gelegenheit schaffen, gerade mit Opfern ins Gespräch zu kommen.”
Und warum sind wir dann nicht eingeladen?

Die “Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs”

Donnerstag, 22. April 2010

bergmann_swDie bisher unerreichbare  “Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs” Christine Bergmann hat jetzt erste Kontaktdaten:

Fax: 030-1855 541 555
Email: kontakt@ubskm.bund.de
Postanschrift: 11018 Berlin